Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

Ökostrom auf Rekordniveau

EU-Solarfirmen verklagen chinesische Konkurrenz

Windkraft- und Solaranlagen bei Bitterfeld-Wolfen
Windkraft- und Solaranlagen bei Bitterfeld-Wolfen (dpa / Jan Woitas)

Die Erneuerbaren Energien liefern in Deutschland so viel Strom wie nie. Besonders stark gestiegen ist der Anteil an Solarenergie. EU-Photovoltaikhersteller haben inzwischen bei der Europäischen Kommission Klage gegen Konkurrenz aus China eingereicht.

Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und andere Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr so viel Strom in Deutschland produziert wie noch nie. Insgesamt sei der Anteil des Ökostroms auf etwas mehr als ein Viertel des deutschen Strombedarfs gestiegen, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nach ersten Schätzungen mit. Im Vorjahr waren es noch ein Fünftel. Der Anteil soll nach dem Willen der Bundesregierung bis 2020 auf mindestens 35 Prozent wachsen.

Der wichtigste erneuerbare Energieträger bleibt den Angaben zufolge die Windenergie mit einem Anteil von 9,2 Prozent an der gesamten Stromproduktion (2011: 7,7 Prozent). Es folgen die Biomasse mit 5,7 Prozent (2011: 5,3), die Solarenergie mit 5,3 Prozent (2011: 3,6) und die Wasserkraft mit 4,0 Prozent (2011: 3,2). Der Stromanteil aus Müllkraftwerken und anderen Erneuerbaren Energien blieb unverändert bei 0,9 Prozent.

Der Ökostromanteil an der Energieproduktion war im vergangenen Jahr rasant gewachsen. Erstmals waren es mehr, als Atom- und Steinkohlekraftwerke lieferten. Die Braunkohle war mit 24,6 Prozent wichtigste Energiequelle. Wie viel Strom die herkömmlichen Energien im ersten Halbjahr produzierten, ist noch nicht bekannt.

Klage gegen Chinas Solarfirmen

Das Berlaymont-Gebäude in Brüssel, Sitz der Europäischen KommissionDas Berlaymont-Gebäude in Brüssel, Sitz der Europäischen Kommission (EU-Kommission)Die Solarstromproduktion boomt zwar, aber die deutsche Solarindustrie kämpft mit Überkapazitäten, Preisdruck und sinkenden Subventionen - und nun auch gegen die "Billig-Konkurrenz" aus China. Ein Bündnis aus 25 europäischen Photovoltaikherstellern hat bei der Europäischen Kommission eine Antidumpingklage eingereicht. Die Kläger kritisieren, dass chinesische Anbieter mit staatlichen Subventionen Wettbewerbsvorteile erhielten. Trotz massiver Verluste ihrer Produkte offerieren diese Firmen laut Bündnis Preise unter ihren Herstellungskosten. Deutsche Firmen wie Q-Cells, Sovello und First Solar rutschten bereits wegen Konkurrenz aus China und geringerer Solarförderung in die Insolvenz.

Im Interview mit Deutschlandradio Kultur forderte der Sprecher der klagenden Initiative "EU ProSUN", Milan Nitzschke, die geltenden Regeln für einen fairen Wettbewerb durchzusetzen: "Das Argument, man darf hier das Handelsrecht nicht anwenden - das ist ungefähr genauso, als würden Sie bei der Tour de France sagen: Dopingkontrollen sind nicht zulässig, die machen ja das Rennen langsamer."

Vertreter der EU-Kommission wollten die Klage nicht kommentieren. Ob sie angenommen wird, solle bis Mitte September entschieden sein, hieß es. Mögliche Anti-Dumping-Strafzölle würden dann rückwirkend verhängt.

Chinesische Solarzellenhersteller forderten ihre Regierung bereits zum Handeln auf. Peking müsse "sofort den Dialog mit hohen Stellen" in Brüssel suchen, verlangten die vier größten Hersteller in China. Schutzmaßnahmen seitens der EU wären ein "tödlicher Schlag", warnten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Unterzeichnet ist sie auch von Weltmarktführer Yingli.

Siemens mit Verlusten in der Solarsparte

Das Verwaltungsgebäude der Siemens AG in MünchenDas Hauptqaurtier der Siemens AG in München (AP)Europas größter Technologiekonzern Siemens hat bei der Bekanntgabe seiner neuen Geschäftszahlen Fehlentscheidungen in der Sparte Erneuerbare Energien eingeräumt. "Die Solar-Investitionen haben sich nicht gelohnt", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser. Das Feld, das mehr Verlust als Umsatz macht, müsse neu aufgestellt werden. Weil auch der Bereich der Windanlagen mit Problemen kämpft, knickte der Gewinn der Sparte um die Hälfte auf 36 Millionen Euro ein.

Auf die Entwicklungen reagiert Siemens wie üblich mit Einschnitten. Im Herbst soll der Konzern auf geringere Kosten und mehr Effizienz getrimmt werden. Fragen nach einem bevorstehenden Stellenabbau ließ der Vorstand offen.

Forscher warnen vor Ausbau der Biomasse

Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien sollte nach Ansicht deutscher Forscher auf Biomasse verzichtet werden. Es gebe aus umwelt- und klimaschutzpolitischer Sicht zu viele Nachteile, betonen die Experten einer Arbeitsgruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Die Förderung des Biomasseanbaus müsse sich auf solche Formen beschränken, die nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren, keinen negativen Einfluss auf Ökosysteme haben und außerdem eine "substanziell bessere" Treibhaus-Bilanz aufweisen als die herkömmlichen fossilen Kraftstoffe.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:30 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 02:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Bergtouren in NepalSolidarisch mit den Sherpas

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner kritisiert den Tourismus am Mount Everest. Hunderte von nepalesischen Bergführern würden "ihren Kopf dafür in die Schlinge legen", damit "reiche Leute" den Gipfel erreichen.

20 Jahre BahnreformNoch immer Herrin der Schiene

Teil des Berliner Hauptbahnhofs (tief), aufgenommen am 12.09.2013. Der Bahnhof beherbergt fünf Verteilerebenen, der Höhenunterschied zwischen der obersten und untersten Ebene liegt bei 25 Metern. Foto: Peter Endig

Vor 20 Jahren entstand die Deutsche Bahn in ihrer heutigen Form. Die Länder bestimmen, wie viele Nahverkehrs- und Regionalzüge in ihrem Gebiet fahren sollen und es herrscht zudem Wettbewerb auf der Schiene. Doch es gibt auch Probleme.

Tourette-SyndromElektrische Ströme gegen die Tics

Das Modell eines menschlichen Gehirns

Unkontrollierte Zuckungen, Flüche und Beschimpfungen: Wer am Tourette-Syndrom erkrankt ist, leidet stark unter den Folgen. Nun aber gibt es Hoffnung für Betroffene: Hirnschrittmacher lassen die Tics fast völlig verschwinden.

Netzpolitik"Signal an Überwachungsstaaten"

Ein Messebesucher sitzt am 09.03.2014 auf dem Messegelände der CeBIT in Hannover (Niedersachsen) auf dem Stand der Firma VDE.

Der Rechtsexperte Matthias Kettemann sieht die Macht im Internet ungleich verteilt. Er pocht auf ein internationales Internetrecht. Das auf der Konferenz "Net Mundial" diskutierte "Multi-Stakeholder-Modell" hält er nicht für durchführbar.

Massaker im Südsudan"Die Katastrophe ist schon da"

Ein Foto des Kinderhilfswerks UNICEF zeigt drei Kinder in der südsudanesischen Stadt Mingkaman, während sie erschöpft darauf warten, als Hilfesuchende registriert zu werden.

Die Vereinten Nationen berichten von einem Massaker mit Hunderten Toten im Südsudan. Solche brutalen Übergriffe finden seit Mitte Dezember immer wieder statt, sagte Sudan-Expertin Marina Peter im DLF. Es drohe ein Ausmaß wie in Ruanda 1994.

ChronobiologieSpätschichten für Nachteulen

Zu müde zum Arbeiten

Der Kurort Bad Kissingen dreht am Rad der Zeit und will Erkenntnisse der Chronobiologie auf das Leben in der Stadt übertragen. Wer gerne früh aufsteht soll Frühschichten, Nachteulen dagegen spätere Dienste übernehmen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nato und USA  reagieren empört auf russische Drohungen | mehr

Kulturnachrichten

Messner:  Touristische Mount-Everest-Besteigungen sind fragwürdig | mehr

Wissensnachrichten

Biologie  Biologie: Eines der größten Korallenriffe in 500 Metern Tiefe entdeckt | mehr