Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il ist tot

USA kündigen Überprüfung der Beziehungen an

Kim Jong II ist tot (AP)
Kim Jong II ist tot (AP)

Er lebte im Luxus, investierte Milliarden Dollar in das Atomprogramm Nordkoreas, seine Bürger verhungerten indes zu Tausenden. Jetzt ist Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il gestorben. Die Macht wurde offiziell seinem jüngsten Sohn übertragen. Südkorea und die USA reagierten umgehend.

Laut Staatsfernsehen starb Kim Jong Il am Samstag während einer Zugfahrt an Herzversagen. Er wurde 69 Jahre alt und regierte das kommunistische Land seit 1994. Er litt bereits länger an gesundheitlichen Problemen. Die Macht soll an seinen Sohn Kim Jong Un übergeben werden. Er wird bereits seit Jahren als möglicher Nachfolger gehandelt.

Kim Jong-Un, Nordkorea (AP)Kim Jong-Un, Sohn des verstorbenen Machthabers - wird er der neue starke Mann? (AP)Nach Einschätzung des Koreakenners Bernhard Seliger ist die Nachfolge von Kim Jong Il in Nordkorea keineswegs geklärt. Der zum künftigen Staatschef von Nordkorea bestimmte Kim Jong Un habe viel geringeren Rückhalt als sein Vater bei dessen Machtantritt, sagte der Leiter des Korea-Büros der Hanns-Seidel-Stiftung im Deutschlandradio Kultur.

Nordkorea leide unter Versorgungsproblemen, an denen sich auch mit einem neuen Machthaber nichts ändern werde, vermutet der stellvertretende SPD-Fraktionschef, Ulrich Kelber, der das Land schon bereist hat. Die Söhne des Verstorbenen fügten sich, um die Vorteile der Führungselite zu übernehmen.

Die Herrschaftsordnung Nordkoreas nach dem Tod Kim Jong Ils sei nicht gefährdet, sagt der Ostasienforscher Hanns Maull.Doch der Staat an sich funktioniere nur noch, weil China seine schützende Hand über das Land halte - er erwartet in absehbarer Zeit den Zusammenbruch.

Südkorea reagiert

Als Reaktion auf den Tod des nordkoreanischen Machthabers versetzte Südkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Die beiden Nachbarländer befinden sich seit dem Koreakrieg in den 50er-Jahren völkerrechtlich noch im Kriegszustand.

Die USA haben in einer ersten Reaktion angekündigt, ihren Umgang mit dem kommunistischen Land auf den Prüfstand zu stellen. Offenbar soll das international wegen seines Atomprogramms isolierte Pjöngjang wieder in Atomgespräche eingebunden werden. Zusätzlich wollen die USA dem Land Lebensmittel zukommen lassen. Das ist dringend nötig: Im April 2011 konnte eine Delegation der Welthungerhilfe der Vereinten Nationen WFP (World Food Programme) Nordkorea bereisen. Seit 1995 unterstützt die WFP das Land mit der Lebensmittelversorgung seiner Bürger. Für 2011 prognostizierte die WFP bis zu sechs Millionen Menschen in Nordkorea, die unmittelbar vom Hunger betroffen seien. Jedes dritte Kind sei unterernährt.

Im Oktober dieses Jahres durfte unser Reporter Nils Kinkel nach Nordkorea einreisen - anlässlich der Vorbereitungen der 100-Jahr-Feier des Staatsgründers Kim Il Sung. Was er vorfand, war ein Gesellschaftsspektrum zwischen Luxus und Elend.

Ein US-Soldat im Koreakrieg (AP)Ein US-Soldat im Koreakrieg (AP)

Der Koreakrieg - kein Ende in Sicht

Die USA hatten in den frühen 1950er-Jahren gemeinsam mit den Vereinten Nationen und Südkorea gegen den kommunistischen Norden gekämpft. Dem vorausgegangen war der Überfall Nordkoreas auf den südlichen Nachbarn. Nordkorea wurde dabei von China unterstützt. Seit 1953 existiert zwischen Nord- und Südkorea ein Waffenstillstandsabkommen.

Bis zur Aufnahme Nord- und Südkoreas in die Vereinten Nationen 1991 gab es keine Kontakte zwischen den verfeindeten Brüdern. Südkorea fühlt sich angesichts Nordkoreas atomarer Hochrüstung leicht verwundbar.

US-Präsident George W. Bush (AP)US-Präsident George W. Bush zählte Nordkorea zur "Achse des Bösen" (AP)

Teil der "Achse des Bösen"

Der frühere US-Präsident George W. Bush hatte 2002 während seiner Regierungszeit Nordkorea wegen seines Atomprogramms als Teil der "Achse des Bösen" - bestehend aus Nordkorea, Iran und Irak - bezeichnet. Bush sagte damals:

"Es kann nicht sein, dass in Nordkorea Kinder verhungern, während eine riesige Armee ernährt wird. Ich appelliere an Nordkorea, seine Grenze zu öffnen und bekräftige meine Entschlossenheit, die weltweit gefährlichsten Staaten an der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen zu hindern."

2010 erreichte der schwelende Konflikt zwischen Nord- und Südkorea erneut einen vorläufigen Höhepunkt: Nach dem Angriff des Nordens auf die zum Süden gehörende Insel Yeonpyeong sahen Südkorea und sein Bündnispartner USA eine neue Stufe der militärischen Gewalt vonseiten Nordkoreas erreicht.

Mit zeitweiliger militärischer Präsenz vor Ort und Unterstützung Südkoreas versuchten die USA, den Konflikt zu entschärfen - doch bis heute bleiben die Beziehungen zwischen den Parteien belastet.

Die Beisetzung Kim Jong Ils soll am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden.

Surftipp: DRadio Wissen widmet sich den Reaktionen aus dem Internet zum Tode Kim Jong Ils in seiner Webschau.

Programmtipp: Die Sendung Hintergrund blickt heute um 18:40 Uhr unter dem Titel "Generations- aber kein Regimewechsel" auf die Kim-Dynastie in Nordkorea.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Samstag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Oper

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

PartnerwahlGeist ist geil

Ein Trend in immer mehr Dating-Apps ist die Kategorie "sapiosexuell". So bezeichnen sich Menschen, denen Wissen und Intellekt bei der Partnersuche offenbar wichtiger ist, als das Aussehen. Eine Stunde Liebe beschäftigt sich mit dieser geistreichen Vorliebe.
      
      

Autor über ungarisches Antiflüchtlingsreferendum"Total gelogen"

Ungarns Ministerpräsident Victor Orban beim EU-Gipfel in Bratislava, Slowakei. (dpa / EPA / Filip Singer)

Ungarns Regierungschef Orbán lässt am Sonntag mit einem Referendum über die europäische Flüchtlingspolitik abstimmen. Der regimekritische Publizist und Autor Rudolf Ungváry wirft der ungarischen Regierung Tatsachenverdrehung und Stimmungsmache vor.

Wahlkampf in den USADer Twitter-Krieg

Hillary Clinton und Donald Trump am Ende der ersten Fernsehdebatte, sie stehen mit dem Rücken zur Kamera. (picture-alliance / dpa / Joe Raedle)

Donald greift an, Hillary pariert. Und schießt zurück. Der Wahlkampf in den USA spielt sich gerade bei Twitter ab. Es geht um Standfestigkeit und Schönheitsköniginnen - und um die Frage, was Twitter mit Atombomben zu tun hat.

Hassmails und MorddrohungenLokalpolitiker im Fadenkreuz

Facebook-Symbole und darüber steht Hass gesprüht. (Imago / Ralph Peters)

Übergriffe auf Kommunalpolitiker nehmen zu. Meist haben die Attacken einen rechtsradikalen Hintergrund, stehen in Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. Die alarmierende Zahl des Bundesinnenministeriums: Mehr als 800 Übergriffe auf Mandatsträger gab es allein seit Beginn dieses Jahres.

Heiner Geißler über CDU/CSU-Vorstoß"Dieser Aufruf liegt völlig daneben"

Der langjährige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler (picture-alliance / dpa / Peter Steffen)

Die CSU und Sachsens CDU haben einen "Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur" verfasst. Damit wollen sie reagieren auf "gesellschaftlicher Unruhe". Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert Aussagen dieses Papiers: Es fordere, Gesinnungen statt Werte hochzuhalten.

Regierungsbericht zum Stand der Einheit"Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich"

Rund eine Million Menschen feierten in der Nacht zum 3.10.1990 in Berlin - wie hier vor dem Reichstagsgebäude - die wiedergewonnene deutsche Einheit. (Wolfgang Kumm, dpa picture-alliance)

Im Regierungsbericht zum Stand der deutschen Einheit ist von einer Zunahme der rechtsextremen Überfälle die Rede. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, betonte, dass die Mehrheit der Ostdeutschen nicht ausländerfeindlich sei. Doch das sei leider "eine zum Teil schweigende Mehrheit."

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Niedrigzinsen  Bafin-Chef sorgt sich um deutsche Banken - "schmerzhafte Einschnitte" | mehr

Kulturnachrichten

Jugendangebot von ARD und ZDF geht online  | mehr

Wissensnachrichten

Raumsonde  Rosettas letztes Bild | mehr