Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Opposition legt zu Guttenberg Rücktritt nahe

Uni Bayreuth entzieht Verteidigungsminister den Doktortitel

Zu Guttenberg stellt sich den Fragen der Abgeordneten (picture alliance / dpa)
Zu Guttenberg stellt sich den Fragen der Abgeordneten (picture alliance / dpa)

Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei haben deutlich gemacht, dass sie die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als ein bewusstes Plagiat betrachten. Die Uni Bayreuth hat ihm inzwischen den Doktortitel entzogen.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat die Universität Bayreuth zu Guttenberg den Doktortitel am Mittwochabend entzogen. Das gab Hochschulpräsident Rüdiger Bormann nach einer Sitzung der zuständigen Promotionskommission bekannt. Guttenberg habe gegen die wissenschaftlichen Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen. Der Verteidigungsminister selbst hatte die Uni am Montag gebeten, seinen Doktortitel zurückzunehmen. Zu Guttenberg hatte bereits gravierende Fehler bei seiner Dissertation zugegeben und erklärt, er werde dauerhaft auf den Titel verzichten.

Zurücktreten will zu Guttenberg dennoch nicht, wie er heute im Bundestag erneut betonte. Die Opposition griff ihn in einer Fragestunde wegen der Plagiatsvorwürfe scharf an: Thomas Oppermann von der SPD sprach von einer vorsätzlichen und planmäßigen "Übernahme fremden Gedankenguts". Außerdem gebe zu Guttenberg immer nur so viele Fehler zu, wie gerade sowieso von den Medien aufgedeckt würden. Oppermann nannte zu Guttenberg auch einen "akademischen Hochstapler und Lügner", was auf heftige Empörung in den Regierungsfraktionen stieß.

Der CDU-Politiker Hans-Peter Friedrich hielt der Opposition "Negative-Campaigning" vor. Mit ihren Plagiatsvorwürfen wolle man Karl-Theodor zu Guttenberg "vernichten". Minister würden in Deutschland nicht nach ihren wissenschaftlichen Qualifikationen beurteilt, sondern nach ihren Leistungen im Amt. Zu Guttenberg sei ein "hervorragender Verteidigungsminister", betonte Friedrich.

Jürgen Trittin (Bündnis90/Die Grünen) dagegen forderte zu Guttenberg erneut zum Rücktritt auf. Das sei die "einzige logische Konsequenz" aus der Plagiatsaffäre. In die gleiche Kerbe schlug auch Dietmar Bartsch von der Linkspartei mit den Worten, "früher hätte der Adel gewusst, wie man sich in einem solchen Fall verhält".

Fehler ja, Täuschung nein

Zuvor hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Bundestag noch einmal gravierende Fehler in seiner Dissertation eingeräumt, einen Plagiatsvorwurf aber erneut zurückgewiesen. Guttenberg sagte in einer Fragestunde im Parlament, er bedauere, ein schlechtes Signal an die wissenschaftliche Welt gesandt zu haben.

Es sei hochmütig von ihm gewesen zu glauben, die wissenschaftliche und die politische Arbeit vereinbaren zu können. Dabei habe er sich fraglos überschätzt. Der CSU-Politiker betonte, den Vorwurf der Täuschung weise er weiterhin als "abstrus" zurück. Wer ihm Vorsatz vorwerfe, der begebe sich in die Nähe der üblen Nachrede.

Keine Klarheit zum Wissenschaftlichen Dienst

Kernpunkt der Befragung im Bundestag war der Vorwurf, Guttenberg habe den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für Teile seiner Arbeit beansprucht. Der Minister äußerte sich zur Übernahme von Texten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags. Er erklärte, die Herkunft der Passagen, die in seine Dissertation eingeflossen seien, werde genannt. Ob eine Genehmigung zur Weiterveröffentlichung eingeholt wurde, lasse sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Karl-Theodor Zu Guttenbergs (CSU) Dissertation ist in der Kritik (picture alliance / dpa)Karl-Theodor Zu Guttenbergs (CSU) Dissertation ist in der Kritik (picture alliance / dpa)Die Fachbereiche des Wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag unterstützen "die Abgeordneten bei ihrer politischen Arbeit in Parlament und Wahlkreis durch Fachinformationen sowie Analysen und gutachterliche Stellungnahmen (…) Inhaltlich decken die Fachbereiche das gesamte Spektrum der Rechtsgebiete bzw. Politikfelder ab."

Weitere Beiträge zum Thema:

Uni Bayreuth prüft Guttenbergs Dissertation - Opposition verlangt Rücktritt

"Die Menschen lieben das Lädierte" - Meinungsforscher beschreibt Folgen der Plagiatsaffäre für Guttenberg-Image

Käßmann als Vorbild - Bild-Kolumnist legt Guttenberg Rücktritt nahe

"Es geht um wahres neues Wissen" - Ex-Vorsitzender des Wissenschaftsrate, Peter Strohschneider, rügt schweres Fehlverhalten bei Plagiatsaffäre

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Snowden-ArchiveErst ein Bruchteil der Dokumente veröffentlicht

"Next Level Big Data" steht mit Graffiti auf einem Container (dpa/picture alliance/Ole Spata)

Eine Handvoll Aktivisten weltweit sucht nach Wegen, Snowden-Dokumente mithilfe von Archiven der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen. Auf der Transmediale in Berlin versuchten die Betreiber nun, eine gemeinsame Strategie auszuarbeiten.

Staatsrechtler Hillgruber"Deutschland ist kein Failed State"

Horst Seehofer, Angela Merkel und Sigmar Gabriel stehen im Kanzleramt vor einer blauen Wand mit dem Bundesadler. (dpa / Bernd von Jutrczenka)

Aus Sicht des Rechtswissenschaftlers Christian Hillgruber ist es fahrlässig, derzeit von einem Staatsversagen Deutschlands zu sprechen. Viele staatliche Organe funktionierten tadellos, sagte er im DLF. Doch es könne schon infrage gestellt werden, ob die Regierungen von Bund und Ländern partiell ihre Aufgaben nicht so wahrgenommen hätten, wie sie es hätten tun müssen.

PhilosophieDie Ethik der Immigration

Wer in seinem Heimatland politisch verfolgt wird, hat gute Chance, in Deutschland bleiben zu dürfen. Wer einfach kommt, um ein besseres Leben zu führen, hat keinen Anspruch darauf. Ist doch logisch! Oder?

Syrien-Konflikt"Der Schlüssel liegt in einer militärischen Patt-Situation"

Zwei schiitische Dörfer in Syrien, die von Rebellen belagert waren, wurden von Regierungstruppen befreit. (dpa/picture-alliance/Vadim Savitsky)

Der Beginn von Friedensverhandlungen für Syrien hängt für den Politologen Carlo Masala von der militärischen Situation dort ab. Im DLF sagte Masala, solange die Konfliktparteien nicht den Eindruck hätten, dass sie von einer diplomatischen Lösung mehr profitieren als von Kämpfen, würden sich die Beteiligten den Gesprächen verweigern.

Kabarettist Martin Buchholz "Wir sind Narren um Christi willen"

Der Kabarettist und Hüsch-Biograf Martin Buchholz vor einer Herbstlandschaft (Sergej Falk)

Martin Buchholz ist Kabarettist - und Theologe. Die Tradition der heiligen Narren sei verwurzelt im Christentum, so Buchholz. Den Glauben teilt er mit seinem großen Vorbild Hanns Dieter Hüsch. Der habe das Leben leicht genommen, wobei ihm auch sein Glaube geholfen habe.

Smart HomeMit dem Kühlschrank diskutier' ich nicht

Ein schlaues Heim ist doch super: Der Kühlschrank bestellt Sachen nach, die Temperatur und das Licht können per Sprachbefehl reguliert werden und der Fernseher bietet alles, was das Herz begehrt. Nur dumm, wenn die schlauen Geräte eigenmächtig handeln.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Straßburg  Hollande und Merkel beraten über Flüchtlingskrise | mehr

Kulturnachrichten

Singer-Songwriter Dan Hicks gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Entsalzung  Batterie macht Süßwasser | mehr