Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Offenbar mehr als 50 Tote bei Massaker in Homs

UNO-Sicherheitsrat fordert Ende der Gewalt in Syrien

Wie geht es weiter in Syrien (hier ein Mann vor einem brennenden Haus in Homs)? (picture alliance / dpa / Local Coordination Committees)
Wie geht es weiter in Syrien (hier ein Mann vor einem brennenden Haus in Homs)? (picture alliance / dpa / Local Coordination Committees)

Ein Jahr nach Beginn des Aufstandes in Syrien hat der UNO-Sicherheitsrat ein Ende der Gewalt gefordert. Alle Staaten des Gremiums sprachen sich für den sofortigen Stopp der Kämpfe aus. Unterdessen wurde aus der syrischen Widerstandshochburg Homs erneut ein Massaker gemeldet.

Nach unbestätigten Berichten sollen dabei mehr als 50 Menschen getötet worden sein - unter ihnen Frauen und Kinder. Ein Arzt aus Homs berichtete im Fernsehsender al-Arabija außerdem von zahlreichen Vergewaltigungen. Er sagte, es fehle an medizinischen Hilfsmitteln, um Dutzende Verletzte zu behandeln.

Aktivisten der Opposition stellten Bilder von Leichen ins Internet und machten Regierungstruppen für die Gräueltaten verantwortlich. Syrische Staatsmedien dagegen beschuldigten "Terroristen". Der Syrische Nationalrat plädierte für eine Schutzzone.

UNO-Sicherheitsrat fordert Ende der Gewalt in Syrien

Bei einer Sitzung in New York sprachen sich alle Staaten des Gremiums am Montag für den sofortigen Stopp der Kämpfe aus. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte der syrischen Führung zuvor Versagen beim Schutz der eigenen Bevölkerung vorgeworfen. Er verlangte einen politischen Wandel im Land und einen ungehinderten Zugang für Hilfsorganisationen. Russland unterstützte den Appell für ein Ende der Gewalt. Außenminister Lawrow nahm Syriens Staatschef Baschar al-Assad jedoch in Schutz. Das Regime in Damaskus kämpfe nicht gegen unbewaffnete Menschen, sondern gegen Kampfeinheiten und extremistische Gruppen wie Al-Kaida-Terroristen. Die Regierung in Moskau hatte mehrmals gemeinsam mit China UNO-Resolutionen gegen das syrische Regime blockiert. Aus Peking hieß es, man sei weiterhin gegen jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten des arabischen Landes.

Appell an Russland

Intellektuelle und Politiker aus aller Welt hatten zuvor an den UNO-Sicherheitsrat appelliert, dem Morden Einhalt zu gebieten. Die Spaltungen in der internationalen Gemeinschaft hätten der Regierung von Präsident al-Assad "das falsche Gefühl der Sicherheit gegeben, gewalttätige Unterdrückung sei ein gangbarer Weg", heißt es in dem Schreiben von etwa 50 international bekannten Persönlichkeiten, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitiert. Zu den Unterzeichnern gehören nach Angaben der Zeitung Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der frühere südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk, der Philosoph Jürgen Habermas und auch Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. "Wir appellieren an die neue russische Regierung, sich den gemeinsamen Bemühungen anzuschließen, den Konflikt zu beenden und Frieden sowie Stabilität in Syrien und der Region wieder herzustellen", heißt es in dem Schreiben.

Auch Kofi Annan fordert Ende der Gewalt

Der UNO-Gesandte für Syrien, Kofi Annan, fordert bei einem Besuch in der Türkei ebenfalls ein Ende der Gewalt. "Die Tötung von Zivilpersonen muss jetzt enden. Die Welt muss diesbezüglich eine klare und vereinte Botschaft senden, sagte er in Ankara. Er sprach zugleich von besorgniserregenden und entsetzlichen Berichten über Gräueltaten und Misshandlungen in Syrien. Zuvor waren seine Bemühungen zur Konfliktlösung in dem Land erfolglos geblieben.

Militäroffensive an der Grenze zur Türkei

Das syrische Regime setzte indes die militärische Offensive gegen die Opposition trotz aller Appelle fort. Vor allem in der Protesthochburg Idlib an der Grenze zur Türkei, aber auch in anderen Landesteilen kam es in den vergangenen Tagen zu heftigen Gefechten. Oppositionelle berichteten von Dutzenden von Toten.

Angesichts von mindestens 7000 Toten müsse man in Syrien längst von einer militärischen Auseinandersetzung sprechen, meinte der Politikwissenschaftler Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik im Deutschlandfunk. Letztlich handele sich um einen Stellvertreterkonflikt zur Eindämmung des Irans.

Unterdessen berichtete Ulrich Nowak, Leiter des Goethe-Instituts in Syrien, im Deutschlandradio Kulturvom Alltag in dem Land. "Man versucht, Normalität zu leben", sagte Nowak. Unter den internationalen Sanktionen habe nicht nur das Assad-Regime, sondern auch die Bevölkerung zu leiden.

Links auf dradio.de:
Gewalt in Syrien überschattet Friedensbemühungen - Kofi Annan auf schwieriger Mission in Damaskus - weitere EU-Sanktionen geplant (Deutschlandradio, Aktuell)

Syrien im "Zerfallsprozess" - Assads militärischer Rückhalt bröckelt (Deutschlandradio, Aktuell)

UNO bereiten Hilfslieferungen für Syrien vor - <br> 1,5 Millionen Menschen sollen Lebensmittel erhalten (Deutschlandradio, Aktuell)

Die Toten von Hama <br> Syrien und das System Assad (Deutschlandfunk, Hintergrund)

Zweierlei Maß <br> Libyen, Syrien und das UNO-Konzept der Schutzverantwortung (Deutschlandfunk, Hintergrund)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Designierter SPD-KanzlerkandidatMartin Schulz - ein Mann der klaren Worte

Martin Schulz spricht in ein Mikrofon (dpa/picture alliance/Kay Nietfeld)

Martin Schulz habe das EU-Parlament als sein Präsident sichtbarer gemacht, loben ihn sogar Abgeordnete anderer Parteien. Er sei ein Mann mit Ecken und Kanten. Nach seinem Wechsel von Brüssel nach Berlin soll Schulz die SPD in die Bundestagswahl führen.

US-Protektionismus"Ein Trend, mit dem wir uns beschäftigen müssen"

US-Präsident Donald Trump mit dem Dekret zum Ausstieg aus dem Handelsabkommen TPP (pa/dpa/AP/Vucci)

Trumps Wirtschaftspolitik wird die Globalisierung verlangsamen, prophezeit der Ökonom Michael Burda. Aber sie werde der Weltwirtschaft zunächst einen gewissen Schub verpassen. Auch für die EU könnte sich der US-Protektionismus als vorteilhaft erweisen.

ÜberblickIm Dschungel der Freihandelsabkommen

Es war eine der ersten Amtshandlungen von Donald Trump: Aufkündigung der US-Beteiligung aus TPP. Nicht zu verwechseln mit TTIP. Bei der Gesamtzahl an Freihandelsabkommen, die den globalisierten Handel regeln, kann man auch leicht den Überblick verlieren. Etwa 600 Stück gibt es mittlerweile.

EU-Krise"Keine dieser Aufgaben kann ein Nationalstaat alleine bewältigen"

Der Europa-Abgeordnete Elmar Brok während einer Tagung zum Thema Europa in Tutzing (imago / Oryk Haist)

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament blickt Elmar Brok mit Sorge in die Zukunft der EU. Man habe selten vor so vielen Herausforderungen gestanden. Kein Nationalstaat könne diese Aufgaben noch alleine bewältigen, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

US-Protektionismus"Ein Trend, mit dem wir uns beschäftigen müssen"

US-Präsident Donald Trump mit dem Dekret zum Ausstieg aus dem Handelsabkommen TPP (pa/dpa/AP/Vucci)

Trumps Wirtschaftspolitik wird die Globalisierung verlangsamen, prophezeit der Ökonom Michael Burda. Aber sie werde der Weltwirtschaft zunächst einen gewissen Schub verpassen. Auch für die EU könnte sich der US-Protektionismus als vorteilhaft erweisen.

Männerbewegung in der katholischer Kirche Auf der Suche nach der verlorenen Männlichkeit

Schulpfarrer Philippe de Maistre befürwortet Geschlechtertrennung im Unterricht und Initiationsrituale für Jungen. (Bettina Kaps)

Eine neue Männerbewegung breitet sich unter französischen Katholiken aus. Ihre These: In Gottesdiensten und in der Seelsorge würden vor allem weibliche Tugenden propagiert, Männlichkeit habe ein negatives Image. Und so gibt es immer mehr Angebote für katholische Männer, ihre Maskulinität zu entdecken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Große Koalition  Gabriel sieht Mitverantwortung von CDU/CSU an EU-Krise | mehr

Kulturnachrichten

Elbphilharmonie: Kritik an verkürzter Arte-Übertragung  | mehr

Wissensnachrichten

Gerüche  Pflanzen reagieren anders auf Exoten | mehr