Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

NSU-Prozess: Zweiter Angeklagter gesteht Unterstützung

Nach Verlesung der Erklärung vertagt OLG München den Prozess

Holger G. und Carsten S. gelten als wichtigste Zeugen (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
Holger G. und Carsten S. gelten als wichtigste Zeugen (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

Der Angeklagte Holger G. hat vor dem Oberlandesgericht München gestanden, dass er die rechtsextreme Terrorzelle unterstützt hat. Er betonte zugleich, dass er nichts von terroristischen Straftaten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gewusst habe. Der Beschuldigte gab zu, die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unter anderem mit Ausweispapieren versorgt zu haben.

"Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass die drei möglicherweise Gewalt in dem hier vorgeworfenen Ausmaß gegen andere ausüben könnten", hieß es in der schriftlichen Erklärung, die Holger G. am Donnerstag vor dem Münchner Oberlandesgericht verlas. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Mitgefühl aus. Was er getan habe, tue ihm "fürchterlich leid". "Ich möchte mich dafür entschuldigen." Etwa eine halbe Stunde las er seinen vorbereiteten Text, in dem er erklärte, den mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos über Jahre geholfen zu haben.

Sogenannte Freundschaftsdienste

Der Angeklagte betonte, er habe nie den Eindruck gehabt, mit den Mitgliedern einer terroristischen Vereinigung befreundet zu sein oder solche zu unterstützen. Es habe sich um Freundschaftsdienste gehandelt - und die drei hätten stets beteuert, mit den Papieren "keinen Scheiß" zu machen. Wofür seine Identität missbraucht worden sei, habe er erst nach dem Auffliegen der Terrorgruppe im November 2011 erkannt.

Im Anschluss an die Erklärung von Holger G. wurde der Prozess bis kommenden Dienstag unterbrochen. Der Angeklagte hatte zuvor angekündigt, keine weiteren Fragen über die schriftliche Erklärung hinaus beantworten zu wollen. Kommende Woche soll dann voraussichtlich auch die Vernehmung des Angeklagten Carsten S. fortgesetzt werden.

Der wegen Beihilfe zum neunfachen Mord Angeklagte hatte am sechsten Verhandlungstag Details aus seinem Leben in der rechten Szene geschildert. Carsten S. entstammte der rechten Szene in Jena. Während dieser Zeit habe er zusammen mit anderen wiederholt bei Dönerbuden Fenster eingeworfen oder die Buden ausgeräumt, berichtete er.

Carsten S. gilt zusammen mit dem mitangeklagten Holger G. als wichtigster Zeuge der Anklage gegen die einzige NSU-Überlebende Zschäpe, berichtet unser Korrespondent Holger Schmidt im Deutschlandfunk. Carsten S. selbst war im Jahr 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen.

Beschaffung einer Waffe

Er hatte zugegeben, eine Pistole für die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen des NSU besorgt zu haben. Dabei handelt es sich nach Überzeugung der Ermittler um die Waffe der Marke "Ceska", mit der neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet wurden. Geklärt werden soll aber auch, ob er von den geplanten Morden wusste.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Konsequenzen aus NSU-Mordserie gefordert - Innenminister beraten über Ermittlungspannen

Richter lehnt mehrere Anträge ab - Bombenattentat Köln-Keupstraße bleibt Teil des Prozesses

Beispielloses Versagen der Sicherheitsbehörden - NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag beendet Zeugenvernehmung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Räumung des Idomeni-CampsEin Zeichen der Ohnmacht

Zwei griechische Polizisten stehen bei der Räumung des des Flüchtlingslagers in Idomeni am 24.05.2016 vor Zelten, vor denen ein Flüchtlingsjunge kauert. (picture alliance / dpa / Yannis Kolesidis)

Zelte, die im Schlamm untergehen: Diese Bilder sind nach der Räumung der Flüchtlingszeltstadt im griechischen Idomeni passé. Doch das ist ein Rückschritt, meint Panajotis Gavrilis − und der große Skandal liege ohnehin woanders.

Ein Konto für jedermannAlle Banken sind jetzt in der Pflicht

Ein Bankkunde hebt in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. (dpa-Bildfunk / Angelika Warmuth)

Jeder in Deutschland lebende Mensch kann künftig bei einer Publikumsbank ein Konto eröffnen. Das entsprechende Gesetz tritt im Juni in Kraft. Damit sind nahezu alle Banken in der Pflicht, solche Basiskonten auch für Erwerbs- oder Wohnungslose anzubieten. Und solange das Konto im Plus bleibt, kann der Inhaber frei darüber verfügen.

Widerstand gegen WindkraftDie Energiewende als Soziallabor

Eine alte Windmühle steht zwischen Wohnhäusern in Kiel, im Hintergrund ein modernes Windrad.  (picture alliance / Hinrich Bäsemann)

In den vergangenen 25 Jahren sind in Deutschland 25.000 Windräder entstanden. Obwohl die Mehrheit der Deutschen die Erneuerbaren befürwortet, wächst der Widerstand gegen die Windkraft. Was bedeutet das für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes?

ÖsterreichVan der Bellen will weder Oberlehrer noch Zuchtmeister sein

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (r.) und der künftige Bundespräsident Alexander Van der Bellen (l) sitzen das erste Mal zusammen. (picture-alliance / dpa/epa/Christian Bruna)

Der neue österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen möchte seine Persönlichkeit und Erfahrung in das neue Amt einbringen. In der Wiener Hofburg, seinem künftigen Amtssitz, traf er heute schon mal auf Amtsinhaber Heinz Fischer.

Aggressionen gegen Flüchtlingshelfer"Damit die richtig schön Angst kriegen"

Ehrenamtliche, die Geflüchteten helfen, werden immer häufiger bedroht.  (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Drohbriefe, eingeschlagene Fensterscheiben, Beleidigungen und Verleumdungen in sozialen Netzwerken, sogar Brandanschläge auf Autos - das alles müssen Ehrenamtliche ertragen, die Flüchtlingen helfen.

Gesichtserkennungs-App "FindFace"Das Ende der Anonymität

Ein Mann hält sich die Augen zu (imago/blickwinkel)

Meine Freunde, mein Beruf, meine Hobbys: Eine Software erkennt Gesichter auf Fotos und liefert in kürzester Zeit Informationen aus sozialen Netzwerken. In Russland ist das schon Realität. Auch die Polizei und Geheimdienste sind an der Gesichtserkennung in Echtzeit interessiert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kabinett  Integrationsgesetz soll heute beschlossen werden | mehr

Kulturnachrichten

Künstler aus Sachsen bekommen Marion-Ermer-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Roboter-Wachmann  Robocop läuft in US-Einkaufszentrum Streife | mehr