Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Organspende: Manipulation wird strafbar

Daten der Patienten auf Wartelisten müssen korrekt sein

Eine Lungentransplantation - hier an der Medizinischen Hochschule Hannover (picture alliance / dpa / Junge/Mhh)
Eine Lungentransplantation - hier an der Medizinischen Hochschule Hannover (picture alliance / dpa / Junge/Mhh)

Nach den Skandalen der vergangenen Jahre stellt der Bundestag nun Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen unter Strafe: Wer den Gesundheitszustand seines Patienten falsch darstellt, muss bis zu zwei Jahre hinter Gitter. Patientenschützer kritisieren, die "grundlegenden Konstruktionsfehler" im deutschen Transplantationsrecht bestünden weiter.

Wer Wartelisten für Organspenden manipuliert, kann künftig mit bis zu zwei Jahren Haft oder Geldstrafen belangt werden. Das hat am Freitag der Bundestag durch eine Änderung des Transplantationsrechts beschlossen.

Demnach ist es Ärzten laut Bundesgesundheitsministerium in Zukunft verboten, Patientendaten so zu manipulieren, dass sie auf der Warteliste nach oben rücken: Wer den Gesundheitszustand seines Patienten schlimmer darstellt, als er ist, und diese Daten an die europäische Vergabestelle Eurotransplant übermittelt, kann rechtlich belangt werden.

Zudem stellte das Parlament die Transplantations-Richtlinien der Bundesärztekammer unter den Vorbehalt der Genehmigung durch das Bundesgesundheitsministerium. Dadurch würden die Richtlinien "transparent und überprüfbar", erklärte das Ministerium.

Konsequenz aus den Skandalen

In mehreren Kliniken waren zuletzt Manipulationen im Zusammenhang mit Organtransplantationen aufgedeckt worden. In der Folge brachen die Spenderzahlen in Deutschland dramatisch ein. In Deutschland warten derzeit rund 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. 2012 sank die Zahl der Organspenden um 12,8 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2002: Lediglich 1046 Menschen spendeten nach ihrem Tod Organe.

Alt-TextOrganspender im Skandaljahr 2012


"Bürgerrechte von Schwerstkranken auf den Wartelisten missachtet"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte zwar, dass der Bundestag jetzt ein Instrument zur Bestrafung von Manipulationen an Patientendaten geschaffen habe. "Jedoch sind Zweifel angebracht, ob die neue Norm in der Praxis tatsächlich große Wirkung erzielen wird", erklärte der Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Strafrechtliche Verfolgung ändere "nichts an den grundlegenden Konstruktionsfehlern des deutschen Transplantationsrechts". So würden weiter die Bürgerrechte der Schwerstkranken auf den Wartelisten missachtet. "Es fehlt an Transparenz bei der Wartelistenentscheidung und Klarheit, welchen Rechtsweg Betroffene beschreiten können."

Die Regelungen zur Organspende waren durch einen Änderungsantrag dem Gesetzentwurf der Regierung zur Verringerung der Säumniszuschläge in der Krankenversicherung hinzugefügt worden. Ihm stimmten die Abgeordneten von CDU/CSU, FDP und Grünen bei Enthaltung von SPD und Linken heute zu.


Weitere Informationen auf dradio.de.

Organspende: Es soll schärfere Kontrollen geben - <br> Künftig sollen drei Personen über die Aufnahme in Wartelisten entscheiden

Vorbei an der Warteliste - <br> Neue Zahlen zur Organspende offenbaren Anfälligkeit des Vergabesystems

Medizin, Geld und Prestige - Der Arztberuf nach dem Leipziger Organspendeskandal

Organspendeskandal rüttelt die Ärzteschaft auf - <br> Mitglied des Ethik-Rates spricht vom "Super-GAU der Transplantationsmedizin"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Medientag

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Illegale Autorennen"Es geht nur darum, sich selbst zu bestätigen"

Blick auf eine befahrene Straße (imago stock&people)

Mit dem Urteil des Landgerichts Berlin werde klar aufgezeigt, dass man solches Verhalten im Verkehr nicht mehr toleriere, sagte die Schweizer Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry im DLF. Sie forderte, den Zugang zu hochmotorisierten Autos für junge Leute zu erschweren. Und generell die emotionale Bindung zum Auto zu lösen.

"Welt"-Korrespondent Deniz Yücel"Er konnte das wissen"

Yücel sitzt als Gast einer Talkshow auf dem Podium.  (dpa/Karlheinz Schindler)

Die Empörung in Deutschland ist groß: Ein türkischer Richter verhängte Untersuchungshaft gegen den Türkei-Korrespondenten der "Welt", Deniz Yücel. Die Anwältin Seyran Ates meint: Es war klar, dass man Yücel irgendwann "greifen" würde.

UnruheAs soon as possible? - Ohne mich!

Ein junger Geschäftsmann sitzt in Meditationshaltung auf seinem Arbeitstisch hinter seinem Laptop (imago stock&people)

Morgen ist Aschermittwoch, für Christen der Beginn der Fastenzeit. "Sieben Wochen ohne Sofort" ist die Fastenaktion der Evangelischen Kirche überschrieben. Innehalten sollen wir. Doch wer will das ernsthaft? Der Philosoph Ralf Konersmann, Autor einer Kulturgeschichte der Unruhe, sagt: So schnell kommt eine Gesellschaft aus dem Hamsterrad nicht raus.

Streit um Abschiebungen"Afghanistan ist kein sicheres Land"

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Tom Koenigs (picture-alliance / dpa / Arne Dedert)

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Tom Koenigs, lehnt die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan ab. Das Land sei nicht sicher, sagte Koenigs, im DLF. Die Bundesregierung sollte ihre Lageeinschätzung überdenken.

Frankreich und DeutschlandNeuer Schwung für ein altes Paar

Die französische und die deutsche Fahne am Rathaus von Frankfurt/Main (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)

Die Beziehung der Nachbarn Deutschland und Frankreich schwächelt. Doch US-Präsident Trump und der Brexit fordern die symbolische Partnerschaft zu engem Zusammenrücken und kraftvoller Kooperation heraus. Das kann eine reale Chance sein, meint der Historiker Klaus Manfrass.

125 Jahre DieselmotorEffizient, aber schadstoffreich

Eine Frau betrachtet am Mittwoch (12.03.2008) im MAN-Museum Augsburg (Schwaben) den ersten Versuchsdieselmotor, den Rudolf Diesel in den Jahren 1893 bis 1895 erbaute. Vor 150 Jahren, am 18.März 1858, wurde Rudolf Diesel als Sohn deutscher Eltern in Paris geboren. In Augsburg verwirklichte er seine Idee einer "neuen rationellen Wärmekraftmaschine" in Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Augsburg, einer Vorgängerfirma der heutigen MAN-Gruppe. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby (zu dpa-KORR vom 13.03.2008: "Rudolf Diesel - Genialer Erfinder und begnadeter Ingenieur") +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (dpa)

Jahrelang tüftelte Rudolf Diesel an einem Motor, der die ineffizienten Dampfmaschinen seiner Zeit ersetzen sollte. Heraus kam dabei der nach ihm benannte "Dieselmotor", der bis heute Schiffe, Lkw und Pkw antreibt. Vor 125 Jahren reichte er die Pläne beim Patentamt ein.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Fall Yücel  Grüne fordern mehr Druck von der Bundesregierung | mehr

Kulturnachrichten

Leipziger Bach-Medaille für Reinhard Goebel  | mehr

Wissensnachrichten

Kannibalismus  Frösche fressen fremden Nachwuchs | mehr