Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Occupy Frankfurt

Demonstranten zeigen Solidarität mit Griechenland

Von Ludger Fittkau

Demonstranten sitzen während einer Kundgebung vor der EZB in Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Demonstranten sitzen während einer Kundgebung vor der EZB in Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Zehntausende Demonstranten in Europa, in Zürich und Madrid, in Berlin und London. Als Teil einer neuen internationalen Bewegung fühlten sich auch die rund 3000 Demonstranten in Frankfurt, wo eine der größten europäischen Protestaktionen gegen die Macht der Banken stattfand.

Patentrezepte für den Weg aus der Krise hatte niemand:

"Ja, das Komische ist halt, das die Politik nach 'ner Bankenregulierungsaktion nicht stärker regulierend eingreift sonder die einfach so weitermachen lässt, wie gehabt. Und da fragt man sich eigentlich, wer eigentlich noch die Hosen anhat."

"Die Politik ist natürlich auch in der Zwickmühle, die wissen auch, wenn sie jetzt viele Banken kaputtgehen lassen, das könnte was weiß ich was auslösen, das ist mir auch klar. Aber durch den Rettungsschirm ist das ganze Problem nur aufgeschoben."

Wir sind 99 Prozent - diesen Satz, den die New Yorker "Occupy Wall Street" -Bewegung prägte, hatten Aktivisten von Attac und andere Kritiker des Finanzkapitalismus auf Plakate geschrieben- auch viele in Frankfurt. Doch der Blick ging nicht nur nach New York, sondern vor allem auch nach Südeuropa. Die Solidarität mit Griechenland wurde von vielen Demonstranten gefordert – mit griechischem Sirtaki, der aus den Lautsprecherwagen dröhnte oder mit Transparenten mit der Aufschrift: Wir sind alle Griechen.

"Ja, im Endeffekt werden die Völker Europas angegriffen. Im Endeffekt müssen die Völker Europas das zurückbezahlen, was wir nicht verursacht haben.""

"Das wir ausgeplündert werden, dass das auf unsere Kosten geht."

Die in Deutschland lebende Französin Rita Fuhrmann ist ganz und gar nicht einverstanden mit der Politik ihres Präsidenten Sarkozy und der Europäischen Zentralbank. Boris, ein Aktivist von Attac, sieht gar in der EZB ein Teil des Problems und nicht der Lösung:

"Die EZB ist ein demokratiefreier Raum und sie betreibt eine neo-liberale Wirtschaftspolitik der Strukturanpassungsmaßnahmen. Und das bedeutet: Sparen, Sparen, Sparen. Sozialabbau, Kürzungen und der Ausverkauf der Gemeinschaftsbesitztümer zum Beispiel in Griechenland. Die sollen jetzt alles, was irgendwo mal im öffentlichen Besitz war, verkaufen. Und faktisch die Auswirkung davon ist jetzt schon praktisch eine Reallohnkürzung von 20-25 Prozent in Griechenland und das innerhalb weniger Monate. Wenn das hier passieren würde, gäbe es einen Aufschrei, der wäre bis nach Timbuktu zu hören."

Straßentheater:

Gegen die Demokratie, gegen den Sozialstaat, gegen die Arbeitsplätze. Los, geht in die Knie!

Ein peitscheschwingender Anzugträger mit einem EU-Schild um den Hals treibt eine Menschengruppe in Ketten an, die Fahnen südeuropäischer Staaten an ihren weißen Plastikanzügen tragen. Dass es auch den Deutschen einmal so gehen könnte, wie jetzt den Griechen – das ist die Botschaft der Demonstranten im Frankfurter Bankenviertel. "Wir Volk sind systemrelevant" – ein Mann reckt dieses Schild so hoch es geht, als der Demonstrationszug in der Nähe der beiden Hochhäuser der Deutschen Bank vorbeizieht.

Dass es US-Amerikaner sind, die mit ihrem Protest an der Wall Street die heutigen Aktionen in Europa initiiert haben, freut manchen. Der Rentner Peter Siebert hält auch den arabischen Frühling für einen Ausgangspunkt der Bewegung, die vielleicht jetzt auch Europa erfasst:

"Ich bin extra aus Koblenz rübergekommen, zum Leidwesen meiner Frau, die sagt: Du spinnst, aber ich habe gesagt, einmal muss du es doch machen. Seit Jahren denke ich, Französische Revolution, damals gegen den Adel, der vielleicht auch überzogen hat, wie heute vielleicht die Banker."

Mehr zum Thema:

Weltweite Proteste gegen die Macht der Banken - Amerikanische Occupy-Bewegung als Vorbild
"Krise wird von den kleinen Leuten bezahlt" - Attac-Aktivist zur weltweiten Aktionstag der "Occupy"-Bewegung
Hermann Gröhe: "Wir brauchen schnell den Rettungsmechanismus"
Occupy the World - Aufstand der Empörten - Vom arabischen Frühling zur Occupy-Bewegung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Musik-Panorama

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:30 Uhr Kriminalhörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Reaktionen auf die SaarlandwahlEs gibt nur einen Sieger

Kramp-Karrenbauer schüttelt lachend die Hände von Parteifreunden. (Boris Roessler / dpa)

Richtig Grund zum Jubeln hatte nach der Wahl im Saarland nur einer: Die CDU, die die SPD überraschend deutlich auf Distanz halten konnte. Alle anderen Parteien versuchten danach mit Blick auf die nächsten Wahlen, die Bedeutung nicht allzu hoch zu hängen. Das gilt auch die AfD, die erstmals ins saarländische Parlament einziehen konnte.

Die Linke nach der Saarlandwahl"Ein rot-rot-grünes Bündnis gewinnt an Attraktivität"

Klaus Ernst (Die Linke) spricht am 28.01.2016 im Plenarsaal im Bundestag in Berlin. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Die Wahl im Saarland sei keine Absage an ein rot-rotes Bündnis gewesen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, im DLF. Zusammen hätten beide Parteien schließlich mehr Stimmen bekommen als die CDU. Zudem stünden auf Bundesebene ganz andere Themen an, etwa in der Sozialpolitik.

AntiislamismusDer Orient ist Europas Schicksal

Europa auf einem geografischen Globus (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)

Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Wenn Europa nicht ein entsprechendes geopolitisches Narrativ entwickelt und in praktische Politik umsetzt, wird es untergehen.

Vor 110 Jahren öffnete das KaDeWeDas Schaufenster des Westens

Besucher und Kunden am Eingang zum KaDeWe (picture alliance / dpa / Manfred Krause)

1905 beschloss der Unternehmer Adolf Jandorf, im Berliner Westen ein Kaufhaus im Stil des berühmten Harrods in London zu bauen. Auf fünf Etagen lockte er ein begütertes Publikum mit Luxus-Artikeln in die weitläufigen Hallen des KaDeWE. Am 27. März 1907, vor 110 Jahren, öffnete das berühmteste Kaufhaus Deutschlands seine Tore.

Predigten in deutschen MoscheenImmer entlang der roten Linie

Das Bild zeigt das weiße Gebäude vor blauem Himmel.  (Thomas Frey / dpa)

Acht Monate lang hat der Journalist Constantin Schreiber Freitagspredigten in deutschen Moscheen besucht. Was dort gepredigt wird, ist offenbar oft antidemokratisch und auch sonst problematisch. Schreibers Fazit ist ernüchternd.

Verein "Gefangene helfen Jugendlichen"So geht Knast!

Ein Mann schaut aus einer Zelle der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel.  (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Knapp 65.000 Menschen sitzen in Deutschland im Gefängnis, viele von ihnen sind schon als Jugendliche kriminell geworden - so wie Volkert Ruhe. Heute nimmt er junge Menschen für einen Tag mit in den Knast. Jugendliche sollen so davor abgeschreckt werden, auf die schiefe Bahn zu geraten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Saarland  CDU und SPD wollen über Fortsetzung ihres Bündnisses verhandeln | mehr

Kulturnachrichten

Uni Freiburg bekommt riesiges Rolling Stones-Archiv  | mehr

 

| mehr