Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Novartis verliert Patentstreit um Krebsmedikament in Indien

Billigere Generika weiter erlaubt

Hauptsitz des Schweizer  Pharmaunternehmens Novartis in Basel. (picture alliance / dpa / Keystone Ruetschi)
Hauptsitz des Schweizer Pharmaunternehmens Novartis in Basel. (picture alliance / dpa / Keystone Ruetschi)

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat im Streit um ein Patent auf ein Krebsmedikament in Indien eine Niederlage erlitten. Der Oberste Gerichtshof verweigerte dem Unternehmen Patentschutz für das Präparat. Damit geht ein siebenjähriger Rechtsstreit zu Ende, und Patienten in Indien können weiter preiswerte Nachahmerprodukte nutzen.

"Hätte Novartis gewonnen, wäre die Produktion erschwinglicher Generika in Indien stark behindert und der Zugang zu lebensnotwendigen Generika für Millionen Menschen weltweit erschwert worden." Mit deutlichen Worten reagierte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Neu Delhi. Dieser hatte eine Patentklage des Pharmaunternehmens Novartis zurückgewiesen. Das Krebsmedikament Glivec erfülle nicht die notwendige Anforderung einer merklichen Verbesserung gegenüber Vorgängerpräparaten, so die Begründung der Richter. Sie bestätigten damit die Ansicht der indischen Patentbehörden und frühere Gerichtsentscheide.

Glivec gilt als wirksames Medikament im Kampf gegen eine Form von Leukämie. Eine Behandlung kostet in Indien pro Monat umgerechnet 3125 Euro. Eine Generikaversion, die nach Einschätzung von Ärzten die gleiche Wirkung wie das Original hat, ist dagegen für knapp 60 Euro erhältlich. Novartis hatte argumentiert, eine neue Version des Medikaments sei deutlich besser, weil diese vom Körper deutlich leichter aufgenommen werden könne.

Wegweisende Bedeutung

Verschiedene Tabletten (picture alliance / dpa)Generika sind für Entwicklungsländer von großer Bedeutung (picture alliance / dpa)Die Richter verwiesen in ihrer Begründung auf ein Gesetz aus dem Jahr 2005, wonach Pharmafirmen kein Patent bekommen, wenn sich ein neues Arzneimittel nur geringfügig von bereits vorhandenen Präparaten unterscheidet. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, da ihm wegweisende Bedeutung für die Entwicklung von Generika zugewiesen wird, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Kai Küstner. Indiens Pharmafirmen sind weltweit einer der größten Lieferanten von günstigen Medikamenten gegen Krankheiten wie Krebs, Aids und Tuberkulose. Indien wird deshalb oft als "Apotheke der Armen" bezeichnet.

Novartis kritisierte das Urteil. Dieses sei innovationsfeindlich und erschwere den wissenschaftlichen Fortschritt im Pharmabereich. Ein Sprecher des Unternehmens bezeichnete die Entscheidung als "Rückschlag für Patienten". Die indische Krebshilfe lobte das Urteil dagegen. Nun sei es weiter möglich, "erschwingliche Medikamente für die Armen" zur Verfügung zu stellen.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Der Wert der Therapie - Helfen moderne Krebstherapien den Patienten wirklich?
Radioaktive Umweltstrahlung und Leukämie bei Kindern - Krebsstudie findet Zusammenhang zwischen kleinen Strahlendosen und Blutkrebs
Radiolexikon Gesundheit: Generika

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

EU und der Westsahara-KonfliktHandel mit Afrikas letzter Kolonie Marokko

CVRIA der Europäische Gerichtshof (imago/Horst Galuschka)

Made in Marocco – mit diesem Label exportiert Marokko Produkte in die EU. In den 1970er-Jahren hat das Land die Westsahara annektiert. Ob die EU mit dem Handel eine widerrechtliche Annexion unterstützt, klärt nun der Europäische Gerichtshof.

Überwachung in DeutschlandHeiligt der Zweck die Mittel?

Polizisten von hinten. Sie tragen Helme. (Arno Burgi, dpa)

Im Februar 2011 demonstrieren rund 20.000 Menschen in Dresden gegen Neonazis. Die Polizei rechnet mit "schweren Straftaten" und besorgt sich die Mobilfunkverbindungen von Zehntausenden Bürgern per Funkzellenabfrage - eine juristisch fragwürdige Ermittlungsmethode.

Motivierend oder nervig?Die Fitness-Poser

Auf Instagram wird gestählt, gepumpt, geschwitzt. Spiegelselfies im Gym, Erfolgsmeldungen vom neuen Jogging-Rekord. Für die einen sind solche Postings Motivation pur. Für andere einfach nur nervig. Und authentisch? Schon gar nicht.

Debatte über Sexismus in der CDU"Das würde männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren"

Anne Wizorek spricht auf der Internetkonferenz republica am 7. Mai 2015 in Berlin (imago stock&people)

Die CDU-Politikerin Jenna Behrends ist nach eigenen Angaben vom Berliner Parteichef Frank Henkel als "große süße Maus" bezeichnet worden. Das sei kein Graubereich mehr, sondern Sexismus, sagte die Aktivistin Anne Wizorek im DLF. Sie nannte es erschreckend, dass sich die Frauen-Union nicht mit Behrends solidarisch zeige.

Erstes TV-Duell Clinton - TrumpPolitprofi trifft auf Seiteneinsteiger

Donald Trump und Hillary Clinton (AFP)

Mit rund 100 Millionen Zuschauern rechnen die Fernsehsender, wenn Hillary Clinton und Donald Trump in der Nacht zu Dienstag in ihrer ersten Fernsehdebatte gegeneinander antreten. Für die demokratische Kandidatin wie auch für ihren republikanischen Gegenspieler ist der Druck enorm.

ELEKTROAUTOSNoch liefern die Stinker die Waren

Laster und Transporter stinken unsere Städte und Autobahnen voll. Warum sind die ganzen Speditionen und Paketdienste eigentlich nicht mit Elektrofahrzeugen unterwegs?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kolumbien  Regierung und Farc besiegeln Frieden | mehr

Kulturnachrichten

Kulturstaatsministerin will Literatur stärker fördern  | mehr

Wissensnachrichten

Tiere in der Stadt  Berlin ist eine Wildschwein-Insel | mehr