Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

NRW-Innenminister erhebt schwere Vorwürfe gegen Loveparade-Veranstalter

SPD-Politiker Jäger: Vorgaben des Sicherheitskonzeptes wurden nicht umgesetzt

Trauernde am Unglückstunnel von Duisburg (AP)
Trauernde am Unglückstunnel von Duisburg (AP)

Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, hat die Veranstalter der Loveparade und die Verantwortlichen bei der Stadt Duisburg scharf kritisiert. Er finde es unerträglich, "dass Verantwortung von Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird".

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Düsseldorf machte Jäger den Veranstaltern den Vorwurf, dass sie die Vorgaben ihres Sicherheitskonzeptes nicht eingehalten hätten. Er finde es unerträglich, "dass Verantwortung von Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird", noch bevor alle Fakten bekannt seien, so der SPD-Politiker, der selbst aus Duisburg stammt.

Jäger kündigte an:"Wir werden auch klären müssen, warum die Polizei das Sicherheitskonzept erst so spät erhalten hat." Dies sei erst am Morgen der Veranstaltung geschehen. Die Polizei sei davon ausgegangen, dass ihre wesentlichen Bedenken umgesetzt würden. Jäger kritisierte: "Eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen einer Stadt als Genehmigungsbehörde und ihrer Behörde stelle ich mir anders vor."

Die "Süddeutsche Zeitung" meldet unter Berufung auf einen vorläufigen Untersuchungsbericht, die Firma Lopavent des Fitnessunternehmers Rainer Schaller habe weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt als angekündigt und Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren - so der Vorwurf der Behörden.

Zudem seien die Veranstalter von völlig falschen Berechnungen ausgegangen, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen würden. Einziger Zugang zum Gelände war eine Rampe, zu der die Besucher aus zwei nur 16 Meter breiten Tunneln strömten. Die Besucher hätten sich nach Betreten des Festivalgeländes nicht wie vom Veranstalter erwartet schnell von der Rampe entfernt und auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes verteilt. Vielmehr sei es im Eingangsbereich zu einem Stau gekommen, der den Druck auf die nachströmenden Gäste weitergegeben habe.

Die Polizei habe den Veranstalter zuvor auf diese Problematik hingewiesen, hieß es in Polizeikreisen. Der Veranstalter habe aber lediglich geantwortet, es werde alles reibungslos ablaufen: "Wir haben da unsere Erfahrungen."

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Lopavent-Chef Rainer Schaller wies die Vorwürfe zurück, er habe die Sicherheit bei der Loveparade vernachlässigt. Die Genehmigung sei erteilt worden, "ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Loveparade niemals stattfinden lassen", sagte Schaller der "Bild"-Zeitung. Er machte im Gegenzug die Polizei für die Katastrophe verantwortlich: Die Sicherheitskräfte hätten ohne Absprache die Besucher ungehindert in den Tunneleingang strömen lassen, wo es zu dem tödlichen Gedränge gekommen sei. Dieser Darstellung folgte auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland

Die Deutsche Polizeigewerkschaft warf Schaller im Gegenzug vor, von seiner Verantwortung abzulenken und deshalb ein Fehlverhalten bei der Polizei zu suchen.

Druck auf Oberbürgermeister Sauerland wächst

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte den Rücktritt der politisch Verantwortlichen in Duisburg: "Der Oberbürgermeister und die politisch Verantwortlichen waren geradezubesessen von der Idee, die Loveparade in Duisburg zu veranstalten, dass sie die Warnsignale entweder nicht wahrgenommen oder beiseite geschoben haben", sagte Wendt.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wies die Vorwürfe zurück und bestritt, er habe im Vorfeld Warnungen erhalten. Ein Ermittler der Kölner Polizei teilte jedoch mit, Schreiben des Direktors der Duisburger Berufsfeuerwehr sowie ranghoher Polizeibeamter seien im Briefkopf mit "Oberbürgermeister" versehen worden.

Trauerfeier ohne OB

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (AP)Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (AP)Sauerland wird auch nicht an der geplanten Gedenkveranstaltung teilnehmen. Er wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung. Auch Sicherheitsbedenken sollen zu der Entscheidung geführt haben: Gegen Sauerland soll es mehrere Morddrohungen gegeben haben.

An der Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche Kirche werden am Samstag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Schwere Unwetter in Deutschland"Wir behalten diese gefährliche Unwetterlage"

Nach einem Unwetter mit starken Regenfällen ist am 29.05.2016 eine Straße in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) überschwemmt. (dpa / picture-alliance / Jonas Heilgeist)

Blitze, Hagel, Sturmböen und Starkregen: Ein Unwetter hat weite Teile im Süden des Landes verwüstet und auch im Westen und Norden sieht es ziemlich düster aus. Schuld daran ist das Tief "Elvira", das seit vielen Tagen über Deutschland liegt. Die Stagnation der Wetterlage sei deshalb besonders gefährlich, "weil wir ja anders als bei einer Badewanne keinen Abfluss haben", sagte die Meteorologin Katja Horneffer im DLF.

Philosoph Wolfram Eilenberger"Die integrative Kraft des Sports ist ein Mythos"

Die deutschen Spieler Torwart Bernd Leno (hinten, l-r), Sebastian Rudy, Jonas Hector, Mario Gomez, Antonio Rüdiger, Samy Khedira und Jerome Boateng sowie (vorne, l-r) Leroy Sane, Julian Draxler, Mario Götze und Joshua Kimmich. (dpa / Christian Charisius)

Der Philosoph Wolfram Eilenberger sieht in Deutschland ein hohes Maß an Alltagsrassismus. Die angebliche Boateng-Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland nannte er im Deutschlandfunk unverantwortlich. Die "integrative Kraft des Sports" bezeichnete Eilenberger allerdings als Mythos: "Wir bilden uns ein, dass der Sport eine sehr starke integrative Kraft hat, während das nur in zwei, drei Sportarten der Fall ist."

Hass auf Schwule in RusslandWas tun? Nicht aufgeben!

Zwei Männer küssen sich. (picture alliance / dpa)

Die Situation der Homosexuellen in Russland ist prekär, und Präsident Putin kümmert das wenig. Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband sieht die Diskriminierung in einem größeren Zusammenhang: als Teil einer antidemokratischen Entwicklung.

Preisverfall"Ein Zurück zur Milchquote ist nicht die Antwort"

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU in der Bundespressekonferenz. (picture alliance / dpa / Bern von Jutrczenka)

Viele Landwirte in Deutschland leiden unter dem Preisverfall der Milch. Vor einem Treffen in Berlin mit Vertretern der Milchindustrie und des Handels kündigte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) rasche Hilfen für die Bauern an. Ein Zurück zur Milchquote werde es aber nicht geben, sagte Schmidt im DLF.

Griechenland-Hilfen"Die Wahrheit kommt nur scheibchenweise ans Licht"

Der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch. (imago/Sven Simon)

Der CDU-Finanzpolitiker Klaus-Peter Willsch hält es weiterhin für sinnvoll, dass Griechenland geordnet aus der Euro-Zone austritt. Er sagte im DLF, es sei kaum überraschend, dass nun einen Schuldenschnitt gesprochen werde. Auch rechne er mit wachsendem Widerstand in der Unionsfraktion gegen weitere Hilfsprogramme für Athen.

NationalismusEU-Kritik ist die Angst vor einer fehlenden Identität

Die Flagge Großbritanniens und die der Europäischen Union (Facundo Arrizabalaga, dpa picture-alliance)

War vor der Europäischen Union wirklich alles besser? Wir haben keine wirkliche Idee mehr, was unsere Nationen eigentlich sind, meint Klaus Weinert. Die Angst vor Fremden ist nichts anders als die eigene Verunsicherung, die Suche nach Identität durch Rückzug in die eigenen vier Wände.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

AfD-Kritik  Diakonie und Caritas empört über Petry-Äußerungen | mehr

Kulturnachrichten

Taco Dibbits neuer Direktor des Rijksmuseums  | mehr

Wissensnachrichten

Sonne  Lichtphänomen in Manhattan | mehr