Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

OECD: Schlechte Noten für deutsche Bildung

Bildungsministerin weist Studie als abwegig zurück

OECD und Bundesregierung streiten über Ab- und Aufsteiger in der Bildung
OECD und Bundesregierung streiten über Ab- und Aufsteiger in der Bildung (AP)

Einen besseren Schulabschluss zu erreichen als die Eltern, das ist für Jugendliche in Deutschland laut einer OECD-Studie schwieriger als in vielen anderen Ländern. Das Bundesbildungsministerium weist die Interpretation der Studienergebnisse zurück.

Nach dem heute in Berlin vorgestellten Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist jeder fünfte der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland formal besser gebildet als seine Eltern. Im OECD-Schnitt ist es mehr als jeder Dritte. Unter die Lupe genommen hat der Bericht die 34 Länder, die zur OECD gehören. Deutlich mehr deutsche Jugendliche haben außerdem einen schlechteren Bildungsabschluss als ihre Eltern. Sind es international durchschnittlich 13 Prozent, so sind hierzulande 22 Prozent der Jugendlichen schlechter ausgebildet als ihre Eltern.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)Bildungsministerin Annette Schavan, CDU (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)Was genau heißt schlechter? Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) griff die OECD scharf an. Kinder von Akademikereltern, die nicht studierten, sondern eine Ausbildung machten, würden "in die Kategorie Abstiegsmobilität" gesteckt; dies sei "abwegig", sagte Schavan im Bundestag.

"Wenn der Vater Professor und der Sohn Optiker ist, ist das kein Abstieg." Im Gegenteil: Immer mehr Länder interessierten sich für diese duale Berufsausbildung. Diese sei "der bildungspolitische Anker in der Krise". Anders als in anderen EU-Staaten sei die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im Juni auf 7,9 Prozent zurückgegangen. Schavans Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen sagte, das duale Ausbildungssystem in Deutschland stehe Studiengängen in anderen Ländern in nichts nach. In Großbritannien könne man sogar ein Friseurstudium absolvieren.

OECD-Direktorin betont Zusammenhang von Wohlstand und Bildung

Eine Glasscheibe mit dem Logo der Agentur für Arbeit in München.Weniger Jugendarbeitslose (AP)Aber es gab auch Lob für Deutschland: In wirtschaftlichen Krisenzeiten war die Bundesrepublik das einzige Land, in dem die Erwerbslosenzahlen zwischen 2008 und 2010 quer durch alle Bildungsgruppen abnahmen. Das gilt auch für die Jugendarbeitslosigkeit: 2010 lag der Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die weder in Beschäftigung noch in schulischer oder beruflicher Ausbildung waren, bei zwölf Prozent. Der OECD-Durchschnitt war 15,8 Prozent.

"Bildung, Beschäftigung und Wohlstand sind eng miteinander verknüpft", erklärte die Leiterin des OECD-Bildungsdirektorats, Barbara Ischinger, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Um den Wohlstand zu steigern und soziale Ungleichheit zu bekämpfen, müsse die Bildung verbessert werden. Die Bildungsschichten müssten dafür durchlässiger werden. "In Deutschland hingegen ist die Bildungsmobilität eher gering", heißt es in dem OECD-Bericht.

GEW: "Armutszeugnis für die Bildungspolitik"

Opposition und Gewerkschaften griffen die Bundesregierung an. Deutschland sei noch immer kein "Bildungsaufsteigerland", erklärte der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring. Aufstieg durch Bildung müsse alltäglich und das Bildungssystem durchlässiger werden. Die OECD-Studie belege einmal mehr, "dass in Deutschland die Chance auf Bildung stark von der sozialen Herkunft abhängt", erklärte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD). Bildungserfolg dürfe aber weder vom Geldbeutel noch vom Bildungshintergrund der Eltern abhängen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nannte das Ergebnis der OECD-Studie ein "Armutszeugnis für die Bildungspolitik in Deutschland". Der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne kritisierte, dass sich "die Schere zwischen höher und schlechter qualifizierten Menschen immer weiter" öffne.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:35 Uhr Morgenandacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

StudieEU-Binnenmarkt = Mehr Shopping

Durch den gemeinsamen Markt in der EU haben die Deutschen jedes Jahr 37 Milliarden Euro mehr in der Tasche. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben: In den vergangenen 20 Jahren hat die Bundesrepublik das reale Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr durchschnittlich um 37 Milliarden Euro gesteigert. 

Internationale KonflikteDer Abstieg der Vereinten Nationen

Der Präsident der Europa-Universität Viadrina, Gunter Pleuger

Die Vereinten Nationen haben zu wenig Spielraum, um die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zu schlichten, meint Ex-UN-Botschafter Gunter Pleuger. Er sei nicht sehr optimistisch, dass die Appelle des Generalsekretärs gehört werden.

MexikoKampf gegen ungesühnte Frauenmorde

Angehörige demonstrieren am 25.11.2003 mit Pappfiguren als Symbole für die getöteten Frauen in Ciudad Juarez. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte international Berühmtheit - zwischen 993 und 2007 wurden hier 393 Frauen ermordet. "Welthauptstadt der Frauenmorde" ist deshalb das Image, das der Stadt weltweit anhängt.

In Mexiko werden immer mehr Frauen Opfer von Gewaltverbrechen, von "Feminicido". Zwar unterstützen Organisationen diese Frauen. Aber selbst Morde bleiben ungesühnt: Die Aufklärung wird verhindert durch Korruption sowie Überlastung - und durch die allgegenwärtige Macho-Kultur.

Wendezeit"Die Fenster aufgestoßen"

Berlin erlebt am 4. November 1989 die größte Demonstration für eine andere DDR. Eine halbe bis eine Million Demonstranten ziehen durch die Innenstadt, vorbei am Palast der Republik mit dem Sitz der Volkskammer und am Staatsratsgebäude zu einer Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz. "Wende", "Wer ewig schluckt stirbt von Innen" oder "Krenzmann" steht auf Transparenten der Demonstranten.

Berlin, 4. November 1989, Alexanderplatz. Die größte Wende-Demonstration und wohl auch die bunteste. Demonstranten überreichten Blumen an Polizisten, Transparente mit Sprüchen und Forderungen bestimmten das Bild.

SpanienImmer mehr Familien von Armut bedroht

Ein Bettler sitzt am 07.06.2013 in Palma de Mallorca auf der Mittelmeerinsel Mallorca (Spanien). Spanien gehört zu den Ländern Europas mit der höchsten Armutsgefährdungsquote und den größten Einkommensunterschieden, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.

Spaniens Sozialpolitik vernachlässige den Nachwuchs, kritisiert die UNICEF und zeigt in einer neuen Studie, dass bereits 27 Prozent der Kinder des Landes unterhalb der Armutsgrenze leben. 

Leitungswasser Ohne Filter

Kran statt Supermarkt, das scheint die bessere Wahl zu sein, wenn es um Trinkwasser geht. Aber sollten wir das kühle Nass vorher noch durch einen Filter jagen? Lieber nicht, sagt ein Experte von der Verbraucherzentrale.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Angriffe auf Gazastreifen verstärkt  - Erneut Raketen auf Israel | mehr

Kulturnachrichten

Bauhaus Dessau  bekommt Briefe des Bauhausmeisters Muche | mehr

Wissensnachrichten

Sprachentwicklung  Vorschulkinder können sich gegenseitig positiv beeinflussen | mehr