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Ortstermin in der Evakuierungszone

Beiträge zur Lage um das AKW Fukushima

Schwer beschädigter Reaktor in Fukushima.  (AP)
Schwer beschädigter Reaktor in Fukushima. (AP)

Ein knappes halbes Jahr nach Erdbeben und Tsunami in Japan steht fest: Das Gebiet 20 Kilometer rund um das Kernkraftwerk Fukushima bleibt dauerhaft gesperrt. Wissenschaftsreporterin Dagmar Röhrlich war vor Ort und sprach mit Forschern, Ingenieuren und Politikern - und sie reiste ins Sperrgebiet.

Vor dem modern-gesichtslosen Rathaus von Date steht seit einigen Wochen ein silberner Metallkasten. Er verkündet - von weitem lesbar - mit rot leuchtenden LED-Ziffern die aktuelle Strahlungsbelastung: um die 0,79 Mikrosievert pro Stunde - das Dreifache des Durchschnittswertes in Deutschland. Eigentlich ist Date berühmt für sein Obst. Besonders die Pfirsiche sind ein beliebtes und - aufwendig verpackt - kostspieliges Sommergeschenk an einen Gastgeber. Eine wahrhaft kaiserliche Gabe, schließlich werden diese Pfirsiche auch bei Hof gereicht. Wahrscheinlich auch in diesem Jahr, doch ansonsten ist alles anders. 60 Kilometer entfernt liegt das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Ortstermin am AKW Fukushima from Gerd Pasch on Vimeo.



Der Tsunami vom 11. März traf das Kraftwerk mit sechs Reaktoren unvorbereitet. Ohne Strom und ohne Kühlung gerieten die Blöcke außer Kontrolle, die nach Tschernobyl größte zivile Nuklearkatastrophe nahm ihren Lauf. Ein knappes halbes Jahr später sind die Trümmer des Tsunami weggeräumt, der Wiederaufbau hat begonnen. Doch in Fukushima Daiichi kämpft man immer noch um die Kontrolle über die Reaktoren. Und in einer großen Zone um das Werk werden auf Jahrzehnte keine Menschen leben können.

Das Ehepaar Igari wohnt in einem Behelfshäuschen. (Heinz Haury)Das Ehepaar Igari wohnt in einem Behelfshäuschen. (Heinz Haury)Deutschlandradio-Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich hat Japan besucht und sprach in Tokio mit Experten für Radiologie, Strahlenschutz und Geophysik. Sie fuhr ins betroffene Gebiet und traf Evakuierte, die nicht zurück in ihre Häuser dürfen, mit Bauern, die nicht wissen, wie es weiter geht, und mit einer Schulleiterin, die sich nicht unterkriegen lassen will.


04.09.11, Wissenschaft im Brennpunkt: Ortstermin in der Evakuierungszone
Bauer Yoshitomo Shigihara in seinem, jetzt menschenleeren Dorf (Heinz Haury)Bauer Yoshitomo Shigihara in seinem, jetzt menschenleeren Dorf (Heinz Haury)Ein knappes halbes Jahr nach Erdbeben und Tsunami in Japan: Chaos und Hilflosigkeit bei AKW-Betreiber, Regierung und Behörden auf der einen Seite - Wut und Misstrauen bei den Evakuierten auf der anderen. Und Nachrichten von radioaktiv belastetem Tee und Rindfleisch verunsichern die Verbraucher überall im Land. Wie groß ist die Gefahr für die Menschen, und wie soll es weitergehen? Wissenschaftsreporterin Dagmar Röhrlich war vor Ort und sprach mit Forschern, Ingenieuren und Politikern in Tokio, und sie reiste ins Sperrgebiet.


Beitragsreihe in Forschung aktuell:

29.08.11: Das Tohoku-Beben und die Erdbebenforschung
Neue Methoden zur Berechnung von Risiken gefordert

1.9.11: Die Havarie und die Landwirtschaft
Über das Reinigen landwirtschaftlicher Flächen und die Frage, wie hoch der Reis kontaminiert sein wird

02.09.11: Roadmap zur Stabilität
Ein Blick in die Karten der japanischen Energiewirtschaft

05.09.11: Die Havarie und das Meer
Wie sich die Belastung in den Weltmeeren ausbreiten wird


Weitere aktuelle Berichte im Deutschlandradio:

28.08.11, Radiofeuilleton: Wissenschaft und Technik: Verstrahlte Zuversicht
Das Zeichen für Radioaktivität auf einer gelben Tonne, aufgenommen bei einer Greenpeace-Aktion in Berlin im März 2011. (picture alliance / dpa - Wolfram Steinberg)Das Zeichen für Radioaktivität auf einer gelben Tonne, aufgenommen bei einer Greenpeace-Aktion in Berlin im März 2011. (picture alliance / dpa - Wolfram Steinberg)Die Lage im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist auch mehr als ein halbes Jahr nach der Havarie nicht unter Kontrolle. Die Pläne, die der Betreiber Tepco im Sommer verkündete, drohen Makulatur zu werden. Und in der Firmenzentrale laviert man wie eh und je. Vor Ort untergräbt das den letzten Rest von Vertrauen, den die Manager, aber auch Behörden und selbst die Regierung im Nordosten Honshus noch genießen.


23.08.11, Hintergrund Politik: Kernschmelze einer Gesellschaft
Die Bewohner der Dörfer in der Sperrzone leben derzeit in Behelfsheimen. (Carsten Germis)Die Bewohner der Dörfer in der Sperrzone leben derzeit in Behelfsheimen. (Carsten Germis)80.000 Menschen mussten wegen der Nuklearkatastrophe von Fukushima ihre Heimat verlassen. Während sich die Versuche hinziehen, die Reaktoren unter Kontrolle zu bekommen, steht in den Evakuierungszonen alles still, wächst dort die Zahl der Arbeitslosen. Die Evakuierten fühlen sich hilflos und das Misstrauen gegenüber Behörden und der Regierung steigt.



15.08.11, DRadio Wissen: Ganz nah dran
(Cynthia Briseno)Yoshitomo Shigihara (Cynthia Briseno)Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich war vor Ort, um Eindrücke zu sammeln und mit Betroffenen zu sprechen. Dabei traf sie auf viele bemerkenswert wütende, nun praktisch heimatlose Japaner. Einige von ihnen, vornehmlich Ältere, fahren zumindest tagsüber nach Hause, um nach dem Rechten zu sehen.



11.08.11, Forschung aktuell: ''Diese Radioaktivität klebt überall auf den Oberflächen''
Der Radioökologe Jun Ichiro Tada mißt in der Sperrzone. (Carsten Germis)Der Radioökologe Jun Ichiro Tada mißt in der Sperrzone. (Carsten Germis)Vor genau fünf Monaten ereignete sich der Super-GAU im Kernkraftwerk von Fukushima. Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich war nun eine Woche lang in Japan, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie heute die Situation innerhalb der Sperrzone ist.



11.08.11, Umwelt und Verbraucher: Auch nach fünf Monaten keine Entwarnung in Fukushima
Dosimeter vor frischem Grün. (Cynthia Briseno)Dosimeter vor frischem Grün. (Cynthia Briseno)Die Aufräumarbeiten auf dem Gelände des Kernkraftwerks Fukushima laufen zäh. Die Menschen, die aus der umgebenden Sperrzone evakuiert wurden, wissen noch immer nicht, wie es weitergeht. Nur dass die meisten von ihnen nie wieder zurück dürfen, hat man ihnen gesagt. Auch fünf Monate nach der Reaktorhavarie herrscht in der betroffenen Region der Ausnahmezustand.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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