Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

NSU-Prozess: Angeklagter gibt Waffenkauf zu

Zschäpe-Anwälte für Einstellung des Verfahrens

Der Angeklagte Carsten S. im Gerichtssaal in München (picture alliance / dpa / Marc Müller)
Der Angeklagte Carsten S. im Gerichtssaal in München (picture alliance / dpa / Marc Müller)

Carsten S. hat im NSU-Prozess zugegeben, eine Waffe für die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen besorgt zu haben. Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, sagte der 33-Jährige.

Es war der fünfte Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht München. Die erste Aussage eines Angeklagten ist nun, nach einer Flut von Anträgen und einer zweiwöchigen Pause, erfolgt. Carsten S. äußerte sich umfangreich zu seinem Lebenslauf und dazu, wie er Kontakt zur rechten Szene und zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) fand.

Der mutmaßliche NSU-Helfer bestätigte den zentralen Tatvorwurf der Bundesanwaltschaft, nämlich, eine Pistole mit Schalldämpfer besorgt zu haben. Mit einer solchen Waffe der Marke "Ceska" wurden neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet. Das Geld dafür habe er von dem ebenfalls angeklagten Ralf Wohlleben bekommen, sagte S. vor Gericht. Seiner Erinnerung nach sei der Wunsch nach der Waffe von den verstorbenen mutmaßlichen NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gekommen.

Als «die drei armen Verfolgten», denen er helfen müsse, habe er sie gesehen - und in Bezug auf Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe ein «positives Gefühl» gehabt. Und so fragte Carsten S. nach eigenen Angaben nicht nach dem Zweck der Waffe. Er habe sich auch keine Gedanken gemacht, sondern sei davon ausgegangen, dass «nichts Schlimmes» passieren würde. Auch weitere Aufträge des Trios habe es gegeben, etwa, ein Motorrad zu besorgen. In einem anderen Fall sei er in eine Wohnung eingebrochen, um dort Akten und Dokumente zu holen, berichtete der Angeklagte.

Suche nach Anerkennung

Carsten S. war nach seinen Angaben in seiner Heimatstadt Jena auf der Suche nach Anschluss und Anerkennung und verunsichert durch seine damals geheim gehaltene Homosexualität zur rechten Szene gekommen, berichtet unser Korrespondent Rolf Clement im Deutschlandfunk.

Der damals Jugendliche stieg in der NPD und der Jugendorganisation JN schnell auf und sollte unter anderem Landeschef der JN für Thüringen werden, was er abgelehnt habe und stattdessen Stellvertreter geworden sei.

Zschäpe-Verteidiger fordern Einstellung des Verfahrens

Vor der Aussage von Carsten S. hatten die Anwälte der Hauptangeklagten Beate Zschäpe verlangt, das Verfahren einzustellen. Sie sei von Medien, Politik und vom Generalbundesanwalt vorverurteilt worden. "Aufgrund der gezielten, von den Strafverfolgungsbehörden selbst gesteuerten und betriebenen Vorverurteilung unserer Mandantin" sei ein rechtsstaatlicher, fairer Prozess nicht mehr durchführbar. Zeugen seien durch "ein bestimmtes meinungsbildendes Klima beeinflusst" worden, sagte die Verteidigerin.

Vor dem OLG müssen sich neben Zschäpe vier mutmaßliche NSU-Helfer verantworten. Die Hauptangeklagte Zschäpe will sich in dem Prozess nicht zu den Vorwürfen äußern. Dem NSU, zu dem auch Beate Zschäpe gezählt haben soll, werden zehn Morde, zwei Bombenanschläge und fünfzehn Banküberfälle zur Last gelegt.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Konsequenzen aus NSU-Mordserie gefordert - Innenminister beraten über Ermittlungspannen

NSU-Prozess: Richter lehnt mehrere Anträge ab - Bombenattentat Köln-Keupstraße bleibt Teil des Prozesses

Beispielloses Versagen der Sicherheitsbehörden - NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag beendet Zeugenvernehmung

Zschäpes Schweigen vor Gericht - Die mutmaßliche NSU-Terroristin überlässt das Reden ihren Anwälten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Neu auf dem SmartphoneMit der App gegen Schädlinge

Kartoffelkäferlarven auf einer Kartoffelpflanze (dpa/picture alliance/Peter Kneffel)

Mit der App "Plantix" lassen sich Schädlinge im Garten bestimmen. Die Anwendung hat riesiges Potenzial. Fernziel ist eine App für sämtliche Pflanzenkrankheiten - weltweit.

Kunst in der AustastlückeBunte Bilder für den Teletext

Vom 1. bis 30. September 2016 gestaltet der britische Künstler Dan Farrimond täglich eine Seite im ARD-Teletext.  (ARD-Text)

Es ist wie Ministeck, was Dan Farrimond auf der Mattscheibe macht: Bis Ende September wird der britische Künstler täglich eine Seite im ARD-Text gestalten - einem Medium, das trotz Twitter und Facebook nicht totzukriegen ist.

Flüchtlinge und ArbeitsmarktIntegration hakt bereits am Anfang

Omar Ceesay und Schreiner Karl-Heinz Kübler arbeiten an einem Türrahmen. (dpa / Felix Kästle)

Ein Jahr ist es her, dass Kanzlerin Angela Merkel die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge ins Land ließ und ihren berühmt gewordenen Leitspruch formulierte: "Wir schaffen das". Doch bei dem Versuch, die neu Ankommenden auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, hakt es oft bereits am Anfang.

Ein Jahr "Wir schaffen das""Mehr zustande gebracht, als uns zugetraut wurde"

Kanzleramtsminister Peter Altmaier spricht im Mai 2016 in Berlin. (imago / Xinhua)

Kanzleramtsminister Peter Altmaier hat eingeräumt, dass zu Beginn der Flüchtlingskrise "manche Erwartungen nicht erfüllt" wurden. Inzwischen seien auf europäischer Ebene mit dem Schutz der Außengrenzen aber Fortschritte erzielt worden, sagte er im DLF. Und Deutschland habe sich seiner "humanitären Verantwortung" gestellt.

Gülen-BewegungSchulen gründen, warum nicht?

Fethullah Gülen (dpa/picture-alliance)

Schulen gründen, die Heilige Schrift studieren, Einfluss auf die Gesellschaft nehmen: Die Bewegung des Predigers Fetullah Gülen steht dafür im Kreuzfeuer der Kritik. Für den Jesuitenpater Klaus Mertens klingen die Anliegen der Bewegung jedoch vertraut - und gar nicht anrüchig. Eine Verteidigung.

FacebookChaos bei den Trending Topics

Im Mai musste sich Facebook gegen Vorwürfe der Konservativen in den USA wehren, sie würden die Trending Topics manipulieren und Nachrichten mit ihrer Weltsicht benachteiligen. Eine Untersuchung ergab zwar keine Hinweise auf eine Verzerrung, trotzdem wurden die 15 Mitarbeiter des Trending Topics Team jetzt entlassen. Die Folge: Chaos im Newsstream.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundeswehr  Islamisten nutzen Truppe zur Ausbildung | mehr

Kulturnachrichten

Moses Mendelssohn Medaille für Ulla Unseld-Berkewicz | mehr

Wissensnachrichten

Skandinavien  Ehelosigkeit ist offenbar gut für die Frauenrechte | mehr