Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Joseph Ratzinger will Pontifikat am 28. Februar niederlegen

Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI. (picture alliance / dpa / Nabil Mounzer)

Zum ersten Mal seit 700 Jahren tritt ein Papst ab: Benedikt XVI. wird am 28. Februar sein Amt niederlegen. Er habe nicht mehr die Kraft, die römisch-katholische Kirche zu führen, erklärte der 85-Jährige.

Papst Benedikt XVI. gibt sein Pontifikat aus Gesundheitsgründen auf. Er werde sich am 28. Februar um 20 Uhr von der Spitze der katholischen Kirche zurückziehen. Das teilte Joseph Ratzinger nach Angaben eines Vatikan-Sprechers überraschend während des Konsistoriums, einer Vollversammlung der Kardinäle, in Rom mit:

"Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben."

Papst dankte Katholiken weltweit für alle Liebe und Arbeit

Joseph Kardinal Ratzinger wird von den Gläubigen auf dem Petersplatz als neuer Papst Benedikt XVI. begrüßtPapst Benedikt XVI. nach seiner Wahl (AP)In seiner auf Latein gehaltenen Ansprache sagte Benedikt, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen.

"Die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen."

Der Papst dankte den Katholiken weltweit "für alle Liebe und Arbeit" und bat um "Verzeihung für alle meine Fehler".


(Quelle: YouTube-Kanal der Deutschen Welle)

Erster Rücktritt eines Papstes seit 1294

Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantischen Reisen mehr zu unternehmen, sagte Papst-Bruder Georg Ratzinger. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten. Der 85-jährige war im April 2005 zum 265. Papst gewählt worden. Er war in den vergangenen Wochen, zuletzt bei der Christmette, deutlich gezeichnet von Altersschwäche.

Normalerweise scheiden Päpste durch Tod aus dem Amt aus. Der Rücktritt kann nach dem sogenannten Kodex des kanonischen Rechts freiwillig erfolgen. "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, daß er von irgendwem angenommen wird", heißt es darin in Artikel 332, Absatz 2. Allerdings kam dies zuletzt 1294 vor, als Coelestin V. aus freien Stücken sein Amt abgab.

Benedikt XVI. will nun ein Leben in Gebet und Meditation führen

Nach seinem Amtsverzicht werde sich Papst Benedikt XVI. in das bisherige Karmel-Kloster innerhalb der Vatikanmauern ziehen. Dort wolle er ein Leben in Gebet und Meditation führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi vor Journalisten. Bis die notwendigen Umbauarbeiten abgeschlossen seien, werde Benedikt XVI. im päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo wohnen.

Schwarzer Rauch dringt aus dem Schornstein der Sixtinischen KapelleDer Papst ist gewählt, wenn weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle dringt (AP)Damit muss das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden. Dies erfolgt frühestens am 15., spätestens am 20. Tag nach dem Tod eines Papstes. Dieses Prozedere tritt auch mit dem Abend des 28. Februar ein, wenn der Rücktritt von Benedikt XVI. gültig wird.

Benedikt XVI. löste seinen Vorgänger Papst Johannes Paul II. ab. Ratzinger wurde im oberbayerischen Marktl am 16. April 1927, einem Karsamstag, geboren. Kardinal Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre.


Programmtipps:
In der Sendung Hintergrund geht es heute ab 18.40 Uhr um den überraschenden Rücktritt des Papstes, wie auch in 2254, den Nachtgesprächen am Telefon, am Dienstagmorgen ab 1:05 Uhr.


Weiterführende Informationen:

Papst Benedikt XVI. in sein Amt eingeführt - Hunderttausende Gläubige in Rom
Benedikt XVI. will Einheit der Christen - Erste Messe des neuen Papstes
Die Geschichte des Papsttums Dreiteilige Gesprächsreihe in "Tag für Tag"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Musikszene

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr In Concert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

StudieEU-Binnenmarkt = Mehr Shopping

Durch den gemeinsamen Markt in der EU haben die Deutschen jedes Jahr 37 Milliarden Euro mehr in der Tasche. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben: In den vergangenen 20 Jahren hat die Bundesrepublik das reale Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr durchschnittlich um 37 Milliarden Euro gesteigert. 

Internationale KonflikteDer Abstieg der Vereinten Nationen

Der Präsident der Europa-Universität Viadrina, Gunter Pleuger

Die Vereinten Nationen haben zu wenig Spielraum, um die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zu schlichten, meint Ex-UN-Botschafter Gunter Pleuger. Er sei nicht sehr optimistisch, dass die Appelle des Generalsekretärs gehört werden.

MexikoKampf gegen ungesühnte Frauenmorde

Angehörige demonstrieren am 25.11.2003 mit Pappfiguren als Symbole für die getöteten Frauen in Ciudad Juarez. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte international Berühmtheit - zwischen 993 und 2007 wurden hier 393 Frauen ermordet. "Welthauptstadt der Frauenmorde" ist deshalb das Image, das der Stadt weltweit anhängt.

In Mexiko werden immer mehr Frauen Opfer von Gewaltverbrechen, von "Feminicido". Zwar unterstützen Organisationen diese Frauen. Aber selbst Morde bleiben ungesühnt: Die Aufklärung wird verhindert durch Korruption sowie Überlastung - und durch die allgegenwärtige Macho-Kultur.

Wendezeit"Die Fenster aufgestoßen"

Berlin erlebt am 4. November 1989 die größte Demonstration für eine andere DDR. Eine halbe bis eine Million Demonstranten ziehen durch die Innenstadt, vorbei am Palast der Republik mit dem Sitz der Volkskammer und am Staatsratsgebäude zu einer Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz. "Wende", "Wer ewig schluckt stirbt von Innen" oder "Krenzmann" steht auf Transparenten der Demonstranten.

Berlin, 4. November 1989, Alexanderplatz. Die größte Wende-Demonstration und wohl auch die bunteste. Demonstranten überreichten Blumen an Polizisten, Transparente mit Sprüchen und Forderungen bestimmten das Bild.

SpanienImmer mehr Familien von Armut bedroht

Ein Bettler sitzt am 07.06.2013 in Palma de Mallorca auf der Mittelmeerinsel Mallorca (Spanien). Spanien gehört zu den Ländern Europas mit der höchsten Armutsgefährdungsquote und den größten Einkommensunterschieden, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.

Spaniens Sozialpolitik vernachlässige den Nachwuchs, kritisiert die UNICEF und zeigt in einer neuen Studie, dass bereits 27 Prozent der Kinder des Landes unterhalb der Armutsgrenze leben. 

Leitungswasser Ohne Filter

Kran statt Supermarkt, das scheint die bessere Wahl zu sein, wenn es um Trinkwasser geht. Aber sollten wir das kühle Nass vorher noch durch einen Filter jagen? Lieber nicht, sagt ein Experte von der Verbraucherzentrale.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ukraine:  Neue Sanktionen gegen Russland geplant | mehr

Kulturnachrichten

Bauhaus Dessau  bekommt Briefe des Bauhausmeisters Muche | mehr

Wissensnachrichten

Sprachentwicklung  Vorschulkinder können sich gegenseitig positiv beeinflussen | mehr