Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ölteppich breitet sich weiter aus

US-Präsident Obama reist in betroffene Küstenregionen

Schwimmende Barrieren vor der Küste Louisianas. Das Öl schwappt hinüber. (AP)
Schwimmende Barrieren vor der Küste Louisianas. Das Öl schwappt hinüber. (AP)

Nach der Kritik am Krisenmanagement zur Eindämmung des Ölteppichs im Golf von Mexiko reist US-Präsident Barack Obama nun selbst in die Küstenregionen, um sich ein Bild zu machen.

Der von der Ölpest betroffene US-Bundesstaat Louisiana hatte bemängelt, das der Ölkonzern BP, dem die explodierte Ölplattform "Deepwater Horizon" gehört, noch immer kein Konzept für den Küstenschutz vorgelegt hat. Die Justizminister von Louisiana und vier anderen US-Küstenstaaten wollen nun über mögliche rechtliche Schritte gegen BP und andere Firmen beraten.

Auch die US-Regierung selbst ist in Kritik geraten. Erst Anfang April hatte Obama dafür geworben, künftig Ölvorkommen vor den US-Küsten aggressiver anzubohren - von der Atlantikküste bis nach Alaska.

Der Ölteppich umfasst nach Angaben eines Wissenschaftlers inzwischen eine Fläche von 9000 Quadratkilometern. Wegen des hohen Wellengangs sind bislang alle Bemühungen, ihn einzudämmen, erfolglos geblieben.

Nach den US-Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen am Samstag auch Mississippi und Alabama den Notstand aus.

Der Ölteppich sei eine "ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft", sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. In Mississippi wies Gouverneur Haley Barbour die Nationalgarde an, die örtlichen Einsatzkräfte im Kampf gegen die Ölpest zu unterstützen. Das US-Verteidigungsministerium hatte am Freitag den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana genehmigt.

Barrieren halten Ölfilm nicht ab

Seit in der vergangenen Woche die Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko gesunken ist, fließen täglich über 800.000 Liter Öl aus einem Bohrloch in 1.500 Meter Tiefe ins Meer. Alle Bemühungen, das Leck mit Hilfe von Tauchrobotern zu schließen, scheiterten bislang. Auch der Versuch der US-Küstenwache, Teile des Ölteppichs in Brand zu setzen, konnte seine Ausbreitung nicht verhindern.

Bis Freitag wurden nach Behördenangaben mehr als 60 Kilometer schwimmende Barrieren ausgebracht. Doch Augenzeugenberichten zufolge seien diese vielerorts nutzlos, da durch den starken Seegang die Wellen samt Öl über die Barrieren schwappten oder diese ganz wegdrückten.

Detlev Schulz-Bull vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung sieht nur noch wenig Handlungsspielraum bei der Bekämpfung der Ölpest vor der US-Küste. Seine düstere Prognose: "Wenn das Öl alles an die Küste schwappt, wird es Jahre dauern, bis sich das System wieder stabilisiert und erholt hat", betonte der Meereschemiker im Deutschlandfunk.

Erste Ausläufer des Ölteppichs haben bereits am Freitag die Küste von Louisiana erreicht, die für ihre Fischgründe und Rückzugsgebiete für Vögel berühmt ist. Auch das Mississippi-Delta ist stark gefährdet. Experten erwarten Schäden in Milliardenhöhe. Wegen des heftigen Südwinds wird erwartet, dass das Öl bis Montag auch die Küsten der US-Staaten Mississippi, Alabama und Florida erreicht. Umweltschützer befürchten, die USA könne nun eine noch schlimmere Umweltkatastrophe erleben als nach dem Untergang der "Exxon Valdez" vor der Küste Alaskas.

Obama: BP voll verantwortlich

Die Ölplattform "Deepwater Horizon" wurde von der britischen Ölgesellschaft British Petroleum (BP) betrieben. Bei der Explosion auf der Bohrinsel starben elf Arbeiter und die Plattform sank. US-Präsident Barack Obama macht BP für das Desaster voll verantwortlich. Die amerikanische Regierung erhöht deshalb den Druck auf BP: "Wir können und werden nicht ruhen, bis BP endgültig das Bohrloch abdichtet und jeden Tropfen Öl einsammelt", sagte Innenminister Ken Salazar und betonte, BP müsse "härter, schneller, schlauer" arbeiten, um die Katastrophe einzudämmen.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

Henning Beck, NeurowissenschaftlerGeistesblitze – Wie tickt unser Gehirn?

"Kreativer Kopf" (imago/Ikon Images)

Wie entstehen Gedanken? Was passiert bei einem Geistesblitz? Wie kommt unser Gehirn immer wieder auf neue Ideen? – Diese Fragen faszinieren den Neurowissenschaftler Henning Beck.

Psychometrie in den Sozialen Medien"Den Menschen wird die Information eingespielt, die sie hören wollen"

(dpa)

Donald Trump sei auch durch den Einsatz sozialer Medien an die Macht gekommen, sagt Roman Maria Koidl. So könne man "heute eigentlich als Einzelkämpfer ohne eine Parteistruktur in höchste Ämter kommen". Koidl fürchtet, das könne in einer technokratischen Diktatur enden.

"Pelléas und Mélisande" in BochumGrandioser Auftakt der Ruhrtriennale

Barbara Hannigan als Mélisande und Leigh Melrose als Golaud (Ben van Duin/ Ruhrtriennale 2017)

Krzysztof Warlikowsky ist mit Claude Debussys Oper "Pelléas und Mélisande" eine großartige Eröffnung der Ruhrtriennale gelungen. Er zeigt die Tragödie mit radikaler Konsequenz und spannend wie einen Psychothriller.

BundestagswahlDie fiesen Tricks der Hacker

Eine Hand bedient eine Computermaus. (AFP / Robyn Beck)

Könnte es Hackern gelingen, die Bundestagswahl am 24. September zu stören oder zu manipulieren? Das haben Security-Spezialisten untersucht und gleich sieben Unsicherheitsfaktoren gefunden: Die Nutzung öffentlicher Leitungen und menschliche Nachlässigkeit sind nur zwei davon.

Vormarsch der künstlichen ExistenzMenschen könnten die neuen Affen sein

Menschenhand in Roboterhand am 24.04.2017 auf der Industriemesse in Hannover. (imago stock&people)

Viele Experten sind sich einig: Bald sind Roboter und Computer so weit entwickelt, dass sie die menschliche Intelligenz übertrumpfen könnten. Wir Menschen wären dann im Vergleich zu der intelligenten Technologie quasi auf dem Stand von Schimpansen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Madrid  Festgenommener Autor Akhanli kommt wieder frei | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller Akhanli kommt unter Auflagen frei  | mehr

 

| mehr