Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

NSA-Chef bittet Hacker um Hilfe

US-Regierung verteidigt Spähprogramm "XKeyscore"

Nach neuen Enthüllungen über ein umfassendes Überwachungsprogramm versucht die US-Regierung Schadensbegrenzung. Und NSA-Direktor Keith Alexander geht in die Charme-Offensive: Auf einer Hacker-Konferenz in Las Vegas bat er die Anwesenden um Unterstützung.

"Sie sind die weltweit größten Technik-Talente. Helfen Sie uns", forderte Keith Alexander die versammelten Hacker bei der "Black Hat"-Konferenz in Las Vegas auf. "Wir stehen für Freiheit." Er sagte, die NSA-Mitarbeiter wollten Terroristen finden und beobachten und nicht normale Amerikaner. Die Medien stellten Fakten über NSA-Programme falsch dar. Der Ruf der Mitarbeiter des Geheimdienstes sei beschädigt, weil nicht alle Tatsachen auf dem Tisch lägen. Die "Washington Post" schrieb, der Auftritt des NSA-Direktors in Las Vegas sei Teil einer Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit, um besser zu erklären, was die NSA tue.

Eine PR-Kampagne scheint auch bitter nötig, nachdem gestern die britische Tageszeitung "The Guardian" neue NSA-Dokumente im Netz veröffentlichte. Demnach haben Mitarbeiter über ein Programm namens "XKeyscore" umfassenden Zugriff auf E-Mails, Facebook-Chats, Suchanfragen und Verbindungsdaten von Millionen Menschen. Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner Personen in Echtzeit soll mit "XKeyscore" möglich sein.

NSA: Wir sammeln nicht willkürlich und grenzenlos Informationen

Das Weiße Haus verteidigte das Programm gegen Kritik: Es sei nur ausgewählten Personen zugänglich und unterliege strengsten "gegenseitigen Kontrollen" gegen Missbrauch. "Der Vorwurf flächendeckender, ungeprüfter Zugriffe auf NSA-Daten ist falsch", versicherte Präsidentensprecher Jay Carney. Auch die Sicherheitsbehörde NSA widersprach der Behauptung, er sammele "willkürlich und grenzenlos" Informationen, und warnte vor der Gefährdung wichtiger Quellen und Aufklärungsinstrumente durch Medienberichte.

Drei vertrauliche Dokumente, die die US-Regierung selbst ins Internet stellte, brachten nichts wirklich Neues ans Licht. Die Berichte aus den Jahren 2009 und 2011 legen nur in groben Zügen offen, unter welchen Voraussetzungen die massive Sammlung von Daten stattfindet, die der Computerspezialist Edward Snowden bereits Anfang Juni enthüllt hatte.

Obama sucht Gespräch mit Kongressabgeordneten

Präsident Barack Obama bat unterdessen führende Kongressabgeordnete für heute zu einem Gespräch ins Weiße Haus. Geladen wurden unter anderem die demokratischen Senatoren Max Udall und Ron Wyden, die sich zuletzt alarmiert über die NSA-Programme gezeigt hatten, sowie die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein. Angesichts der Enthüllungen über die umfassende Datenspeicherung und -nutzung durch die NSA gibt es inzwischen auch im US-Kongress Bestrebungen, die Befugnisse des Geheimdienstes einzuschränken.

Im Deutschlandfunk kritisierte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin "XKeyscore". "Dieses Programm ist geeignet, jedermann zum Terroristen zu machen." Man könne beispielsweise abfragen, wer eine fremde Sprache an einem bestimmten Ort spreche. "Und wenn Sie dann feststellen, dass jemand in Pakistan Deutsch spricht, dann haben Sie gleich einen Terrorismusverdächtigen."


Mehr zum Thema:

NSA darf Amerikaner weiter belauschen
US-Repräsentantenhaus stimmt gegen Einschränkungen
Snowden: NSA steckte "unter einer Decke mit den Deutschen"
Zusammenarbeit zwischen US-Geheimdienst und BND offenbar enger als bekannt
Kritik an Datensammlung der US-Behörden
Geheimdienst NSA soll Zugriff auf Server von großen Internetkonzernen haben
Spionage mit Tradition
Die Abhöraffäre und das transatlantische Verhältnis

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:20 Uhr Frühkritik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 07:00 Uhr Early Bird

Aus unseren drei Programmen

Deutschland und Visegrad-Gruppe"In der Flüchtlingspolitik treffen zwei Ansätze aufeinander"

Treffen in Warschau: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo (von rechts), Bundeskanzlerin Angela Merkel und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. (PAP)

Der Osteuropa-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Kai-Olaf Lang, wertet es als sinnvolles Signal, dass Bundeskanzlerin Merkel in Warschau mit der sogenannten Visegrad-Gruppe zusammenkommt. In der Flüchtlingspolitik wollten diese Länder ebenso wie Deutschland eine europäische Lösung, sagte Lang im Deutschlandfunk. Ihr Ansatz sei allerdings ein anderer.

ErnährungDick und krank durch Sojaöl

Eine dicke Frau sitzt am Strand. (Matt Cardy / Getty Images)

Soja ist gesund, das Öl aus der "Wunderbohne" gilt als "gutes Fett". Doch eine US-Studie legt nun den Verdacht nahe, dass Sojaöl womöglich viel schädlicher für die Gesundheit ist als andere Fette.

TextverarbeitungDrucker aus: Word ist tot

Druckt ihr noch - und nutzt ihr dafür Word? Wir glauben, Word ist tot. Wenn wir lange Texte schreiben, dann wollen wir die doch online veröffentlichen. Und genau dann macht uns Word irre.

Französischer Abgeordneter ApparuBurkiniverbot ist "gerechtfertigt"

Der französische Parlamentsabgeordnete Benoist Apparu von der Partei Les Républicains. (AFP / Francois Guillot)

Der französische Parlamentsabgeordnete Benoist Apparu von der Partei Les Républicains hat Verständnis für ein Burkini-Verbot. Er sagte im Deutschlandfunk, mit Blick auf die aktuellen Spannungen in Frankreich bestehe das Risiko, dass Burkinis die öffentliche Ordnung störten. 

Aus den FeuilletonsErzwungener Striptease für die Freiheit?

Eine Frau mit Kopftuch und T-Shirt badet am 21.07.2016 am Strand von Norddeich (Niedersachsen) in der Nordsee.  (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Vier bewaffnete Männer umstehen am Strand von Nizza eine Frau – und zwingen sie einen Teil ihrer Verhüllung abzulegen. Ein schreckliches Bild, schreibt darüber Andreas Rosenfelder in der "Welt": Darin ein Symbol unserer Freiheit zu sehen, will ihm nicht gelingen.

KonfliktforscherKaum Chancen für Frieden in Syrien

Eine große Rauchwolke über einigen Gebäuden in einer Wüstengegend.  (AFP / BULENT KILIC)

Nach dem Willen der internationalen Gemeinschaft sollen Verhandlungen den Krieg in Syrien beenden. Deren Aussichten schätzt der Konfliktforscher Wolfgang Schreiber skeptisch ein: Derzeit seien die Bedingungen für einen Frieden in Syrien einfach nicht gegeben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlinge  Grüne fordern Altfall-Regelung für hunderttausend Asylbewerber | mehr

Kulturnachrichten

"Lange Nacht der Museen" in Berlin wirbt mit über 700 Veranstaltungen  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr