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Papst rüttelt an Sexualmoral der Kirche

Franziskus bittet um Barmherzigkeit für Homosexuelle und Geschiedene

Papst Franziskus in der Sixtinischen Kapelle (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)
Papst Franziskus in der Sixtinischen Kapelle (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Papst Franziskus hat von der Kirche gefordert, Homosexuelle und Geschiedene mit Barmherzigkeit zu behandeln. Es dürfe keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben. Man müsse aber auch nicht endlos über die umstrittenen Ansichten reden.

Wieder spricht Papst Franziskus offene Worte. Er kritisiert die starre Sexualmoral der katholischen Kirche. Das Kirchenoberhaupt mahnt aber auch, sich darauf nicht zu fixieren. "Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht." Der Papst sieht die Notwendigkeit nach einer Grunderneuerung, "sonst fällt auch das moralische Gebäude der Kirche wie ein Kartenhaus zusammen".

Die Äußerungen stammen aus einem ersten ausführlichen Papstporträt, das Jesuitenmagazine diese Woche weltweit veröffentlichten, darunter die Münchner "Stimmen der Zeit". Der Autor notiert, er sei "betroffen von der Schlichtheit der Ausstattung" gewesen. "Es gibt wenige Bücher, wenig Papier, wenige Kunstgegenstände." In diesem minimalistischen Ambiente rüttelt der Papst am moralischen Grundgerüst der katholischen Kirche, ihrem Selbstverständnis als Wächter gesellschaftlicher Werte.

Keine Verurteilung

"In Buenos Aires habe ich Briefe von homosexuellen Personen erhalten, die ‚soziale Wunden‘ sind, denn sie fühlten sich immer von der Kirche verurteilt", sagte der Papst. "Aber das will die Kirche nicht. Auf dem Rückflug von Rio de Janeiro habe ich gesagt, wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt." Franziskus stellt klar: "Es darf keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben". Die Kirche müsse Homosexuelle wie Geschiedene mit "Barmherzigkeit begleiten".

Die Kirche müsse zuallererst die "Wunden heilen und die Herzen der Gläubigen erwärmen". Der Papst warb auch um Gnade für "die Frau, deren Ehe gescheitert ist, in der sie auch abgetrieben hat", und nun wahre Reue zeige. Franziskus betonte, dass die katholische Kirche ihre offizielle Haltung nicht geändert habe. Sie müsse Homosexuelle und Geschiedene aber begleiten und "nach ihren Lebensbedingungen" beurteilen. "Man muss immer die Person anschauen. Wir treten hier in das Geheimnis der Person ein."

Franziskus mahnte zugleich: "Wir können uns nicht nur mit der Frage um die Abtreibung befassen, mit homosexuellen Ehen, mit der Verhütungsmethoden. Das geht nicht."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

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