Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papst bespricht Causa Limburg

Entscheidung über Bischof Tebartz-van Elst erwartet

Papst Franziskus auf dem Petersplatz vor der Statue der Madonna von Fatima (AFP / Vincenzo Pinto)
Papst Franziskus auf dem Petersplatz vor der Statue der Madonna von Fatima (AFP / Vincenzo Pinto)

Nach immer neuen Vorwürfen über die Amtsführung des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst ist die Personalie nun Thema im Vatikan. Neben dem Bischof ist auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz nach Rom gereist. Mehrere Würdenträger der katholischen Kirche legten Tebartz-van Elst den Amtsverzicht nahe.

Jetzt ist der Papst am Zug. Für Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sei es selbstverständlich, "dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in Limburg in den Händen des Heiligen Vaters liegt", teilte das Bistum Limburg mit. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nimmt mehrtägige Gespräche im Vatikan auf. Dabei will er mit Papst Franziskus auch den Fall des Limburger Bischofs erörtern. Zugleich möchte auch Tebartz-van Elst mit dem Heiligen Vater reden. Wann die Gespräche stattfinden, ist nicht bekannt.

Tebartz-van Elst steht seit Wochen wegen enormer Kosten für den Neubau seiner Bischofsresidenz unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft Ermittlungen wegen Untreue. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat bereits einen Strafbefehl wegen Falschaussage gegen ihn beantragt.

Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (AP)Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (AP)Erzbischof Zollitsch sprach von einem "gewaltigen Glaubwürdigkeitsproblem" im Fall Tebartz-van Elsts. "Und die Kirche in Deutschland trägt den Schaden", sagte Zollitsch der "Bild"-Zeitung. Auch der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, sieht einen kaum noch zu heilenden Vertrauensbruch. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte er, Tebartz-van Elst müsse sich fragen, ob er der Glaubwürdigkeit der Kirche noch diene. Sorgen mache ihm, dass das Spendenaufkommen für seine Organisation aufgrund des Skandals zurückgegangen sei. Das gesamte Ausmaß sei aber noch nicht absehbar.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann legte seinem Limburger Glaubensbruder den Amtsverzicht nahe. "Die Situation ist ja so eskaliert, dass man sagen muss, der Bischof Franz-Peter kann im Grunde in Limburg nicht mehr arbeiten", sagte Ackermann im ARD-Fernsehen. "Ein Bischof braucht ja auch Akzeptanz." Wenn aber die Akzeptanz der Gläubigen schwinde, könne ein Bischof nicht mehr als Seelsorger arbeiten. "Ich glaube, das ist das massivste Problem, dass der Glaubwürdigkeitsverlust so immens ist", sagte Ackermann. Ein Bischof müsse wahrhaftig sein. "Es kann nicht gehen, dass Leute belogen werden."

Kosten seit langem bekannt

Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vor dem Dom in Limburg (picture alliance / dpa / Frank May)Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vor dem Dom in Limburg (picture alliance / dpa / Frank May)Die Baukosten für die Um- und Neugestaltung des Bischofssitzes von Limburg sollen dem Bistum seit mehr als zwei Jahren bekannt gewesen sein. "Von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein", sagte der Architekt Michael Frielinghaus der "Frankfurter Neue Presse" auf entsprechende Äußerungen des Bischofs. Alles, was im Diözesanen Zentrum geplant und umgesetzt worden sei, sei "haarklein mit dem Bauherrn abgestimmt" gewesen. Als sein Büro im Mai 2010 den Auftrag für den Bischofssitz übernommen habe, sei klar gewesen, dass das Projekt zu der damals öffentlich genannten Summe von 2,5 Millionen Euro nicht zu realisieren sei, sagte der Architekt. Bei Baubeginn vor gut zwei Jahren hätten die Kosten weitgehend auf dem Tisch gelegen.

Der Sprecher des bischöflichen Vermögensverwaltungsrats im Limburg, Jochen Riebel, hatte Tebartz-van Elst wiederholt als Lügner bezeichnet. Er bestätigte Medienberichte, wonach der Bischof intern gesagt haben soll, die immensen Kosten für seine Residenz dürften niemals öffentlich werden.

Tebartz-van Elst steht in der Kritik, weil die Kosten für den Bau des Bischofssitzes in Limburg auf mindestens 31 Millionen Euro gestiegen sind. Ursprünglich waren 5,5 Millionen Euro veranschlagt. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" könnten die Gesamtkosten sogar auf bis zu 40 Millionen Euro klettern. Die Limburger Stadtverwaltung rechne wegen der durch den Umbau entstandenen Schäden an angrenzenden Straßen und Häuserfassaden mit weiteren Folgekosten.

mehr bei dradio.de:

Interview mit dem Theologen Eugen Drewermann: "Eine Absetzung von Tebartz-van Elst würde das Strukturproblem der Kirche aber nicht lösen." (Deutschlandfunk Informationen am Morgen)

Wir machen "Medienüberdreh" nicht mit - Bernd Hagenkord von Radio Vatikan distanziert sich von Pressespekulationen über Limburger Bischof (Deutschlandfunk Interview)

 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Sprechstunde

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

US-Präsidentschaftswahl"Über Gerechtigkeit muss auch in Deutschland gesprochen werden"

Knut Fleckenstein, EU-Abgeordneter der SPD (picture alliance/dpa/Markus Scholz)

Dem unterlegenen Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten, Bernie Sanders, sei es gelungen, die Gräben in der Partei zuzuschütten, sagte Knut Fleckenstein (SPD) im DLF. Auch die SPD brauche so einen charismatischen Politiker.

Bittere ErfahrungenWas die USA über Amokläufe wissen

Polizisten am Tatort der Columbine High School (dpa/picture alliance/Mark Leffingwell)

In keinem Land gibt es so viele Amokläufe und Massen-Tötungen wie in den USA. Und nach jeder Tat gibt es eine neue Debatte, was man dagegen tun kann. Allerdings sucht die Wissenschaft noch immer nach einer klaren Antwort.

FlüchtlingspolitikEs fehlt "Common Sense"!

Integrationskurs in Hannover (dpa / picture-alliance / Julian Stratenschulte)

Die Skeptiker profitieren davon, dass Migration und Integration kontrovers diskutiert werden: Das meint der Unternehmensethiker Erik von Grawert-May, denn die Gesellschaft habe jenen "Common Sense" verloren, der bei früheren Bevölkerungswanderungen hilfreich gewesen sei.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Demokraten  Sanders ruft zur Wahl von Clinton auf | mehr

Kulturnachrichten

Großer Applaus für Laufenbergs "Parsifal" in Bayreuth  | mehr

Wissensnachrichten

Anti-Ransomware-Programm  Europol gegen Netz-Erpressungen | mehr