Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papandreou bietet angeblich Rücktritt an

Verhandlungen über Sparpaket, Generalstreik und Ausschreitungen in Griechenland

Der griechische Premierminister George Papandreou (AP)
Der griechische Premierminister George Papandreou (AP)

Ein Generalstreik und Massenproteste gegen die Sparmaßnahmen haben in Griechenland das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Der Ministerpräsident soll laut Berichten des Staatsfernsehens seinen Rücktritt angeboten haben, um eine Regierung der nationalen Einheit zu ermöglichen.

Am Mittwochnachmittag verhandelte Papandreou mit der Opposition über eine Unterstützung des Sparpakets. Er soll dabei angeboten haben, seinen Rücktritt einzureichen, wenn ihm diese Einigkeit versagt würde, berichtet Thomas Bormann im Deutschlandradio Kultur. In diesem Fall gäbe es womöglich eine neue Regierung, deren Ministerrunde nicht aus Parteipolitikern, sondern aus "Technokraten" bestehen würde.

Regierungschef Papandreou steht heftig unter Druck: Er muss das Sparpaket durchsetzen, wenn Griechenland neue Kredite erhalten soll.

EU uneinig über weiteres Vorgehen

"Wir müssen weiter reden", sagte Bundesfinanzminister Schäuble. Die Finanzminister der Eurozone haben darüber beraten, ob private Gläubiger an der Finanzierung eines neuen Hilfspakets in Höhe für 90 bis 120 Milliarden Euro für Griechenland beteiligt werden sollen. Griechische Staatsanleihen könnten von Banken, Versicherungen und Pensionsfonds gegen neue Anleihen mit siebenjähriger Laufzeit ausgetauscht werden, berichtet Doris Simon aus Brüssel im Deutschlandfunk. Gegner dieses Plans fürchten, dies könne als Beweis der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands angesehen werden.

Ein Demonstrant mit einer griechischen Flagge geht in Athen an einer Reihe von Polizisten vorbei. (AP - Petros Giannakouris)Ein Demonstrant mit einer griechischen Flagge geht in Athen an einer Reihe von Polizisten vorbei (AP - Petros Giannakouris)In Athen war es vor einer Sitzung des Parlaments am Mittwoch zu schweren Ausschreitungen gekommen. Vor dem Parlament versammelten sich Tausende Menschen, die in Sprechchören ein Ende der Sparmaßnahmen forderten. Teilweise versuchten die Demonstranten, den Abgeordneten den Zugang zum Parlament zu verwehren. Als Demonstranten Absperrungen durchbrechen wollten, setzte die Polizei Tränengas ein. Demonstranten warfen Brandsätze und Geschosse auf die Beamten. Vermummte Autonome und Rechtsextreme gingen mit Schlagstöcken aufeinander los. Die Parlamentssitzung dauert noch an, Regierungschef Papandreou will sich am Nachmittag per Fernsehansprache an die Griechen wenden.

Wegen des Streiks fielen Züge und Fähren aus, Ministerien und staatliche Banken blieben geschlossen. Auch die Journalisten haben für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt.

Jürgen Stark, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank EZB, ist nicht gegen eine Beteiligung der Banken an der Rettung Griechenlands: Sie müsse jedoch freiwillig sein. Zudem müsse Griechenland seine Wirtschaft restrukturieren, um internationale Unterstützung zu bekommen.

Kommende Woche soll die Causa Griechenland erneut auf EU-Ebene diskutiert werden.

Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Ingrid Arndt-Brauer kritisierte unterdessen nach der neuerlichen Herabstufung der griechischen Kreditwürdigkeit vom Dienstag die Arbeit der Ratingagenturen. Sie will deren marktbeherrschende Macht brechen.

Hintergrundinformationen:

Griechenland steht mit über 300 Milliarden Euro Staatsdefizit am Rande des Bankrotts und muss einen rigiden Sparkurs fahren. Ein erstes Hilfspaket der EU zeigte nicht die erhoffte Wirkung.

Am Dienstag wurde Griechenlands Kreditwürdigkeit auf ein "CCC"-Rating durch die Ratingagentur Standard & Poor's herabgesetzt. Es ist die zweitschlechteste Einstufung der Kreditwürdigkeit eines Landes. Schuldner in dieser Gruppe sind aus Sicht der Agentur in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten und können Zins- und Tilgungszahlungen nicht zuverlässig gewährleisten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:35 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

US-Präsident"Hysterische Reaktionen auf Trump sind fehl am Platz"

Friedrich Merz (CDU), Vorsitzender der Atlantikbrücke (dpa / picture-alliance / Revierfoto)

Kurz vor der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat der Vorsitzende der "Atlantik-Brücke", Friedrich Merz, zu mehr Gelassenheit aufgerufen. Trump habe sich schließlich nicht ins Amt geputscht, sagte der CDU-Politiker im DLF.

Politische RhetorikGlatt gelogen wirkt verdammt ehrlich

Der neue Präsident der USA: Donald Trump. (Imago / Zuma Press)

Eine vulgäre Sprache voller Verdrehungen und Lügen – wer das für ein neues Stilmittel der politischen Auseinandersetzung hält, sollte in die jüngere europäische Vergangenheit blicken. Die Philosophin Dunja Melčić erklärt, warum Lügen so wirkungsvoll sind.

PROTESTAKTIONEN ZUR AMTSEINFÜHRUNGMit Joints, Liebe und Musik gegen Trump

Es ist DER Tag für Donald Trump: Ab 12 Uhr Ortszeit wird er in Washington auf den Stufen des Kapitols als neuer, 45. Präsident der USA vereidigt. Ein guter Tag für ihn – für viele andere aber nicht. Gestern Abend gab es schon ein paar Proteste in New York. Heute gehen die Leute dann in Washington auf die Straße oder starten andere Protestaktionen.

Lage in Syrien"Es fehlt fast alles für ein normales Leben"

DRK-Generalsekretär Christian Reuter (imago / Jens Jeske)

Knapp sechs Jahre nach Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs bleibt die humanitäre Lage im Land prekär. Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Reuter, sagte im DLF, in ganz Syrien fehle es an elementaren Dingen - auch dort, wo nicht gekämpft werde.

Prozess in Bad Godesberg Wie in einem Brennglas der Gesellschaft

Jugendliche stehen am 20.05.2016 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) am Bahnstation des Stadtbezirkes Bad Godesberg. In dem Bonner Stadtteil an einem Rondell in Bahnhofsnähe wurde ein 17-Jähriger auf der Straße totgeprügelt. (dpa/picture alliance/Maja Hitij)

Der Schock war groß, als nach einer Prügelattacke der 17-jährige Niklas in Bad Godesberg starb. Heute beginnt der Prozess gegen zwei Verdächtige. Der örtliche Pfarrer Wolfgang Picken berichtet, wie Bevölkerung und Politik einen konstruktiven Weg gefunden haben, mit den Folgen der Tat umzugehen.

75 Jahre Wannsee-KonferenzDie Vorbereitung des Massenmords

Das Haus der Wannsee-Konferenz (imago/McPHOTO )

Vor 75 Jahren wurde in einer Villa am Wannsee über die Vernichtung der Juden beraten. Knapp zwei Stunden dauerte die Besprechung. Ziel der Wannsee-Konferenz war es, einen Plan zur Deportation und Vernichtung der Juden aus westeuropäischen Ländern festzulegen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Auf der Zielgeraden  Trump von Obama im Weißen Haus empfangen - Ausschreitungen | mehr

Kulturnachrichten

Tabea Zimmermann ist "Künstlerin des Jahres 2017"  | mehr

Wissensnachrichten

Offener Brief in Magdeburg  Gehören AfD-Veranstaltungen an Unis? | mehr