Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papst gibt Tebartz-van Elst eine Auszeit

Generalvikar übernimmt vorübergehend die Amtsgeschäfte

Bischof Tebartz-van Elst in Limburg (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Bischof Tebartz-van Elst in Limburg (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Der Heilige Stuhl hat eine Entscheidung getroffen: Papst Franziskus belässt den umstrittenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst zunächst im Amt. Allerdings soll ein enger Vertrauter des Bischofs vorübergehend die Geschäfte führen.

<p>Tebartz-van Elst werde bis zum Abschluss der Überprüfung der Vorwürfe gegen ihn eine Zeit außerhalb der Diözese verbringen, hieß es <papaya:link href="http://press.vatican.va/content/salastampa/de/bollettino/pubblico/2013/10/23/0686/01541.html" text="in der offiziellen Mitteilung" title="PRESSEMITTEILUNG DES HEILIGEN STUHLS HINSICHTLICH DER DIÖZESE LIMBURG (DEUTSCHLAND), 23.10.2013" target="_blank" />des Vatikans weiter. Tebartz-van Elst könne "seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben". Nach der Auszeit könnte der Bischof möglicherweise zurückkehren. Ganz sicher scheint das noch nicht. <br /><br />Was die Entscheidung des Papstes kirchenrechtlich genau bedeutet, ist selbst Experten nicht ganz klar. Aus der Pressemitteilung geht nämlich nicht hervor, auf welchen Teil des Kirchenrechts sich der Vatikan beruft. Klar ist lediglich, Papst Franziskus setzte mit sofortiger Wirkung den bisherigen Wiesbadener Stadtdekan Wolfgang Rösch als neuen Generalvikar ins Amt; eigentlich sollte Rösch erst zum 1. Januar 2014 antreten. Laut Vatikan wird Rösch die Diözese Limburg während der Abwesenheit des Bischofs "im Rahmen der mit diesem Amt verbundenen Befugnisse verwalten". Zudem wurde gleich im ersten Satz der Mitteilung betont: "Der Heilige Vater ist über die Lage in der Diözese Limburg zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden."<br /><br /></p><p><strong>Deutsche Bischöfe erleichtert</strong></p><p>Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, begrüßte die Entscheidung von Papst Franziskus. Damit werde eine sorgfältige Prüfung aller Vorgänge ermöglicht, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="266119" text="sagte Glück im Deutschlandfunk" alternative_text="sagte Glück im Deutschlandfunk" />. Damit das Vertrauen zurückgewonnen werden könne, müsse es eine transparente Entscheidung geben. Auch die deutschen katholischen Bischöfe zeigten sich erleichtert. Indem Tebartz-van Elst aus der Schusslinie genommen werde, werde Raum eröffnet, "um in dieser Situation zur inneren Ruhe zurückzufinden und eine neue Gesprächsbasis zu schaffen", teilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch mit. <br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>Stille Treppe statt Beichtstuhl. <a href="https:twitter.com/search?q=%23Tebartz&src=hash">#Tebartz</a></p>— Rafael Buschmann (@Rafanelli) <a href="https:twitter.com/Rafanelli/statuses/392969344084623360">October 23, 2013</a></blockquote><br /><script async src="platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sorgte die Entscheidung aber auch frühzeitig für Hohn und Spott: "Stille Treppe statt Beichtstuhl", schrieb Rafael Buschmann. Ein Nutzer mit Namen Dr. Hans B. v. Weser meinte: "Mer lasse de Bischof in Limburg. Was sind schon 30 Millionen?" und Viktor Funk warf ein: "Tebartz - Urlaub vom Luxus". Auch in Limburg reagierten Passanten zum Teil mit Unverständnis "Ich lach mich kaputt", sagt eine Frau der Nachrichtenagentur dpa: "So will der Papst Zeit gewinnen." Eine andere Frau wird noch deutlicher: "Die Entscheidung des Papstes ist nicht in Ordnung."<br /><br /></p><p><strong>Bischof seit Wochen unter Druck</strong></p><p>Tebartz-van Elst steht seit Wochen wegen seiner Amtsführung und der mindestens 31 Millionen Euro teuren Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg in der Kritik. Außerdem droht ihm neben einem Strafbefehl wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien weiterer Ärger mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft derzeit, ob sie nach Untreue-Anzeigen gegen den Bischof ein Ermittlungsverfahren einleiten wird.<br /><br />Derzeit nimmt eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission die Kosten der Limburger Residenz unter die Lupe. Schon seit Langem brodelt es im Bistum Limburg. Bereits im März 2012 warf ein Kreis von Priestern Tebartz-van Elst einen autoritären Führungsstil vor. Im Sommer dieses Jahres reichte es dann auch der Basis: Mehr als 4000 Menschen unterzeichneten einen offenen Brief gegen die Amtsführung des Bischofs. Im Bistum Limburg, das sich auf Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, leben etwa 650 000 Katholiken.<br /><br /><br />Mehr zum Thema auf dradio.de:<br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="265415" text="Die bischöfliche Großbaustelle und der Volkszorn" alternative_text="Die bischöfliche Großbaustelle und der Volkszorn" /> - Auch im kirchlichen Bereich versagen die Verantwortlichen<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="265736" text="Kirchenvermögen: Das ist keine Geheimkasse&quot;" alternative_text="Kirchenvermögen: Das ist keine Geheimkasse&quot;" /> - Generalvikar über die Bewertung der bischöflichen Stühle<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="265737" text="Das Bistum ist in einer ganz schwierigen Situation&quot;" alternative_text="Das Bistum ist in einer ganz schwierigen Situation&quot;" /> - Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche" bemängelt Krisenkommunikation</p>
 

Letzte Änderung: 26.10.2013 23:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Psychiater Ulrich HegerlDepressionen erklären weder Terror noch Amokläufe

Polizei patrouilliert durch Ansbach. (pa/dpa/AP/Schrader)

Ein Amoklauf als "erweiterter Selbstmord"? Diese Erklärung hält der Leiter der psychiatrischen Uniklinik in Leipzig, Ulrich Hegerl, für falsch: "Depressionen führen nicht dazu, dass man aggressiv gegen andere wird."

StudieDer Satanismus und die Rockmusik

Black Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne bei einem Konzert der Band in Budapest. (picture alliance / dpa / EPA / Balazs Mohai)

Black Sabbath, Motörhead, Slayer - vielen Metal-Bands wird ein Hang zum Satanismus nachgesagt. Doch dahinter stecke eigentlich eine altbekannt theologische Frage: Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu? Das hat der katholische Theologe Manuel Raabe herausgefunden. 

LebensläufeVon Hochstaplern lernen

Ein Mann aus Ratingen muss sich mal wieder wegen Betrügereien vor Gericht verantworten: Der 28-Jährige saß schon über drei Jahre in Haft. Unter anderem hat er sich als Banker, als Neurologe und als Pilot ausgegeben, um sich ein schönes Leben zu ergaunern. Das ist natürlich kriminell und das wollen wir keinem nahelegen. Doch das kreative Schwindeln hat auch positive Effekte.

US-Präsidentschaftswahl"Über Gerechtigkeit muss auch in Deutschland gesprochen werden"

Knut Fleckenstein, EU-Abgeordneter der SPD (picture alliance/dpa/Markus Scholz)

Dem unterlegenen Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten, Bernie Sanders, sei es gelungen, die Gräben in der Partei zuzuschütten, sagte Knut Fleckenstein (SPD) im DLF. Auch die SPD brauche so einen charismatischen Politiker.

Bittere ErfahrungenWas die USA über Amokläufe wissen

Polizisten am Tatort der Columbine High School (dpa/picture alliance/Mark Leffingwell)

In keinem Land gibt es so viele Amokläufe und Massen-Tötungen wie in den USA. Und nach jeder Tat gibt es eine neue Debatte, was man dagegen tun kann. Allerdings sucht die Wissenschaft noch immer nach einer klaren Antwort.

FlüchtlingspolitikEs fehlt "Common Sense"!

Integrationskurs in Hannover (dpa / picture-alliance / Julian Stratenschulte)

Die Skeptiker profitieren davon, dass Migration und Integration kontrovers diskutiert werden: Das meint der Unternehmensethiker Erik von Grawert-May, denn die Gesellschaft habe jenen "Common Sense" verloren, der bei früheren Bevölkerungswanderungen hilfreich gewesen sei.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Frankreich  IS reklamiert Terroranschlag auf Kirche für sich | mehr

Kulturnachrichten

Sachsen unterliegt im Rechtsstreit mit Opernintendant Dorny  | mehr

Wissensnachrichten

Südeeinsel Tonga  Statt Sonnen lieber Skifahren bei Olympia | mehr