Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papst wirbt für Dialog mit dem Islam

Benedikt XVI. beginnt Besuch in der Türkei

Papst Benedikt XVI. nach seiner Ankunft in Ankara, im Hintergrund rechts: Ministerpräsident Erdogan. (AP)
Papst Benedikt XVI. nach seiner Ankunft in Ankara, im Hintergrund rechts: Ministerpräsident Erdogan. (AP)

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat Papst Benedikt XVI. am Dienstag seinen mit Spannung erwarteten Besuch in der Türkei begonnen. Das katholische Kirchenoberhaupt traf am Mittag in der Hauptstadt Ankara ein und wurde von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in einer ungewöhnlichen Geste direkt am Ausgang des Flugzeugs begrüßt. In einem anschließenden Gespräch sicherte der Papst der Türkei nach Angaben Erdogans Unterstützung für einen EU-Beitritt zu. Danach legte Benedikt XVI. einen Kranz im Mausoleum des Staatsgründers Kemal Atatürk nieder.

Bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Amts für Religionsangelegenheiten, Ali Bardakoglu, sagte Benedikt XVI.: "Christen und Muslime gehören zur Familie derer, die an den einen Gott glauben." Der beste Weg voranzukommen, sei ein "authentischer Dialog". Dieser müsse auf dem Glauben basieren und vom ehrlichen Wunsch geleitet sein, einander besser kennen zu lernen, Unterschiede zu respektieren und Gemeinsamkeiten zu erkennen. Zugleich betonte der Papst, Religionsfreiheit müsse sowohl institutionell garantiert als auch in der Praxis respektiert werden.

Erdogan sagte nach dem Gespräch mit dem Pontifex: "Ich habe ihm gesagt, dass der Islam eine Religion des Friedens, der Toleranz und der Liebe ist. Und ich habe gesehen, dass er diese Auffassung teilt." Vor der Ankunft des Papstes hatte der Ministerpräsident die Reise Benedikts als Beitrag zum Weltfrieden gewürdigt und versichert, dass das türkische Volk dem Oberhaupt der Katholiken seine Gastfreundschaft zeigen werde. Die Organisatoren der jüngsten gegen den Papstbesuch gerichteten Proteste bezeichnete der türkische Regierungschef als "Randgruppe, die eine enge Sichtweise hat". Ursprünglich sollte Erdogan den Papst nicht treffen. Die Begegnung war am Montag noch kurzfristig angekündigt worden.

Papst gab sich vor Abreise zuversichtlich

Vor seiner Abreise hatte der Pontifex sich zuversichtlich über den Erfolg seines Besuchs geäußert. Das Ziel seiner Reise sei, "das Verständnis und den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern", sagte er. Gegen den Besuch des Papstes hatte es massive Proteste in der Türkei gegeben. Benedikt XVI. hatte im September einen mittelalterlichen Kaiser mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht. Offenbar als Zeichen seines Dialogwillens mit dem Islam wird Benedikt XVI. am Donnerstag auch die Blaue Moschee in Istanbul besuchen.

Der Islam-Wissenschaftler Hans-Peter Raddatz steht den Bemühungen der katholischen Kirche um einen Dialog mit den Muslimen skeptisch gegenüber. Bei den religiösen Führern in der Türkei gebe es eine "eine weit verbreitete Phobie" vor einem "vernünftigen, vor einem emanzipierten und kompetenten Dialog", sagte Raddatz im Deutschlandfunk.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, erwartet vom Papstbesuch in der Türkei Impulse für eine Annäherung des Landes an die EU. Voraussetzung sei allerdings, dass Christen in der Türkei die gleichen Rechte wie Muslime erhielten, sagte Lehmann im Deutschlandfunk. Der Kardinal hob hervor, auch ein muslimisches Land könne Mitglied der EU werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:20 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:30 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Börsenverein des Deutschen BuchhandelsLonglist für Deutschen Buchpreis veröffentlicht

Verlagsstand auf der Frankfurter Buchmesse (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels steht fest. 20 Titel hat die Jury ausgewählt – hier zum Nachlesen.

FrankreichSarkozy will wieder Präsident werden

Nicolas Sarkozy (picture alliance/dpa/Olivier Hoslet)

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy will es noch einmal wissen: Über Vertraute aus seinem Umfeld ließ er mitteilen, dass er 2017 in den Élysée-Palast zurückkehren will. Doch er ist nicht der Einzige, der mit seiner Präsidentschaftskandidatur für Aufsehen gesorgt hat.

Aktion von Feine Sahne Fischfilet"Keine Lust, sich mit Nazis zu arrangieren"

Der Sänger Jan "Monchi" Gorkow (l.) und der Bassist Kai Irrgang von der Band Feine Sahne Fischfilet. (Imago Stock & People)

Mit Rap und Punk gegen den Rechtsruck in Mecklenburg-Vorpommern - darum geht es dem Hip-Hop-Künstler Marteria und der Band Feine Sahne Fischfilet. Im Interview verrät der Bassist Kai Irrgang Details der aktuellen Aktion gegen Nazis.

Neues Zivilschutzkonzept CDU-Politiker verteidigt mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht

Ein Bundeswehrsoldat steht am 16.11.2015 im Wartezentrum Asyl in Erding (Bayern) vor Flüchtlingen. Im Wartezentrum für Migranten in Erding übernehmen Soldaten die Erstregistrierung von neu ankommenden Menschen und helfen bei Verpflegung und Unterkunft. (picture-alliance / dpa/Armin Weigel )

Der CDU-Innenpolitiker Ansgar Heveling hat verteidigt, dass im neuen Zivilschutzkonzept auch die Möglichkeit einer Wiedereinführung der Wehrpflicht durchgespielt wird. Dies sei lediglich ein Szenario und nicht auf eine aktuelle Situation ausgerichtet, sagte er im DLF. 

Soziale Spaltung Wovon Rechtspopulisten profitieren

Farbfoto, ein alter Mann sammelt Flaschen vor einem städtischen Müllbehälter (imago/photo2000)

Im Zuge der Globalisierung fühlen sich weite Bevölkerungsschichten als Verlierer, ohne dass diese Erfahrung ernst genommen würde. Wenn man diesen Menschen zuhören würde, hätten es Rechtspopulisten schwerer, meint der Politikwissenschaftler Peter Widmann.

FrankreichDie Halsbandaffäre, die ganz Europa erregte

Undatiertes Foto zeigt das Lustschlösschen Petit Trianon im Versailler Schlosspark, das der schillernden französischen Königin Marie Antoinette als Zufluchtstätte vor dem höfischen Leben diente. (picture alliance / dpa DB / Schloss Verailles)

Der Skandal um ein Halsband und der Ärger über die Prunksucht am französischen Hof lieferte um 1780 viel Gesprächsstoff. Königin Marie Antoinette und der höchste geistliche Würdenträger waren darin verwickelt. Die Urheberin der Affäre war Madame de La Motte, die heute vor 225 Jahren starb.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erneuter Raketenstart  Japan protestiert scharf gegen Nordkorea - "Bedrohung für Frieden" | mehr

Kulturnachrichten

Brandenburger Landesmuseum für zeitgenössische Kunst  | mehr

Wissensnachrichten

Netzwelt  CCC entwickelt automatischen Abmahnbeantworter | mehr