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Olympia statt Anwaltsbüro

Weitspringer Mitchell Watt aus Australien

Von Andy Stummer

Der australische Weitspringer Mitchell Watt bei der IAAF Diamond League in London 2011.
Der australische Weitspringer Mitchell Watt bei der IAAF Diamond League in London 2011. (picture alliance / dpa / Kerim Okten)

Mitchell Watt ist einer der Favoriten in London. Der 24-Jährige hatte wegen eines lukrativen Jobs in einer Anwaltskanzlei seine Karriere bereits beendet. Aber sein Trainer redete ihm ins Gewissen: "Gerichtstermine gibt's immer - Olympia nur einmal!" Also begann Watt erneut mit dem Weitsprung, kämpfte gegen sein Übergewicht und zählt nun mit 8,54 Meter wieder zu den Besten.

Ein gelungener Weitsprung von Mitchell Watt ist alles, was Leichtathletik sein soll: Eine scheinbar mühelose Kombination aus Kraft, Eleganz und Technik. Seine Bestweite ist 8,54 Meter. Nicht schlecht für einen 24-Jährigen, der seine Karriere schon zweimal beendet hatte. Watt studierte Wirtschaft an der Uni, die Olympischen Spiele von Peking sah er sich nicht einmal im Fernsehen an:

"Ich hatte gerade einen Job in einer angesehenen Anwaltskanzlei in der Stadt gefunden und steckte über beide Ohren in Arbeit. Während meines Studiums dachte ich: Das ist mein Leben. Einen Uni-Abschluss, Anwalt werden und in einem Büro arbeiten."

Fünf Jahre lang hatte Watt nicht mehr trainiert. Seine Bestweite war damals ganze 7,33 Meter. Dann klingelt, mitten in der Nacht, sein Telefon. Es ist Gary Bourne, Australiens Nationaltrainer. Der Weitsprung-Guru überredet Watt zu einem Comeback.

"Jeder hat eine andere Einstellung zu Sport", " erinnert sich Bourne. " "Ich wollte nicht, dass Mitchell einfach so aufgibt. Dazu hat er zu viel Talent. Aber ich musste ihn fast an Händen und Füßen wieder zum Training zerren. Einfach war es nicht."

Watt ist zehn Kilo zu schwer und reißt sich in der ersten Trainingswoche eine Sehne am Sprunggelenk. Doch nur ein Jahr später springt er bei der Weltmeisterschaft. Sein Ziel ist ein Platz im Finale, Watt aber landet auf Rang drei – Bronzemedaille. Zwei Jahre darauf gewinnt er die Diamond League in Stockholm, Sprungweite: 8,54 Meter. Australischer Rekord und Weltjahresbestleistung. Doch bei der WM ist Watt nicht zu 100 Prozent fit, er hat Probleme mit seiner Achillessehne. Trotzdem gewinnt er die Silbermedaille. Und weiter als Zweiter ist bei Olympia ein Australier noch nie gekommen.

Los Angeles, 1984: Der Australier Gary Honey holt die Silbermedaille – hinter Carl, dem Großen - Carl Lewis. 16 Jahre später, bei den olympischen Heimspielen in Sydney, verpasst Jai Taurima die erste australische Goldmedaille im Weitsprung nur um sechs Zentimeter. Jetzt in London ist Mitchell Watt Favorit. Niemand ist dieses Jahr weitergesprungen als er.

Mitchell Watt: "Es gibt nur wenige Gelegenheiten sein Land bei Olympischen Spielen zu vertreten. Das ist eine Ehre – etwas, das man sein Leben lang nicht vergisst. Ich
werde alles versuchen, um Gold zu gewinnen. Denn hätte mir jemand vor vier Jahren erzählt, dass ich einer der Favoriten sein werde, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Seit 2008 hat Mitchell Watt seine persönliche Bestleistung um 120 Zentimeter verbessert – im Weitsprung, bei dem Gold und unter ferner liefen oft nur eine Fingerbreite weit auseinanderliegen, sind das Welten. Hält seine Achillessehne, dann ist ihm in London alles zuzutrauen. Denn der Australier Mitchell Watt ist nun einmal ein Mann, der immer das Weite sucht.

Unsere Reihe:
Mein Olympiafavorit für London 2012 - <br> Korrespondenten stellen außergewöhnliche Sportler vor

Portal dradio.de: Olympische Sommerspiele in London

London 2012 - Offizielle Homepage der Olympischen Sommerspiele

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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