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Opferanwälte lehnen gesondertes Verfahren für Kölner Anschlag ab

Dritter Verhandlungstag im NSU-Prozess

Die Witwe des ermordeten Mehmet Kubasik liegt im Dezember 2012 weinend am Gedenkstein für ihren Mann unweit des Tatorts in Dortmund (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
Die Witwe des ermordeten Mehmet Kubasik liegt im Dezember 2012 weinend am Gedenkstein für ihren Mann unweit des Tatorts in Dortmund (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Der Vorsitzende Richter im NSU-Prozess hat vorgeschlagen, den Kölner Nagelbombenanschlag vom Hauptverfahren abzutrennen. Diesem drohe angesichts von bereits 86 Nebenklägern die Überlastung. Doch die Opferanwälte wollen nicht mitziehen.

Zu Beginn des dritten Verhandlungstags äußerten Anwälte der Opfer erneut Vorbehalte gegen eine mögliche Abtrennung des Kölner Nagelbombenanschlags vom Verfahren. Der Vorsitzende Richter Götzl hatte gestern die Möglichkeit angedeutet, den Anschlag in der Kölner Keupstraße gesondert zu verhandeln, denn gerade hier könnten sich noch viele Nebenkläger melden. 86 sind bereits zugelassen. Auch die zuständige Ombudsfrau der Bundesregierung, Barbara John, hält angesichts der Größe der Gruppe eine Abtrennung für sinnvoll.

Opferanwältin: Abtrennung wäre "falsches Signal"

Sabine Singer, ein Anwältin der Nebenkläger, sprach hingegen von einem falschen Signal. So müssten die Opfer der Keupstraße zunächst den ersten Prozess unter anderem gegen die Hauptangeklagte Zschäpe abwarten. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohe zudem die Einstellung des zweiten Verfahrens. Es sei wichtig, die Verbrechen des NSU in einem Verfahren aufzuarbeiten.

Bei dem Nagelbombenanschlag wurden 2004 22 Menschen zum Teil schwer verletzt. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft steht der NSU hinter dem Verbrechen.

Gericht befragt möglicherweise erste Angeklagte

Der heutige Prozesstag begann erneut mit Verfahrensfragen. Die Verteidigung stellte erneut Anträge, die den Prozess verzögern. Die Anwältin des Angeklagten Wohlleben forderte die Einstellung des Verfahrens. Sie warf den Medien vor, nicht sachgerecht über den Strafprozess zu berichten. Zudem würden staatliche Stellen die NSU-Mordserie als Tatsache darstellen.

Möglicherweise werden in München heute die ersten Angeklagten befragt. Bis auf Holger G. und Carsten S. haben sie bereits angekündigt, nicht auszusagen.

Journalisten kritisieren Arbeitsbedingungen

Unterdessen wird Kritik an den Arbeitsbedingungen für Journalisten laut. Die Medienvertreter dürften den Gerichtssaal und den angrenzenden "Sicherheitsbereich" aufgrund neuer Sicherheitsbestimmungen auch in Sitzungspausen nicht verlassen, ohne ihren Platz zu verlieren. Essen und Getränke würden abgenommen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Sie könne nicht "ausgedörrt und unkonzentriert gute Arbeit leisten", wird die Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen zitiert. "Jeder Verteidiger würde für seinen Mandanten verlangen, dass er menschenwürdig behandelt wird".

Anklage: "Hinrichtungsgleiche Erschießungen"

Nach mehrfachen Verzögerungen war gestern, am zweiten Verhandlungstag, die Anklage gegen die Hauptangeklagte und die übrigen vier Beschuldigten verlesen worden. Als "hinrichtungsgleiche Erschießungen" bezeichnet die Bundesanwaltschaft die Taten. Sie wirft den Angeklagten die Mittäterschaft bei zehn Morden der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) vor. Am helllichten Tag schossen die Täter ihren arg- und wehrlosen Opfer ohne Vorwarnung aus nächster Nähe in den Kopf.

"Eingeschworenes Tötungskommando"

Die angeklagte Beate Zschäpe und ihre gestorbenen, mutmaßlichen NSU-Komplizen Uwe Mundlos (l) und Uwe Böhnhardt (dpa / Bundeskriminalamt)Die angeklagte Beate Zschäpe und ihre gestorbenen, mutmaßlichen NSU-Komplizen Uwe Mundlos (l) und Uwe Böhnhardt (dpa / Bundeskriminalamt)Die gestorbenen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie die Hauptangeklagte im Prozess, Beate Zschäpe, hätten ihre Opfer - vornehmlich türkischer Herkunft - willkürlich ausgewählt, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer. Ziel der Terrorzelle: die Verunsicherung ausländischer Mitbürger und die Schwächung des Vertrauens in den Staat. Diemer sprach von einem "einheitlichen, aufeinander eingeschworenen Tötungskommando aus drei Personen". Detailliert schilderte der Bundesanwalt die einzelnen Morde, wie Böhnhardt und Mundlos neun Geschäftsmänner türkischer und griechischer Herkunft erschossen und eine Polizistin ermordeten.

Den Vorwurf der Mittäterschaft gründet die Bundesanwaltschaft vor allem darauf, dass Zschäpe Böhnhardt mehrmals bei der Anmietung von Wohnmobilen begleitet und sich an der Beschaffung von Waffen beteiligt habe. "Wir sehen sie als gleichberechtigtes Mitglied eines Tötungskommando", sagte Oberstaatsanwältin Anette Greger und sprach von "verabscheuungswürdigen Taten".


Themenportal: Beiträge und Artikel vom Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur finden Sie auf unserer Themenseite zum NSU-Prozess.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

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