Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

NPD lässt Verfassungstreue prüfen

Rechtsextreme Partei zieht vor Bundesverfassungsgericht

Ein Mitglied der rechtsextremen NPD
Ein Mitglied der rechtsextremen NPD (picture alliance / dpa / Stephan Scheuer)

Lange Zeit hat die Politik mit einem erneuten NPD-Verbotsverfahren gehadert. Nun ergreift die rechtsextreme Partei die Initiative: Die obersten Richter in Karlsruhe sollen entscheiden, ob die Partei nach dem Grundgesetz verfassungswidrig ist. Die Demokraten mahnen jetzt zu Eile beim Verfahren.

Im Grundgesetz steht in Artikel 21, Absatz 2: "Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht." Auf diesen Passus ist die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) aus. Bei Gericht sei ein Antrag zur Prüfung der Verfassungsmäßigkeit der NPD eingegangen, sagte ein Sprecher.

In dem Antrag wird das Gericht unter anderem aufgefordert, festzustellen, dass die NPD "nicht verfassungswidrig im Sinne des Artikels 21, Absatz 2 des Grundgesetzes ist" und deshalb nicht verboten werden könne. Bislang sei noch keine Partei mit einem solchen Antrag vorstellig geworden, sagte der Gerichtssprecher. Offen ist, wann die Richter darüber entscheiden. Der NPD-Vorsitzende Holger Apfel kündigte an, dass seine Partei den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anrufen werde, falls Karlsruhe den Antrag zurückweise.

Für die Verfasssungsrichter wird es eine schwierige Aufgabe, müssen sie doch auch die "Ziele" der NPD und das Verhalten ihrer Anhänger bewerten. Die NPD will in Karlsruhe nach Angaben auf ihrer Internetseite auch feststellen lassen, dass ihre Rechte verletzt werden, wenn Gegner sie als verfassungswidrig darstellen, ohne einen Verbotsantrag zu stellen.

"Verbotsfahren zügig einleiten"

Thomas Oppermann, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-BundestagsfraktionThomas Oppermann, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion (Deutschlandradio - Bettina Straub)Bund und Länder wollen im Dezember entscheiden, ob sie ein erneutes NPD-Verbotsverfahren einleiten wollen. Ein erstes Verbotsverfahren in Karlsruhe war 2003 gescheitert, weil sich die Klage auf Beweise stützte, die V-Männer in der NPD lieferten, also vom Verfassungsschutz angeworbene Parteifunktionäre. Ein neuerliches Verfahren müsse nun zügig ins Rollen gebracht werden, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Bund und Länder dürften "der NPD nicht die Initiative überlassen". Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte den NPD-Antrag einen "durchsichtigen und dreisten Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen".

Die Länder seien sich einig, nur Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zögere immer noch. Friedrich forderte auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden, eine "noch vor Ende dieses Jahres" über das Verbotsverfahren zu entscheiden. Er selbst sei weder leidenschaftlich für noch gegen ein NPD-Verbot, sondern sehe in vielfältiger Weise das Für und Wider. Notwendig sei eine kluge Abwägung der Chancen und Risiken. Auch gelte es, Prozessrisiken abzuwägen. Hierzu gehöre, dass das Gericht möglicherweise die Klarnamen aller V-Leute einfordern werde. Nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums wird der NPD-Antrag keinen Einfluss auf die Vorbereitung eines Verbotsverfahrens haben. Auf der BKA-Herbsttagung, die morgen zu Ende geht, treffen sich die Spitzen der Sicherheitsbehörden unter dem Motto "Bekämpfung des Rechtsextremismus - eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wird fortgesetzt".

Karlsruhe: "Rechtsradikal" ist Werturteil

In Karlsruhe wurde derweil ein anderes Urteil in ähnlicher Sache bekannt. Die Verfassungsrichter entschieden, es sei ein Werturteil und Meinungsfreiheit, jemanden - wie im vorliegenden Fall zum Beispiel in einem Internetforum - als "rechtsradikal" zu betiteln.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Stadtentwicklung"Tante Gerda" kommt

Esslingen ist eher spießig. Und viele junge Esslinger wollen mehr urbane Freiräume. Dafür gibt es jetzt das Projekt "Tante Gerda", um bei der Stadtentwicklung mitzumischen. Maren Alsch ist Projektkoordinatorin und erzählt von der revolutionären Tante.

EnergiesicherheitSorgen um die Gasversorgung

Elektro-Techniker inmitten mehrerer Gasbohrungen vom Erdgasspeicher in Rehden

Ein Drittel des deutschen Gasverbrauchs decken russische Quellen. Viel davon kommt zu uns über ukrainische Pipelines. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Russland-Konflikts steigt die Sorge um mögliche Engpässe. Umfangreiche Reserven könnten helfen.

FDPEin Jahr nach der Bundestagswahl

Der FDP-Bundesvorsitzende, Christian Lindner, sitzt am 06.08.2014 in Erfurt (Thüringen) bei einer Wahlkampfveranstaltung vor einem Wahlplakat der Thüringer FDP auf dem steht: "Wir sind dann mal weg. Genauso wie der Mittelstand"

Am 22. September 2013 passiert der FDP das, was sie in ihren schlimmsten Träumen befürchtet hat: Sie ist nicht mehr im Bundestag vertreten. Die alte Riege ist abgetaucht. Übrig geblieben ist - neben Wolfgang Kubicki - nur einer: Christian Lindner. Und der gibt sich kämpferisch.

Russland und EstlandAngst vor dem Nachbarn

Estnische Soldaten in einem Panzerfahrzeug bei einer NATO-Übung nahe der russischen Grenze.

Trotz der Waffenruhe fürchten die Baltikumstaaten ein Übergreifen der Ukraine-Krise. Vor allem viele Esten fürchten, dass Moskau schon damit begonnen hat, die Krallen auszufahren. Als Beleg dient ihnen ein mysteriöser Zwischenfall.

RechtsextremismusZu viel Geld für zu wenig Aufklärung?

An einem Haus in Loitz (Mecklenburg-Vorpommern) steht am 06.10.2013 der Schriftzug "Multikulti nein Danke".

Initiativen, Beratungsstellen und Veranstaltungen: Mecklenburg-Vorpommern gibt viel Geld aus im Kampf gegen rechtes Gedankengut. Doch sinnvoll ist der Einsatz der Steuergelder nicht immer. Es fehlt an Konzepten, Kontrolle und Effizienz.

DatenschutzKeine Kohle mit persönlichen Daten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière will den Verkauf von Persönlichkeitsprofilen verbieten und nennt in einem Atemzug Google. Google reagiert entrüstet - das Unternehmen würde Nutzerdaten gar nicht verkaufen oder an Werbepartner weitergeben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erste US-Luftangriffe in Syrien  haben begonnen | mehr

Kulturnachrichten

Else Beitz  mutige Frau des Krupp-Chefs gestorben | mehr

Wissensnachrichten

Erasmus  Studium im Ausland erhöht Karrierechancen | mehr