Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Opposition oder Koalition?

SPD und Grüne uneins über Bündnis mit Union

Welche Koalition wird Deutschland künftig regieren? (dpa / Patrick Pleul)
Welche Koalition wird Deutschland künftig regieren? (dpa / Patrick Pleul)

Bei der Suche nach einem neuen Koalitionspartner für die Union zeichnet sich keine rasche Lösung ab. SPD und Grüne zieren sich. Sie fürchten, dass ein Bündnis mit CDU und CSU die eigenen Wähler vergraulen könnte. Jetzt schieben sich Vertreter beider Parteien gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Vertreter von SPD und Grünen haben der jeweils anderen Seite eine Zusammenarbeit mit CDU/CSU empfohlen. Konzessionen der Union gegenüber den Grünen müssten "viel, viel größer sein" als gegenüber der SPD, erklärte etwa Grünen-Chef Cem Özdemir. "Vorgezogene Neuwahlen sehe ich nicht als wahrscheinlich an."

Auch Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl, sprach sich gegen eine schwarz-grüne Koalition aus. "Ich bin der Auffassung, das wäre nicht nur unglaubwürdig nach diesem Wahlkampf, sondern auch nicht hilfreich, wenn es um Stabilität einer Regierung geht", erklärte sie im Deutschlandfunk. "Eine rechnerische Mehrheit ist ja keine politische Mehrheit, und darum geht es."

Der Grüne Europaabgeordnete Werner Schulz hingegen fordert, dass seine Partei mit der Union ernsthaft über eine Koalition verhandelt. Man sei nicht mehr "meilenweit" voneinander entfernt. "Früher war das vielleicht so. Da hat man mal gesagt, CDU und Grüne, das ist wie Feuer und Wasser", erklärte Schulz im Deutschlandfunk. "Und ich habe immer gesagt: 'Na und, wenn das zusammenkommt, das ergibt Dampf, das ist eine ökologische Antriebskraft.'"

Große Koalition schwächt Opposition

Auch der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, sprach sich für Schwarz-Grün aus. "Ich glaube, dass jetzt die Grünen dran sind", sagte er im ARD-Morgenmagazin. Im Sinne der Demokratie gehe das gar nicht anders: Andernfalls gäbe es 80 Prozent Regierung und nur 20 Prozent Opposition im Bundestag.

Sollte die Opposition nur aus einem Fünftel der Bundestagsabgeordneten bestehen, wäre sie wichtiger Druck- und Kontrollmittel beraubt, kommentierte auch Stephan Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandradio im Hauptstadtstudio Berlin, im Deutschlandradio Kultur. So würden etwa für die Einberufung von Untersuchungsausschüssen, die Anrufung des Bundesverfassungsgerichts in Normenkontrollverfahren und die Prüfung von EU-Recht vor dem Europäischen Gerichtshof mindestens ein Viertel der Abgeordneten benötigt.

Die Sprecherin des linken SPD-Flügels, Hilde Mattheis, sagte der "Leipziger Volkszeitung", die SPD könne in einer großen Koalition am wenigsten durchsetzen. Denkbare Alternativen seien neben einer Neuwahl eine schwarz-grüne Koalition oder eine Minderheitsregierung. Auch eine rot-rot-grüne Koalition wäre "für mich kein Wortbruch".

Auch CDU und CSU gespalten

Doch auch die Union ist sich über den möglichen Koalitionspartner nicht einig. CSU-Chef Horst Seehofer nannte eine Große Koalition von Union und SPD eine "Frage der Logik". Er verwies in der "Leipziger Volkszeitung" auf die Rolle des Bundesrates bei der Gesetzgebung - CDU/CSU und Grüne hätten gemeinsam in der Länderkammer "keine einzige Stimme zusammen".

CDU-Bundesvorstandsmitglied Elmar Brok sieht für Schwarz-Rot keine unüberwindbaren Hindernisse. Der "Neuen Westfälischen" sagte er, auch ein gesetzlicher Mindestlohn wäre wohl kein Problem. Der nordrhein-westfälische CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann sprach sich in der "Rheinischen Post" ebenfalls für Schwarz-Rot aus.

CDU-Vize Armin Laschet hingegen schloss Schwarz-Grün nicht aus. "Ich empfehle schon, sich nicht nur auf einen potenziellen Partner festzulegen." Im Rückzug Jürgen Trittins vom Grünen-Fraktionsvorsitz sieht Laschet ein positives Signal für mögliche Koalitionsgespräche. "Wenn die Grünen für die Zukunft personell und politisch neue Schwerpunkte setzen, erleichtert das Gespräche." Und auch der CDU-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag, Peter Hauk, sieht Chancen für Schwarz-Grün. "Ich glaube, es gibt eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit den Grünen", sagte er der dpa.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, warnte vor Gedankenspielen über eine Minderheitsregierung der Union."Das kann nicht funktionieren", sagte Müller der "Bild"-Zeitung. Und der CDU-Abgeordnete Christian Hirte sieht eine Neuwahl als möglichen Ausweg: "Wenn sich Rot-Grün parteitaktisch verweigern, zum Wohl unseres Landes Verantwortung zu übernehmen, muss neu gewählt werden."


Mehr zum Thema:

Das Koalitionskarussell dreht sich weiter
Rufe in der SPD nach Mitgliederbefragung werden lauter
Trittin, Künast und Roth treten zurück
Göring-Eckardt will Fraktionschefin werden
Steiniger Weg zur Regierungsbildung
Fahrplan bis zur ersten Sitzung des neuen Bundestages
Seehofers Absage an Schwarz-Grün ist "Theaterdonner"
Parteienforscher Holtmann hält Große Koalition für realistischste Option
"Die SPD könnte in einer Großen Koalition nur verlieren"
Rudolf Dreßler rät seiner Partei von einer Koalition mit der CDU/CSU ab

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:18 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Aus den Archiven

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Neuer US-Präsident Trump "Wir werden Amerika wieder großartig machen"

Donald Trump leistet den Amtseid als 45. US-Präsident (20.01.2017). (AFP / Mandel Ngan)

Donald Trump ist als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. In seiner Antrittsrede rief er zu einem "neuen Nationalstolz" auf, der die Spaltung des Landes heilen werde. Am Rande der Zeremonie kam es in Washington zu Ausschreitungen.

US-Präsident"Hysterische Reaktionen auf Trump sind fehl am Platz"

Friedrich Merz (CDU), Vorsitzender der Atlantikbrücke (dpa / picture-alliance / Revierfoto)

Kurz vor der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat der Vorsitzende der "Atlantik-Brücke", Friedrich Merz, zu mehr Gelassenheit aufgerufen. Trump habe sich schließlich nicht ins Amt geputscht, sagte der CDU-Politiker im DLF.

Jüdischer Glaube und die ShoaWo war Gott in Auschwitz?

Auschwitz-Birkenau (picture-alliance/ dpa)

Das Gedenken an den Holocaust dreht sich meist um die Frage, wie der Mord an sechs Millionen Juden möglich war. Gott spielt dabei zunächst keine Rolle. Unser Autor Jens Rosbach hat sich damit beschäftigt und den Einfluss der Shoah auf den jüdischen Glauben beleuchtet.

PROTESTAKTIONEN ZUR AMTSEINFÜHRUNGMit Joints, Liebe und Musik gegen Trump

Es ist DER Tag für Donald Trump: Ab 12 Uhr Ortszeit wird er in Washington auf den Stufen des Kapitols als neuer, 45. Präsident der USA vereidigt. Ein guter Tag für ihn – für viele andere aber nicht. Gestern Abend gab es schon ein paar Proteste in New York. Heute gehen die Leute dann in Washington auf die Straße oder starten andere Protestaktionen.

Lage in Syrien"Es fehlt fast alles für ein normales Leben"

DRK-Generalsekretär Christian Reuter (imago / Jens Jeske)

Knapp sechs Jahre nach Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs bleibt die humanitäre Lage im Land prekär. Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Reuter, sagte im DLF, in ganz Syrien fehle es an elementaren Dingen - auch dort, wo nicht gekämpft werde.

75 Jahre Wannsee-KonferenzDie Vorbereitung des Massenmords

Das Haus der Wannsee-Konferenz (imago/McPHOTO )

Vor 75 Jahren wurde in einer Villa am Wannsee über die Vernichtung der Juden beraten. Knapp zwei Stunden dauerte die Besprechung. Ziel der Wannsee-Konferenz war es, einen Plan zur Deportation und Vernichtung der Juden aus westeuropäischen Ländern festzulegen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Trump unterzeichnet Erlass gegen Obamacare | mehr

Kulturnachrichten

Rund 1000 Objekte aus NS-Vernichtungslager restauriert  | mehr

Wissensnachrichten

Neuer US-Präsident Trump  "Von heute an gilt 'America first'" | mehr