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Nordkorea will stillgelegten Reaktor wieder aktivieren

US-Außenminister Kerry: Akzeptieren Nordkorea nicht als Atomstaat

Die nordkoreanische Flagge (picture alliance / dpa / Yohnap)
Die nordkoreanische Flagge (picture alliance / dpa / Yohnap)

Nordkorea hat angekündigt, eine stillgelegte Kernkraftanlage in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Die USA verurteilt die Inbetriebnahme des Atomreaktors und drängt die Regierungen Chinas und Russlands Einfluss zu nehmen.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un sagte in einer Rede vor dem Zentralkomitee der regierenden Arbeiterpartei in Pjöngjang, die nukleare Schlagkraft sei ein verlässliches Abschreckungsmittel gegen Krieg. Er bezichtigte die USA, sein Land in ein Rüstungswettrennen hineinziehen zu wollen. Ziel sei es, die ökonomische Entwicklung Nordkoreas zu behindern.

Die Regierung kündigte an, die Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA gilt dies sowohl für den Reaktor als auch für die Anlage zur Uran-Anreicherung. Ziel sei es, die atomaren Fähigkeiten des Militärs zu stärken und die Stromknappheit zu beheben. Wesentliche Teile des Komplexes in Yongbyon waren 2007 im Rahmen eines internationalen Abkommens abgeschaltet worden. Bis wann Nordkorea den knapp 35 Jahre alten Atomreaktor wieder in Betrieb nehmen will, ist unklar. Das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI bezweifelte, dass der Meiler rasch wieder hochgefahren werden könne, weil der Kühlturm des Kraftwerks vor fünf Jahren gesprengt worden sei.

USA drängen Russland und China zu Einflussnahme auf Pjöngjang

 US-Präsident Barack Obama: "Der Einsatz von chemischen Waffen ist und wäre völlig inakzeptabel" (picture alliance / dpa / Michael Reynolds)"Es ist kein Geheimnis, dass China Einfluss auf Nordkorea hat", sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama (picture alliance / dpa / Michael Reynolds)Das Weiße Haus verurteilte die Ankündigung Pjöngjangs, den Atomreaktor in Yongbyon wieder in Gang zu setzen. Dies sei ein "weiteres Zeichen" dafür, dass Nordkorea gegen "internationale Verpflichtungen" verstoße. Angesichts von Nordkoreas Konfrontationskurs haben die USA die Regierungen von China und Russland in die Pflicht genommen. "Es ist kein Geheimnis, dass China Einfluss auf Nordkorea hat", sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama. "Wir drängen China, diesen Einfluss zu nutzen, um das nordkoreanische Verhalten zu ändern. Das gilt auch für die Russen."

China hat die jüngsten Ankündigungen zur nordkoreanischen Atompolitik mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Man rufe alle beteiligten Staaten zu Ruhe und Zurückhaltung auf, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China trete weiterhin für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel ein.

Nordkorea müsse auf Atomwaffen verzichten, forderte auch US-Außenminister John Kerry nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se in Washington. Was Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un tue, sei "gefährlich, leichtfertig und die USA werden Nordkorea nicht als Atomstaat akzeptieren", sagte Kerry, der in der kommenden Woche nach Südkorea reisen will.

Am Ostermontag hatte das Weiße Haus in Washington durch einen Sprecher erklären lassen, trotz der harschen Rhetorik aus Nordkorea gebe es keine Anzeichen für einen bevorstehenden Krieg wie etwa eine Massenmobilmachung. Die US-Marine verlegte einen Zerstörer in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel. Die Sender NBC und Fox News meldeten, es handle sich um die "USS Mc Cain" und berufen sich dabei auf das Verteidigungsministerium. Gestern hatten die USA zwei weitere Tarnkappenjets des Typs F-22 Raptor in Nordkoreas Nachbarland Südkorea geschickt.

Südkorea droht mit Vergeltung

Südkoreas neue Präsidentin: Park Geun Hye (picture alliance / dpa /Yonhap)Nachbarland in Alarmbereitschaft: Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye (picture alliance / dpa /Yonhap)Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye erklärte in Seoul, auf nordkoreanische Provokationen werde man entschlossen und ohne politische Abwägungen reagieren. Sie drohte für den Fall eines Angriffs mit "starker Vergeltung" und forderte das Militär auf, "ohne Rücksicht auf jede politische Erwägung" prompt und strikt zu reagieren.

Nordkorea hatte am vergangenen Samstag den Kriegszustand mit Südkorea bekräftigt. Die koreanische Halbinsel befindet sich seit dem Ende des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 völkerrechtlich ohnehin noch immer im Kriegszustand. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht geschlossen. Das Zentralkomitee der kommunistischen Arbeiterpartei beschloss jetzt, das Arsenal an Atomwaffen weiter auszubauen. Deren Besitz solle "gesetzlich festgelegt werden", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Die Führung in Pjöngjang hatte vor drei Wochen den Nichtangriffspakt mit Südkorea gekündigt. Zudem kappte Nordkorea am Grenzdorf Panmunjom den sogenannten "heißen Draht" zum Süden. Die direkte Telefonverbindung diente beiden Seiten seit 1971 als Mittel zur Krisenkommunikation.

FDP-Außenpolitiker Stinner: Kims Rhetorik ist innenpolitisch motiviert

Der außenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Rainer Stinner, hält die Rhetorik der nordkoreanischen Führung für innenpolitisch motiviert. Kim Jong Un versuche, seine Position durch außenpolitische Kraftmeierei zu festigen, sagte er im Deutschlandfunk. Allerdings sei es ernstzunehmen, wenn ein Konflikt wie der auf der koreanischen Halbinsel sich verbal aufschaukele.

Wirtschaftlich sei das Land kaum in der Lage, die Stärke seiner konventionellen Streitkräfte aufrechtzuerhalten, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz im ZDF. Deshalb verlege man sich dort stärker auf die nukleare Komponente. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich Nordkorea von seiner Atompolitik abbringen lässt.

Spekulationen um Atomwaffe mit Reichweite bis in die USA

Der UNO-Sicherheitsrat hatte die Sanktionen gegen Pjöngjang nach dem Atomtest ausgeweitet. Sie betreffen unter anderem Bargeldtransfers, Auslandsreisen und die Einfuhr von Luxusgütern. Ziel ist es zum einen, die herrschende Elite direkt zu treffen und zum anderen, den Ankauf waffentauglicher Technologie unter Umgehung bereits bestehender Sanktionen zu verhindern.

Seit Wochen wird darüber spekuliert, wann das verarmte Land in der Lage ist, einen verkleinerten nuklearen Sprengsatz auf der Spitze einer Langstreckenrakete - die das Festland der USA erreichen könnte - platzieren zu können. Dass nordkoreanische Langstreckenraketen die USA erreichen können, ist seit einem Test im Dezember klar. Mit ihm begann der aktuelle Konflikt, wie Korrespondent Peter Kujath im Deutschlandradio Kultur erklärt.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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