Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Opel-Krise: Bund und Länder wollen Unternehmenskonzept genau prüfen

Reaktionen auf Rettungsplan geteilt

Wie gut ist der Sanierungsplan für Opel? (AP)
Wie gut ist der Sanierungsplan für Opel? (AP)

Bund und Länder wollen das Konzept zur Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel sorgfältig prüfen. Das erklärte ein Sprecher der nordrhein-westfälischen Landesregierung nach einer Telefonkonferenz zwischen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und den Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten.

Der Plan müsse mit Blick auf seine betriebswirtschaftliche Belastbarkeit, die Eigenständigkeit des Unternehmens und die Zukunftsfähigkeit der Standorte bewertet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor staatliche Hilfen für den angeschlagenen Autobauer Opel an eine positive Prognose für das Unternehmen geknüpft. Die Bundesregierung werde sich in dieser Frage nicht unter Zeitdruck setzen lassen, sagte Merkel. Auch müsse geklärt werden, ob sich die Banken engagieren wollten. Erst dann könne der Staat prüfen, ob er mit Hilfe von Bürgschaften den Konsolidierungsprozess unterstütze.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mahnte in der Diskussion über staatliche Hilfen für den Autohersteller Opel Sachlichkeit an. Bei diesem Thema gehe es nicht um Nostalgie, sondern nur darum, ob man eine Unternehmensstruktur vorfinde, die dauerhaft tragfähig sei, sagte der CSU-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag". Alle würden sich freuen, wenn Opel am Markt bliebe. Das könne aber nicht der Staat allein bewerkstelligen.

Die Bundesregierung befasst sich am Montag mit dem Konzept, das eine weitgehende Abkoppelung vom US-Mutterkonzern General Motors vorsieht. Vom Staat erhofft sich Opel dafür Kapital und Bürgschaften in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Werksschließungen oder betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

Linkspartei begrüßt Rettungsplan

Der Spitzenkandidat der Linkspartei in Thüringen, Bodo Ramelow, sprach im Deutschlandfunk von einem Schritt in die richtige Richtung. Das Land solle sich an einer Rettung von Opel beteiligen, falls damit eine wirkliche Trennung von General Motors verbunden sei. Im thüringischen Eisenach sei das modernste Werk im Opel-Verbund überhaupt.

Der Vorsitzende der SPD in Thüringen, Christoph Matschie, schließt eine Beteiligung des Freistaats Thüringen am Autokonzern Opel nicht aus. Matschie sagte, zunächst gehe es darum, dem neuen Konzern Bürgschaften und Kredite zur Verfügung zu stellen. Ob später eine Beteiligung der vier Bundesländer mit Opel-Standorten notwendig werde, könne heute noch niemand sagen.

Gewerkschaften verlangen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen

Die Gewerkschaften wollen einen Beitrag der Mitarbeiter zur Rettung von Opel von verbindlichen Garantien abhängig machen. Der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschafts-Bundes, Peter Scherrer, verlangte in der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" einen kategorischen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Außerdem müssten Fragen von Lohnverzicht oder freiwilligen Abfindungen europaweit koordiniert werden, um zu verhindern, dass Opel-Werke gegeneinander ausgespielt würden.

FDP und Industrie warnen vor Staatseinstieg bei Opel

Zurückhaltend äußerte sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Der Staat dürfe allenfalls Bürgschaften übernehmen, sagte Verbandschef Ludwig Braun der "Leipziger Volkszeitung". Die Forderung nach Staatsbeteiligung sei das falsche Signal. Wenn sich der Mutterkonzern, wie angekündigt, am Sanierungskonzept beteilige, stiegen die Chancen, private Investoren von einem Einstieg überzeugen zu können. Das wäre laut Braun der richtige Weg, um an das erforderliche Kapital zu kommen. Der Präsident des Münchner IFO-Instituts, Hans-Werner Sinn, sprach sich gegen öffentliche Hilfen für den Opel-Konzern aus. Der Staat müsse in der Finanzkrise zwar den Banken helfen, nicht jedoch einzelnen Unternehmen, sagte Sinn der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Auch der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms lehnte eine Verstaatlichung rundweg ab. Schon bei einer Beteiligung an dem Unternehmen verliere der Staat seine neutrale Rolle. Als Anteilseigner trügen Bund und Länder Mitverantwortung für das gesamte Handeln des Konzerns. Das sei ökonomisch und politisch unverantwortlich, sagte Solms.


Auf grundsätzliche Ablehnung stößt jegliche Verstaatlichung auch bei dem parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen. In einem Interview mit dem RBB-Inforadio machte er deutlich, dass er dabei auch die Schließung des Autobauers Opel in Kauf nehmen würde. Wenn an einer Stelle Arbeitsplätze verschwänden, entstünden sie an anderer Stelle, so Röttgen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:50 Uhr Interview

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Flucht vermeiden"Staaten als Völkerrechtsverletzer brandmarken"

Hände an einem Zaun.  (Bulent Kilic / AFP)

Kann das Völkerrecht souveränen Staaten die Gründe für eine Fluchtbewegung zurechnen? Die Juristin Katja S. Ziegler hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und Ansätze entwickelt, mit denen Staaten, die Menschen zur Flucht zwingen, nach internationalem Recht bestraft werden können.

Britischer Schriftsteller und NeurologeOliver Sacks ist tot

Der Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks (Imago)

Er war der vielleicht bekannteste Neurologe der Welt: Der britische Bestseller-Autor Oliver Sacks ist im Alter von 82 Jahren in New York gestorben. In seinen Büchern stellte er Krankheiten anschaulich und humorvoll dar. Auch über seine eigene Erkrankung hatte er geschrieben.

Ungesundes JoggenDicke Luft in deutschen Städten

Wer glaubt, etwas für seine Gesundheit zu tun, indem er mitten durch unsere Städte joggt, erweist sich damit einen Bärendienst. Durch das tiefe Einatmen passiert so allerhand im Körper, nur nicht das, was sich vermeintlich gesundheitsbewusste Jogger davon versprechen. 

Deutsche Einheit"Keine Vereinigung auf Augenhöhe"

Ein Passant geht am Freitag (30.03.2012) an einer Schallschutzmauer in Magdeburg an einem aus der Wendezeit stammenden verwitterten Wandbild mit dem Schriftzug "Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost" vorbei. (picture alliance / dpa - Jens Wolf)

Dass die Deutsche Einheit eher als Anschluss des Ostens Deutschlands an den Westen und nicht als wirkliche Vereinigung vollzogen wurde, hält der Historiker Andreas Rödder für eine logische Folge des politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruchs der DDR.

Hans-Werner Sinn im Interview"Man kann auch mit Geld reinkommen"

Der Präsident des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, spricht am Mittwoch (29.06.2011) in München (Oberbayern) auf der Jahresversammlung des Instituts (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

Einwanderung nach Punkten regeln, mit besseren Chancen für Qualifizierte - so stellt sich Ifo-Institutschef Hans-Werner Sinn die Europäische Einwanderungspolitik vor. Und er spricht sich gegen einen gesamteuropäischen Finanzminister aus - mit handfesten Argumenten.

Mentale StärkeGeduldig wie Buddha

Der Deutsche an sich sei unglaublich geduldig, findet Jim aus New York: "Egal wo ich euch sehe: Im Urlaub, im Stau oder an roten Fußgängerampeln, ihr regt euch einfach nicht so schnell auf wie wir. Damit wir ruhig bleiben, bezahlen wir New Yorker unserem Psychologen Tausende Dollars."

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Schlepperbanden  Vorsitzender der Innenminister-Konferenz für internationales Vorgehen | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller und Neurologe Oliver Sacks ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Lernen  Vier-Tage-Woche bringt bessere Noten | mehr