Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ohne (An-)Halt durch die Galaxis

Asteroid 2012 DA14 raste an der Erde vorbei

Screenshot einer NASA-Computeranimation: Der Asteroid 2012 DA14 passiert die Erde (picture alliance / dpa / NASA)
Screenshot einer NASA-Computeranimation: Der Asteroid 2012 DA14 passiert die Erde (picture alliance / dpa / NASA)

Keine Gefahr für die Erde, aber ein spannender Moment für Astronomen: Ein 130.000 Tonnen schwerer, 45 Meter großer Himmelskörper ist am Abend an der Erde vorbeigesaust, in deutlich kürzerem Abstand als der Mond. Forschern zufolge bestand kein Zusammenhang mit dem Meteoritenregen in Russland.

Tête-à-tête im All: Um 20.24 Uhr mitteleuropäischer Zeit zog 2012 DA14, wie der Himmelskörper offiziell heißt, in nur 27.700 Kilometern Entfernung an unserem Planeten vorbei, teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA in Washington mit. Damit kam der Brocken dichter an die Erde als viele Satelliten und weit näher als der Mond, dessen mittlerer Erdabstand rund 384.000 Kilometer beträgt.

Eine Gefahr für die Erde bestand durch 2012 DA14 nicht. Das NASA-Büro für Erdnahe Objekte verfolgte die Bahn des Asteroiden und hatte vorausgesagt, dass er sich nicht auf Kollisionskurs befand.

"Live-Videostream der NASA (englisch)"

Silikatbrocken in Satellitennähe

Da der Himmelskörper in den Ring der Wetter- und Kommunikationssatelliten eindrang, die die Erde in rund 35.800 Kilometern Höhe umkreisen, bot sich den Forschern die einzigartige Gelegenheit, den Silikatbrocken eingehend zu beobachten und mehr über ihn zu erfahren.

Diese NASA-Animation simulierte den Flug des Himmelskörpers und erklärt das wissenschaftliche Interesse an 2012 DA14 in diesem Video:



"Als Laie können Sie in der Tat, wenn Sie ein ganz normales Fernglas haben und vor allem wissen, wo Sie hingucken, einen Lichtpunkt sehen, der sich langsam über den Himmel bewegt - langsamer als Satelliten, aber immerhin so schnell, dass man es deutlich sehen kann", sagte Detlef Koschny von der europäischen Raumfahrtagentur ESA im Deutschlandradio Kultur. 2012 DA14 ging in Deutschland gegen viertel vor neun genau im Osten auf und bewegt sich Richtung Norden.

2048: Gefahr durch Asteroid 2007 VK184

Asteroiden nähern sich immer wieder der Erde - meist folgenlos. Im Jahr 2048 könnte es allerdings gefährlich werden. Dann erscheint der Brocken mit dem Namen 2007 VK184. "Der Asteroid hat einen Durchmesser von 170 Metern und könnte ein Bundesland komplett zerstören, wenn er einschlägt", meinte Gerhard Drolshagen. Auch er gehört zum Team der Experten bei der ESA, die im niederländischen Noordwijk auf erdnahe Objekte spezialisiert sind.

"Das wäre eine regionale Katastrophe, die Menschen in diesem Bereich wären tot", meinte der 59-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Dieser Asteroid ist der gefährlichste, den wir jetzt kennen." Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags liege nach derzeitigen Berechnungen bei 1 zu 1800.

Schubs per Raumsonde

Grundsätzlich würden Asteroide, die der Erde nahe kommen, ab einem Durchmesser von 30 Metern als gefährlich eingestuft. Von ihnen seien aber erst 9600 bekannt. "Vermutlich sind die Asteroiden gefährlicher, die wir nicht kennen", meinte Drolshagen.

Um die Asteroiden möglichst früh zu entdecken, verstärkten die ESA und NASA die Suche nach großen Exemplaren mit Teleskopen etwa in Arizona, auf Hawaii oder auf Teneriffa. Kommen sie der Erde gefährlich nahe, müsste ihnen ein Schubs gegeben werden, um ihre Bahn zu ändern. "Eine einfache Methode wäre, eine Raumsonde auf sie zu schießen, um sie dadurch von der Erde abzulenken." Ein Asteroid rase mit hohem Tempo, etwa 20 Mal so schnell wie eine Gewehrkugel.

Meteoritenregen sorgt im Ural für Verletzte

Auch ein anderes Himmelphänomen sorgte heute für Aufmerksamkeit: In Russland wurden durch den Einschlag eines Meteoritenregens mehrere Hundert Menschen verletzt. Beide Körper hatten aber nichts miteinander zu tun. NASA-Forscher Paul Chodas war in seinem Element: "Was für ein aufregender Tag. Das ist heute wie auf der Schießbahn mit gleich zwei Himmelskörpern." Chodas schätzte den russischen Meteoriten auf einen Durchmesser von 15 Metern. Das sei ein Drittel von 2012 DA14. "Wir sehen, was dieser Einschlag schon angerichtet hat und sind deshalb sehr froh, dass der Asteroid an uns vorbeipfeift."

Mehr auf dradio.de:
Rohstoffe aus dem All: Science Fiction oder Vision für die Zukunft? - Gespräch mit Hermann Böhnhardt, Kometenexperte am Max-Planck- Institut für Systemforschung

Auch die "Sternzeit" des Deutschlandfunks blickt heute auf den Asteroiden.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de - aus der Reihe "Sternzeit" (DLF):

Knapp vorbei ist auch daneben
Wärme verschiebt Asteroiden
Über Asteroiden in die Tiefen des Alls
Asteroid vom Pfeil getroffen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Bedrohte Religionspädagogin KaddorIhr Weckruf darf nicht ungehört verhallen

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. (pa/dpa/Schindler)

Lamya Kaddor wird nach Veröffentlichung ihres Buch, in dem sie eine Bringschuld der deutschen Gesellschaft hinsichtlich Integration fordert, mit Morddrohungen konfrontiert. Die muslimische Religionspädagogin zeige Mut, mit deutlichen Worten ihre Betroffenheit zu schildern und formuliere einen längst überfälligen Weckruf, meint Rainer Burchardt.

UNO-GeneralsekretärDer unmöglichste Job der Welt

Ban Ki Moon redet am Pult im Weltsaal des UNO-Hauptquartiers in New York (picture alliance / dpa / Jason Szenes)

Im Dezember endet die Amtszeit von Ban Ki Moon. Viele wünschen sich endlich eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen, aber trotz mehrerer qualifizierter Kandidatinnen stehen die Chancen dafür wieder schlecht.

Chaos und Korruption in SüdafrikaRegierungspartei ANC in der Krise

Präsident  Jacob Zuma spricht mit einem Helfer in einem Wahllokal in Nkandla.  (dpa picture alliance / EPA/ELMOND JIYANE)

Bei den Kommunalwahlen in Südafrika Anfang August hat die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) das schlechteste Wahlergebnis seit 20 Jahren eingefahren. Es war ein Denkzettel für die Regierung von Präsident Jacob Zuma und dessen korruptes Machtsystem. Die Dominanz der ehemaligen Befreiungsbewegung aber ist im Land gebrochen.

Der Nazi-WestwallWildkatzen und Militärmuseen

Eine Panzersperre aus Beton des ehemaligen Westwalls (picture alliance/dpa/Foto: Horst Ossinger)

Hitlers "Westwall" war eine 630 Kilometer lange, kilometertiefe Bunker-Landschaft mit unterirdischen Stollen und Panzerhöckern. Vier Bundesländer teilen sich heute die Relikte − allenthalben wird über das sperrige Erbe und Geschichtsklitterung gestritten.

Herbstlaub richtig entsorgenBiotonne oder Kompost

Frau fegt Laub in Richtung der Kamera. (dpa/picture alliance/Sebastian Kahnert)

Jedes Jahr im Herbst heißt es aufs Neue: Wohin mit dem Laub, das auf Wegen und Wiesen liegt? Kann es da bleiben oder muss es entsorgt werden? Praktisch ist die Kompostierung im eigenen Garten. Ansonsten gehören die alten Blätter in die Biotonne.

HomöopathieDer Streit um die Globuli

Globuli auf einem grünen Blatt. (picture alliance / perschfoto)

Seit Jahren tobt eine Auseinandersetzung über den Nutzen von Homöopathie. Was fasziniert Ärzte an der Homöopathie, dass sie diese in ihr Programm aufnehmen? Haben die Methoden, die sich Samuel Hahnemann vor 200 Jahren ausdachte, eine Berechtigung in Arztpraxen?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien-Krieg  Merkel telefoniert mit Obama, Putin und Erdogan | mehr

Kulturnachrichten

Philipp Demandt übernimmt Frankfurter Museen  | mehr

Wissensnachrichten

Thailand  Kein Handel mehr mit Seepferdchen | mehr