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Ökostromumlage steigt auf Rekordniveau

Altmaier will Befreiung für einige Firmen prüfen

Strommasten vor der Skyline von Frankfurt am Main (AP)
Strommasten vor der Skyline von Frankfurt am Main (AP)

Die Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien steigt im nächsten Jahr auf einen Höchstwert. Die Stromnetzbetreiber erhöhen die Umlage um knapp die Hälfte auf 5,277 Cent je Kilowattstunde. Bundesumweltminister Altmaier will prüfen, ob einige Firmen zu Recht von der Zahlung befreit sind.

Einige Mastbetriebe und Golfplätze müssen in ihrer Stromrechnung keine Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien bezahlen, kleine Bäckerbetriebe aber durchaus. Gerade auf dem Land drohe laut Branchenverband ein Massensterben solcher Geschäfte, wenn die Umlage derart stark steigt, wie nun angekündigt. Die vier Betreiber des deutschen Stromnetzes wollen ab Jahresbeginn 5,277 Cent pro Kilowattstunde netto verlangen. Derzeit sind es 3,592 Cent - daran sollte sich eigentlich nichts ändern, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch im Sommer 2011 versprochen.

Ein Vierpersonenhaushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden zahlt mit der höheren Ökostromumlage für das nächste Jahr rund 80 Euro brutto mehr. Auch die Netzgebühren sollen laut Branche um die Hälfte steigen, was für diesen Haushalt weitere 85 Euro bedeuten könnte. Energie-Fachleute weisen darauf hin, dass bei vielen Bürgern aber noch "Spar-Reserven" gehoben werden könnten.

Eine herkömmliche Glühbirne (links), eine Energiesparleuchte (rechts) (AP)Eine herkömmliche Glühbirne (links), eine Energiesparleuchte (rechts) (AP)Die Netzbetreiber wollen mit der höheren Ökostromumlage mehr als 20 Milliarden Euro als Ausgleich für den niedrigeren Strompreis einnehmen - an der Börse sind die Preise für Strom nämlich gesunken. Darin seien knapp 2,6 Millarden Euro aus diesem Jahr enthalten, die die Betreiber von Ökostromanlagen zuviel erhalten haben. Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird aber nur zum Teil zur Förderung von Ökostrom genutzt. Die Erhöhung von rund 1,7 Cent pro Kilowattstunde sind laut Netzbetreibern nötig, weil der Ausbau von Photovoltaik 0,35 Cent mehr kostet; bei der Windkraft sind es 0,3 Cent, bei der Biomasse 0,25 Cent.

Altmaier: Ausnahmen für Firmen grundsätzlich richtig

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) präsentiert derzeit Konzepte gegen die steigenden Strompreise (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Bundesumweltminister Peter Altmaier, CDU (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Die Bundesregierung sucht Alternativen, damit Strom nicht irgendwann zum Luxusgut wird. Als Entlastung die Stromsteuer von 2,05 Cent pro Kilowattstunde zu senken, wie es die FDP vorschlug, das hält Bundesumweltminister Peter Altmaier für nicht sinnvoll. Der CDU-Politiker will stattdessen die Ausnahmeregeln für Unternehmen unter die Lupe nehmen. Dem ZDF sagte Altmaier, grundsätzlich seien solche Entlastungen aber richtig, "weil es um Arbeitsplätze in Deutschland geht".


Die FDP dringt angesichts steigender Strompreise auf eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Deutschland könne auf Dauer nicht bei einem System bleiben, das jedem einen Mindestpreis für Strom aus erneuerbaren Energien garantiere, sagte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch, im Deutschlandfunk. Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler (FDP) sprach sich in der "Passauer Neuen Presse" ebenfalls für eine zügige EEG-Reform aus. Die Einführung von Sozialtarifen für Strom lehnt Rösler ab.

Höhn: Wirtschaftsminister treibt ein mieses Spiel

Wirtschaftsminister Rösler habe die Ökostrom-Umlage mit großzügigen Geschenken an die Wirtschaft in die Höhe getrieben, kritisiert Bärbel Höhn, Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, im Deutschlandfunk. Zudem fließe nur ein Drittel der zusätzlich erhobenen Kosten tatsächlich in den Ausbau erneuerbarer Energien. "Der Bundeswirtschaftsminister treibt ein mieses Spiel. Er treibt die Kosten des EEG hoch und versucht es dann, den Erneuerbaren in die Schuhe zu schieben, und versucht damit, die Gewinne für die großen Monopolisten, für ihre Kohlekraftwerke weiter ein Stück noch zu sichern."

Die Strompreise müssten moderat steigen und dürften nicht explodieren, meint Rainer Baake, Direktor des Think Tanks "Agora Energiewende". Allerdings sei die Ökostrom-Umlage lediglich für rund ein Drittel der Kostensteuerung seit der Jahrtausendwende verantwortlich. "Die anderen zwei Drittel haben andere Ursachen wie zum Beispiel gestiegene Brennstoffpreise, also für Kohle und Gas", sagte Baake im Deutschlandradio Kultur.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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