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Ntaganda wird der Prozess gemacht

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher an Strafgerichtshof überstellt

Kongos Rebellenchef Bosco Ntaganda (picture alliance / dpa / Alain Wandimoyi)
Kongos Rebellenchef Bosco Ntaganda (picture alliance / dpa / Alain Wandimoyi)

Kongos Rebellenchef Ntaganda hatte sich freiwillig den Behörden gestellt und wurde jetzt nach Den Haag ausgeflogen. Ihm wird der Einsatz von Kindersoldaten, Mord und sexuelle Versklavung junger Mädchen vorgeworfen.

"Dies ist ein guter Tag für die Opfer im Kongo und für die internationale Gerechtigkeit." Mit diesem Worten kommentierte die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Fatou Bensouda, die Überstellung Ntagandas nach Den Haag. Der als "Terminator" bekannte kongolesische Rebellenchef sitzt nun in einer Arrestzelle und soll am Dienstag erstmals den Richtern des IStGH vorgeführt werden.

Bosco Ntaganda werden Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs in der Demokratischen Republik Kongo vorgeworfen. Er soll in den Jahren 2002 und 2003 an der Rekrutierung von Kindersoldaten und am Missbrauch von Frauen als Sexsklavinnen beteiligt gewesen sein Außerdem wird ihm zur Last gelegt, für die Ermordung von mindestens 800 Dorfbewohnern mitverantwortlich zu sein.

Militanter Lebenslauf

Ntaganda wurde in Ruanda geboren und ist ein früherer Verbündeter des kongolesischen Milizenschef Thomas Lubanga. Dieser war erst im vergangenen Jahr vom IStGH wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Später schloss sich Ntaganda einer kongolesischen Tutsi-Rebellengruppe an und wurde anschließend General in der kongolesischen Armee. Im Frühjahr 2012 desertierte er und wurde anschließend beschuldigt, den Aufstand der Rebellengruppe M23 im vergangenen Jahr angeführt zu haben. Nach deren Aufspaltung hatte er dort aber an Einfluss verloren. Am vergangenen Montag stellte er sich dann überraschend in der US-Botschaft von Ruanda und bat um Überstellung nach Den Haag . Nach Einschätzung von Beobachtern ging Ntaganda davon aus, anderenfalls von rivalisierenden Rebellen getötet zu werden.

Im Kongo sind in den vergangenen 15 Jahren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mehr als fünf Millionen Menschen ums Leben gekommen. Im Osten des Landes leiden die Bürger noch immer unter der Gewalt von Rebellen, obwohl dort UNO-Blauhelme stationiert sind.

Die Vereinten Nationen begrüßten die Überstellung Ntagandas. Man werte dies als positiven Schritt sowohl für die internationale Strafjustiz wie auch in Richtung der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit im Osten der Demokratischen Republik Kongo, hieß es in einer in New York veröffentlichten Mitteilung des UNO-Sicherheitsrats. Generalsekretär Ban Ki Moon Ban zeigte sich nach Angaben seines Sprechers überzeugt, dass die Überstellung Ntagandas den Kampf gegen die Straflosigkeit in der Region voranbringen werde.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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