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Ohne Kameras, ohne Öffentlichkeit

Altkanzler Helmut Kohl zu Besuch bei der Unionsfraktion

Von Katharina Hamberger

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (dpa / Uwe Anspach)
Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (dpa / Uwe Anspach)

Fast alle Fraktionsvertreter der Union sind gekommen. Die Aufregung ist deutlich zu merken. Dann schließen sich die Türen. Wie es später heißt, hat der Altkanzler eine zehnminütige Rede gehalten - ein klares Plädoyer für Europa, das aus seiner Krise herausgeführt werden müsse.

Nur noch wenige Minuten bis er kommt: Die Unionsfraktion wartet auf den Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. Fast alle sind gekommen. Die Aufregung ist deutlich zu merken. Auf den Platz zwischen dem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder und Bundeskanzlerin Angela Merkel, an dem Kohl gleich sitzen wird, können die Mitglieder der Fraktion noch nicht sehen. Davor stehen Fernsehteams und Fotografen. Ein Abgeordneter sagt scherzeshalber, dass es ja so zuginge, als würde man sich beim Betreuungsgeld einigen. Schon vor der Fraktionssitzung mit Kohl war die Freude und Aufregung unter den Abgeordneten zu spüren gewesen. So sagte die CSU-Landesgruppen-Chefin Gerda Hasselfeldt:

"Wenn er nicht in den Zeiten vor der Wiedervereinigung im europäischen Zusammenhang so viel Vertrauen auch aufgebaut hätte, wie er es getan hat, dann wäre es zur Wiedervereinigung unseres Landes nicht gekommen."

Die Spendenaffäre, sagte Hasselfeldt, sei ein abgeschlossenes Kapitel. Für CSU-Politiker Peter Gauweiler wurde diese Geschichte auch immer zu sehr aufgebauscht.

"Ich glaube, dass er damals nicht gut behandelt worden ist von seinen eigenen Leuten, und es ist gut, dass er darüber auch hinwegsehen kann."

Den Altbundeskanzler zu sehen, das wollten sich auch die jungen Mitglieder der Union nicht entgehen lassen. Jens Spahn ist sozusagen mit Kohl aufgewachsen, war zwei Jahre alt, als Kohl Kanzler wurde, und 18, als er das Amt abgegeben hat. Er ist einer der wenigen, der an diesem Tag nicht von Vergeben und Vergessen beim Thema Spendenaffäre sprechen will:

"Man muss sicherlich die Fehler, die es auch im Zuge der Spendenaffäre gegeben hat, noch benennen. Ich finde, das ist auch okay. Aber das tritt sicher alles zurück hinter der großen Leistung. Vor allem deutscher Einheit und europäischer Einigung. Und wir erleben ja gerade europäische Einigung ist aktueller denn je."

Auch Spahn ist im Fraktionssaal, als der Altkanzler in den Sitzungssaal kommt.

Applaus!

Viele der Unionspolitiker stehen auf. Nach ein paar Fotos und Fernsehaufnahmen schließen sich die Türen für die Öffentlichkeit.

Die, die im Saal sind, berichten davon, dass Fraktionschef Volker Kauder Helmut Kohl herzlich begrüßt. Danach hält Kohl eine zehnminütige Rede. Sie sei, heißt es, ein klares Plädoyer für Europa gewesen. Kohl habe gesagt: Europa müsse nun aus der Krise in die Zukunft geführt werden – basierend auf einem starken Fundament, das schon vorhanden sei. Zur Union äußerte sich der 82-Jährige positiv: Die CDU/CSU sei seine Heimat und er würde sich dort wohlfühlen.

Nach einer knappen halben Stunde ist die Sitzung mit dem Altkanzler dann zu Ende – danach gibt es einen Sektempfang. Der große Festakt folgt erst am nächsten Tag – dann wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Rede halten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

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