Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papst gedenkt der Holocaust-Opfer

Oberhaupt der katholischen Kirche ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Papst Benedikt XVI. in der Gedenkstätte Yad Vashem.
Papst Benedikt XVI. in der Gedenkstätte Yad Vashem. (AP)

Papst Benedikt XVI. hat die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem besucht und der rund sechs Millionen ermordeten Juden gedacht. Die Leiden der Opfer dürften niemals geleugnet, in Misskredit gebracht oder vergessen werden, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Antisemitismus müsse entschlossen bekämpft werden.

Zuvor hatte Benedikt die ewige Flamme in der Halle der Erinnerung neu entzündet und einen Kranz für die Opfer niedergelegt. Der Leiter der Gedenkstätte, Rabbi Meir Lau, äußerte sich enttäuscht über die Rede des Papstes. Dieser habe die Deutschen und die Nationalsozialisten als Verantwortliche für die Schoah nicht genannt. Zudem habe er es an deutlichen Worten zu der Pius-Bruderschaft fehlen lassen und deren Mitglied Richard Williamson, der den Holocaust leugnet und dennoch in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren soll.

Bei einem Treffen mit Staatspräsident Shimon Peres forderte Benedikt Israel auf, die Rechte aller Bewohner des Landes zu schützen. Peres würdigte den Besuch als Beitrag zur Verständigung zwischen den Religionen.

Der israelische Präsident Schimon Peres begrüßt Papst Benedikt XVI. auf dem Flugfeld des Ben-Gurion-Flughafens in Tel AvivDer israelische Präsident Schimon Peres begrüßt Papst Benedikt XVI. auf dem Flugfeld des Ben-Gurion-Flughafens in Tel Aviv (AP)Bereits bei seiner Ankunft in Israel rief der Papst zum Kampf gegen Judenfeindlichkeit in aller Welt auf. Der Antisemitismus erhebe noch in vielen Teilen der Welt sein hässliches Haupt, sagte der Papst bei der Begrüßungszeremonie auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Dagegen müsse mit aller Kraft vorgegangen werden. Im Hinblick auf den Nahost-Konflikt sprach sich das Oberhaupt der Katholischen Kirche für eine Zwei-Staaten-Lösung aus.

Der israelische Präsident Schimon Peres, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie zahlreiche weitere politische und religiöse Würdenträger empfingen den Papst auf dem Rollfeld des Flughafens.

Christian Weisner, Initiator des katholischen Vereins "Wir sind Kirche", hofft, dass der Papstbesuch in Israel ohne einen Eklat zu Ende gehen wird. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stünde er dem interreligiösen Dialog skeptischer gegenüber. Nach der Debatte um die Pius-Bruderschaft sei seine Verurteilung jeglicher Form von Antisemitismus unablässlich, betonte Weisner.

Erzbischof Zollitsch: Papst-Reise ist "gut vorbereitet worden"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte im Deutschlandfunk, der Papst werde die richtigen Worte für die furchtbaren Verbrechen finden und sich zugleich darum bemühen, mit den Juden gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Zur Rolle von Papst Pius XII. im Dritten Reich erklärte Zollitsch, er glaube nicht, dass sich Benedikt XVI. auf solche speziellen Fragen einlassen werde.

Beim Besuch des Papstes steht nach Ansicht des Journalisten Sebastian Engelbrecht viel auf dem Spiel. Das Verhältnis der Katholischen Kirche zum Judentum ist durch eine Reihe von Affären stark belastet. Die entscheidende Frage werde sein, wie und ob der Papst hier wieder einiges gutmachen kann.

Sein Besuch schürt Erwartungen aller Religionsgruppen. Rund 200.000 Christen leben in Israel und den palästinensischen Gebieten. Die päpstliche Visite dürfte für Benedikt XVI. die wohl schwierigste seit Beginn seines Pontifikats sein.

Am Sonntag hatte der Papst zum Auftakt seiner Nahost-Reise in Jordanien für einen Dialog zwischen Christen und Muslimen geworben. Auch Christen und Juden sollten zusammen für den Frieden in der Welt wirken, erklärte das römisch-katholische Kirchenoberhaupt vor rund 10.000 Gläubigen in der Hauptstadt Amman.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Dortmunder StadtratRechte Belastung

Bürger halten in Dortmund (Nordhein-Westfalen) vor dem Rathaus während einer Demonstration Schilder gegen Rechtsextremismus hoch.

Die Dortmunder Partei Die Rechte hat mit einer Anfrage nach Anzahl und Wohnort der in der Stadt lebenden Juden für Empörung gesorgt. Rechtsextreme sind im Dortmunder Rathaus jedoch nichts Neues. Lange hat die Stadt das Problem ignoriert. Nun wird sie aktiv - und auch der Verfassungsschutz hat die Parteimitglieder im Blick.

ItalienStaatsgewalt unter Beschuss

Italiens ehemaliger Premier Silvio Berlusconi bei einer Gerichtsverhandlung in Neapel im Juni 2014.

Der Zustand der Justiz in Italien ist desolat. Das öffentliche Ansehen hat in der Ära von Silvio Berlusconi nachhaltig gelitten, Strafen werden häufig nicht vollstreckt und einige Richter stehen unter dem permanenten Druck der Mafia. Umfragen zufolge hat nicht einmal die Hälfte der Italiener Vertrauen in die Justiz.

JerusalemAlltag zwischen Attentaten

Ständig ist Jerusalem in den Medien: Berichte über Attentate und anhaltende Konflikte beherrschen dabei das Bild. Dabei ist Jerusalem mehr als das Zentrum des Konflikts zwischen Juden und Palästinensern. Wie lebt es sich in der Stadt, die sowohl für Christen, Juden als auch Muslime eine große religiöse Bedeutung hat?

Ausstellung in BerlinNichts Neues von der RAF

Zwei Männer lesen am 2. Juni 1978 Handzettel der Polizei, mit denen nach RAF-Terroristen gefahndet wird.

Die RAF-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin gefällt dem früheren Innenminister Gerhart Baum (FDP) nicht. Sie bleibe bruchstückhaft und zeige nicht die gesellschaftlichen Zusammenhänge, kritisiert Baum.

Homosexualität und IslamSchwierige Annäherung

Die türkische Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Berlin.

Der Berliner Moscheeverein hat ein geplantes Treffen von Homosexuellen in einer Moschee abgesagt - der Druck in türkischen Medien war zu hoch. Stattdessen wird jetzt debattiert.

Gaza-HilfsaktionEin Rollstuhl für Abeer

Abeer in Gaza hat einen neuen E-Rollstuhl

Ein gute Nachricht: Nach einem Beitrag über Abeer aus dem Gazastreifen, die an der Glasknochen-Krankheit leidet, konnte mithilfe von DLF-Hörern Ersatz für ihren zerstörten Rollstuhl organisiert werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Koalitions-Spitzen einigen sich  beim Thema Frauenquote | mehr

Kulturnachrichten

Nach langer Krankheit:  Amerikanischer Fotograf Lewis Baltz in Paris gestorben | mehr

Wissensnachrichten

Luftverschmutzung  Industrie-Qualm verursacht Milliarden-Schaden | mehr