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Papstreise mit hohem Symbolwert

Franziskus trifft afrikanische Flüchtlinge an den Toren Europas

Papst Franziskus besucht die Mittelmeerinsel Lampedusa (picture alliance / dpa / Ciro Fusco)
Papst Franziskus besucht die Mittelmeerinsel Lampedusa (picture alliance / dpa / Ciro Fusco)

Lampedusa ist ein Symbol für die Hoffnung so mancher Afrikaner auf ein besseres Leben. Aber immer wieder ertrinken Flüchtlinge beim Versuch, die Insel zu erreichen. Dorthin führte seine erste Reise den Papst. Diese Dramen seien ihm ein "Dorn im Herzen", sagte er.

2011, im Jahr der ersten Umbrüche in der arabischen Welt, landeten 60.000 Flüchtlinge aus Nordafrika auf der kleinen Insel, die 130 Kilometer südlich sizilianischen Küste liegt. 2013 waren es bislang 4000 - inzwischen weniger aus Tunesien und Libyen, sondern vornehmlich aus den Bürgerkriegsländern Eritrea und Somalia. Auch am Montag, dem Tag des Besuchs von Papst Franziskus auf Lampedusa, kamen wieder 166 Menschen in einem Boot an.

Lampedusa ist ein Symbol für die Hoffnung so mancher Afrikaner auf ein besseres Leben - und für die Schwierigkeiten der europäischen Einwanderungspolitik. Dass Papst Franziskus der kleinen Insel seine erste Reise widmet - sein Vorgänger Benedikt XVI. hatte als erstes Ziel an einem Kirchenkongress in Süditalien teilgenommen -, wird von den rund 4500 Lampedusern als wohl wichtigstes Ereignis in der Geschichte des kleinen Eilands angesehen. Intern gilt der Besuch als ein erneutes Signal des Papstes an seine Kirche, sich mehr um die Ärmsten der Armen zu kümmern.

Der Journalist Karl Hoffmann sprach im Deutschlandradio Kultur von einer glatten Kehrtwende der bisherigen vatikanischen Politik. Franziskus gehe zum ärmsten Ort mitten in Europa und mache auf einen Missstand aufmerksam, der tatsächlich zur Gewohnheit geworden sei: "Das ist ein Besuch, wie er deutlicher, dramatischer gar nicht hätte sein können."

Messe mit Flüchtlingen und Bewohnern

Bei einer Messe im Hafen von Lampedusa mahnte Franziskus "brüderliche Solidarität" mit den Flüchtlingen aus Afrika und Asien an. Er kritisierte die EU-Flüchtlingspolitik und die politischen Führungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und bat Gott um Vergebung für die "Grausamkeit in der Welt" - auch bei jenen, die über soziale oder wirtschaftliche Belange entschieden, ohne zu sehen, dass sich daraufhin Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen. Franziskus formulierte es umständlicher: Er bitte um Vergebung für die "Grausamkeit in der Welt, in uns und auch in jenen, die in der Anonymität Entscheidungen ozialer und wirtschaftlicher Natur treffen, die den Weg für Dramen wie dieses ebnen". Niemand fühle sich verantwortlich für die Schicksale der Afrikaner und die Toten. Solche Dramen seien ihm ein "Dorn im Herzen", sagte Franziskus.

Zuvor hatte der Papst von einem Patrouillenboot aus einen Kranz für die Gestorbenen ins Meer geworfen. Jährlich ertrinken offiziellen Schätzungen zufolge 1500 Menschen auf der Überfahrt über die Straße von Sizilien - meist, weil die überfüllten und schlecht ausgestatteten Boote auf offener See kentern.

Deutsche Katholiken fordern Reform der Flüchtlingspolitik

Kurzfristig war die Zahl der Migranten zurückgegangen, nachdem 2011 ein Auffanglager teilweise abgebrannt war. Daraufhin erklärte die Regierung Silvio Berlusconi Lampedusa zum "nicht sicheren Ort", ließ die Flüchtlingsschiffe auf hoher See abfangen und nach Sizilien oder ans italienische Festland umleiten. Doch auch dabei kam es immer wieder zu tragischen Vorfällen: Boote kenterten bei der Rettung und Flüchtlinge starben. Das Programm wurde gestoppt, seit Anfang des Jahres sind die Auffanglager wieder geöffnet.

In Deutschland drängte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, auf Reformen bei der europäischen Flüchtlingspolitik. 20 Jahre nach Inkrafttreten des deutschen Asylrechts zeige sich immer mehr, dass Europa enorme Anstrengungen unternehmen müsse, um den individuellen Schicksalen der Flüchtlingen gerecht zu werden, meinte Glück in Bonn. Davon hänge auch die Glaubwürdigkeit der EU als Werteunion ab.


Mehr Informationen auf dradio.de:

Lampedusa und die italienische Migrationspolitik - Regierung in Rom rechnet mit neuen Flüchtlingsströmen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

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