Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Papstwahl im Vatikan hat begonnen

Die Weltöffentlichkeit blickt auf einen Schornstein

Die Kardinäle ziehen im Petersdom im Vatikan zur Wahl-Messe
Die Kardinäle ziehen im Petersdom im Vatikan zur Wahl-Messe (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Die 115 Papstwähler sind feierlich in einer Prozession zur Sixtinischen Kapelle gezogen, um dort ein neues Kirchenoberhaupt zu bestimmen. Die Spekulationen über den künftigen Papst nehmen kein Ende - es gibt mehrere Favoriten. Mit einem Ergebnis wird am ersten Tag noch nicht gerechnet.

Knapp zwei Wochen nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat die Wahl des neuen Papstes begonnen. Der erste Urnengang gilt als Testwahl. Heute wird noch nicht mit einem Ergebnis gerechnet, wie Vatikansprecher Federico Lombardi mitteilte. Das neue Oberhaupt der katholischen Kirche muss eine Zweidrittelmehrheit von 77 Stimmen verbuchen können, um Benedikt als Oberhaupt von rund 1,2 Milliarden Katholiken nachfolgen zu können.

Sollten die Kardinäle am Dienstagnachmittag wie erwartet zunächst ergebnislos abstimmen, wird gegen 19 Uhr schwarzer Rauch aus dem Schornstein an der Sixtinischen Kapelle aufsteigen. Weißer Rauch signalisiert die Wahl eines neuen Papstes. Ab Mittwoch wollen die Kardinäle vormittags und nachmittags zu jeweils zwei Wahlgängen zusammenkommen. Die Stimmzettel sollen jeweils gegen 12.00 Uhr und gegen 19.00 Uhr verbrannt werden. Erst der weiße Rauch signalisiert das mit Spannung erwartete "Habemus papam" - Wir haben einen Papst. Beim Konklave sind die Kardinäle völlig von der Außenwelt abgeschottet. Auch in ihrer Unterkunft im Vatikan sind Fernsehen und Telefone verboten. Die Sixtinische Kapelle wurde abhörsicher gemacht.

Mehrere Favoriten

Kardinal Angelo ScolaDer Italiener Angelo Scola (dpa / picture alliance / Fabio Frustaci)Zu den Favoriten zählten in den letzten Tagen vor der Wahl der Mailänder Erzbischof Angelo Scola, der brasilianische Kardinal Odilo Pedro Scherer, aber auch der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan. Dass erneut ein deutschsprachiger Kardinal Papst werden könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Scola werden wegen des hohen Anteils italienischer Kardinäle beim Konklave gute Chancen eingeräumt. Er ist der Erzbischof von Mailand und damit Oberhaupt einer der größten Diözesen weltweit, die in der Vergangenheit als Sprungbrett für das höchste Amt der katholischen Kirche galt.

Aber auch der Kurienkardinal Peter Turkson aus Ghana wurde als aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Er wäre der erste dunkelhäutige Papst.

Italienischer Integrationsminister fordert italienischen Papst

Peter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und FriedenPeter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)Natürlich spielten Nationalität und Hautfarbe bei der Papstwahl keine Rolle, hörte man in den vergangenen Tagen immer wieder aus dem Kreis der 115 wahlberechtigten Kardinäle. Dennoch mehren sich Stimmen von Italienern, die das Papstamt - nach zwei Ausländern - wieder für einen Landsmann einfordern. "Die erste Orientierung sollte einem Italiener gelten", empfahl der italienische Integrationsminister und Sant'-Egidio-Gründer Andrea Riccardi in einem Zeitungsinterview. "Nur wenn die Suche nach einem Italiener ergebnislos wäre, sollte man in andere Richtungen suchen."

Beobachter glauben, vor dem Konklave zwei große Lager ausgemacht zu haben: Eine stärker auf Reformen ausgerichtete Gruppe, zu der neben Scola auch der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet gerechnet wird. Sie soll derzeit leicht im Vorteil gegenüber der konservativen Gruppe sein, die vor allem an der Kirchenspitze wenig ändern möchte. Zu dieser Gruppe zählt man den Italo-Argentinier Leonardo Sandri oder den Srilankesen Malcolm Ranjith.

Nach einem Patt schlug 1978 die Stunde von Karol Wojtyla

Das Nebeneinander zweier fast gleichstarker Lager erinnert an das zweite Konklave von 1978. Auch damals gab es mit Giovanni Benelli und Giuseppe Siri zwei ähnlich starke Kandidaten. Und nach einem Patt schlug die Stunde für einen "Außenseiter", den Polen Karol Wojtyla. So scheint auch jetzt ein Überraschungskandidat keinesfalls ausgeschlossen. Italienische Sonntagszeitungen nennen hier den Ungarn Peter Erdö, den Österreicher Christoph Schönborn oder den Mexikaner Francisco Robles Ortega.

Auch wenn Angelo Scola derzeit bei den Einsätzen als Kandidat führt, hat die Geschichte gezeigt, dass die abgegebenen Wetten keinesfalls den Ausgang der Papstwahl vorhersehen können. Als Kardinal Karol Wojtyla 1978 zum Papst Johannes Paul II. gewählt wurde, lag er bei den Buchmachern nicht auf den vorderen Plätzen. Und bei der Wahl von Benedikt XVI. gab es einen weiteren Favoriten neben Joseph Ratzinger, nämlich Francis Arinze aus Nigeria.

Demokratie in der Kirche

DLF-Kommentator Wolfgang Küpper beschreibt die Papstwahl als einen der wenigen demokratischen Prozesse auf höchster Eben der katholischen Kirche: "Mehr demokratische Elemente täten dem Papstamt insgesamt wahrscheinlich sehr gut. Demokratie im Sinne von mehr Austausch, Transparenz und breiterer Meinungsbildung in der Kurienverwaltung, die zur Zeit stärker denn je von Verkrustung, Lähmung und Intrigen geprägt ist."


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Herausforderungen für einen neuen Papst - Fünfteilige Serie "Baustelle Kirche"
Sanfte Gesten - Gerüchte über Seilschaften im Vatikan
Die Reise nach Rom - Die Anwärter auf den Heiligen Stuhl
"Ein hörender Papst" - Was junge Katholiken vom künftigen Kirchenoberhaupt erwarten
Hinter verschlossenen Türen - Die Geschichte des Konklaves
"Das ist für uns Vatikanbeobachter mit die spannendste Zeit" - KNA-Chefredakteur erwartet kritische Diskussion vor der Papstwahl
"Eine Mischung aus Charisma und Verwalter" - Der Theologe Rainer Kampling über den idealen Papst

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Abel Gance Zwischen Heroisierung und Anklage

Der französische Regisseur Abel Gance (r) während der Dreharbeiten zu seinem Film "Napoleon" im Jahr 1926.

Vor 125 Jahren wurde der französische Filmpionier Abel Gance geboren. Er drehte den ersten Antikriegsfilm der Geschichte, später allerdings auch ein verklärendes Epos über Napoleon. Schon damals sah er im Film "das größte Medium des menschlichen Geistes".

IndienDas Milliardengeschäft mit dem Sandraub

Eine Mann watet aus dem Wasser, auf dem Rücken trägt er einen Eimer voll Sand.

Wer baut, braucht Sand. In einem Land wie Indien mit stets wachsenden Super-Metropolen ist illegaler Sandabbau ein lukratives Geschäft. Das Geld fließt schnell. Alles, was notwendig ist, sind ein Lkw und ein paar Männer. Doch wird das zum Problem für Mensch und Umwelt. 

Milliarden-Nachzahlung"Briten wussten, was auf sie zukommt"

Monika Hohlmeier, Tochter des ehemaligen Verteidigungsministers und Ministerpräsidenten von Bayern, Franz-Josef Strauß.

Die CSU-Europapolitikerin Monika Hohlmeier hat kein Verständnis für den Unmut des britischen Premiers Cameron. Er lehnt die von der EU-Kommission geforderte Nachzahlung in Höhe von 2,1 Milliarden Euro ab. Großbritannien habe selbst jahrelang von der Regelung profitiert, sagte Hohlmeier im DLF.

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst

Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst.

Jean in HamburgEndlich angekommen

Jean kommt aus Kamerun. Von dort muss er fliehen. Wohin, ist ihm erstmal egal, Hauptsache er findet einen Platz, an dem er angenommen wird. Es beginnt eine lange, beschwerliche Reise. Bis er nach Hamburg kommt.

Homo floresiensis10 Jahre Streit um Hobbits

Peter Brown, einer der Entdecker des Homo floresiensis, fotografiert den Schädel des Fossils.

Das Jahr 2004 markiert in der Paläoanthropologie einen der größten Einschnitte, die es je in dieser Disziplin gegeben hat. Forscher hatten die Knochen einer neuen Menschenart präsentiert, die sie Homo floresiensis nannten. Die Überraschung bestand darin, dass diese Spezies in keine der gängigen Stammbaumtheorien passte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Thüringer SPD  wählt neue Führungsspitze | mehr

Kulturnachrichten

Peter Ruzicka neuer Chef  der Salzburger Osterfestspiele | mehr

Wissensnachrichten

Ello  Anti-Facebook schreibt Werbe-Verzicht fest | mehr