Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Paris wegen Mohammed-Karikatur alarmiert

Frankreich schließt Botschaften, Schulen und Kulturzentren in 20 islamischen Ländern

Frankreich fürchtet gewaltsame Angriffe im Ausland (dpa / Andreas Gebert)
Frankreich fürchtet gewaltsame Angriffe im Ausland (dpa / Andreas Gebert)

Nachdem eine französische Satirezeitschrift mehrere Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat, ist die Regierung in Paris besorgt über gewaltsame Angriffe in der islamischen Welt. Botschaften, Konsulate, Schulen und Kulturzentren in rund 20 Ländern wurden vorsorglich geschlossen. Deswegen bleibt auch die deutsche Botschaft im Sudan zu.

<p>Die islamische Welt ist wegen eines <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="220894" text="islamfeindlichen US-Films" alternative_text="islamfeindlichen US-Films" /> in Aufruhr; so wurden bei mehreren <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="221500" text="Vergeltungsanschlägen Ausländer getötet" alternative_text="Vergeltungsanschlägen Ausländer getötet" /> und Botschaften wie die der Bundesrepublik Deutschland in Brand gesetzt. Inmitten dieser aufgeladenen Stimmung hat die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" eine ganze Reihe von Karikaturen des islamischen Religionsstifters Mohammed abgedruckt.<br /><br />Die Regierung in Paris befürchtet nun Racheakte: Aus Angst vor Ausschreitungen werden französische Einrichtungen wie Botschaften, Konsulate, Kulturinstitutionen und Schulen in insgesamt 20 islamischen Ländern am Freitag geschlossen. In arabischen Ländern sind Demonstrationen nach den traditionellen Freitagsgebeten häufig besonders heftig. Das Außenministerium nannte es nicht "intelligent" von den Verantwortlichen der Zeitschrift, angesichts der angespannten Lage "Öl ins Feuer zu gießen".<br /><br />In Frankreich ist die Lage ohnehin angespannt. Die Regierung hat bereits Demonstrationen gegen das islamfeindliche US-Video und vor der US-Botschaft in Paris verboten. Es gebe keinen Grund, Konflikte zuzulassen, die mit dem eigenen Land nichts zu tun hätten, erklärte Premierminister Jean-Marc Ayrault. Der französische Rat der Muslime erklärte seine tiefe Bestürzung. Der Rat sei besorgt, dieser "unverantwortliche Akt" könne neue Spannungen schüren und rief dazu auf, besonnen zu reagieren.<br /><br /></p><p><strong>Online-Auftritt des Satire-Magazins nicht erreichbar</strong></p><p><papaya:media src="28484f762c77c303118d0097fc3a2ee9" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Mohammed-Karrikatur der französischen Satireschrift &quot;Charlie Hebdo&quot; im Jahr 2011" popup="yes" />Der Internetauftritt des Satire-Magazins ist derzeit nicht erreichbar. Bisher ist unklar, ob die Webseite von radikalen Islamisten lahmgelegt oder vom Netz genommen wurde. Auf der Titelseite der Zeitschrift ist ein gebrechlicher Mann mit Turban in einem Rollstuhl zu sehen, der von einem Mann jüdischen Aussehens geschoben wird. "Man darf sich nicht lustig machen", wird den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber prangt der Titel "Intouchables 2". Der französische Film "Intouchables" ("Ziemlich beste Freunde") geht für Frankreich ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Das Satiremagazin hatte ähnliche Karikaturen bereits im November 2011 veröffentlich. Danach war es zu massiven Protesten gekommen, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="56249" text="Redaktionsräume wurden zerstört" alternative_text="Redaktionsräume wurden zerstört" />.<br /><br />Die Zeichnungen seien nicht provozierender als gewöhnlich, rechtfertigte der verantwortliche Redakteur Stéphane Charbonnier die neuerlichen Veröffentlichungen. Die Karikaturen würden nur diejenigen schockieren, die schockiert sein wollten. Zugleich verwies er auf die Pressefreiheit. "Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt." Die Polizei sichert derzeit das Redaktionsgebäude aus Angst vor Ausschreitungen.<br /><br /></p><p><strong>Westerwelle mahnt zu religiöser Rücksichtnahme</strong></p><p>Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte, auf religiöse Gefühle in der islamischen Welt Rücksicht zu nehmen. "Ich rufe alle auf, gerade auch solche, die sich auf ihre Meinungsfreiheit zu Recht berufen, auch verantwortlich zu handeln. Nicht der ist der größere Freigeist, der jetzt auch noch absichtlich und mit erkennbarer Wirkung Öl ins Feuer gießen will."<br /><br /><papaya:media src="dc511ac41d4c76c60a53aa0203bbcaa3" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Protest in Kairo gegen das Mohammed-Video" popup="yes" />Mohammed-Karikaturen hatten schon mehrfach <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="199726" text="gewaltsame Proteste in der islamischen Welt" alternative_text="gewaltsame Proteste in der islamischen Welt" /> ausgelöst: <LI_1729049>2005 veröffentlichte die dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" Karikaturen des Propheten<LI_1729049> und löste damit in der muslimischen Welt eine Welle der Empörung aus. Wenige Monate nach der Veröffentlichung mussten wegen einer Bombendrohung mehrere Redaktionsbüros geräumt werden, Mitarbeiter der Zeitung erhielten mehrfach Morddrohungen.</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Musik-Panorama

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Enttäuschung in der SPD-Hochburg Duisburg"Erschütternd"

Eine Frau trägt am am 25.09.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) nach der Bundestagswahl ein abgehängtes SPD-Wahlplakat mit Spitzenkandidat Schulz zu ihrem Auto.  (picture-alliance / dpa / Sebastian Gollnow)

Die SPD hat bei der Bundestagswahl ihr historisch schlechtestes Ergebnis eingefahren: 20 Prozent. Selbst in ihrer Hochburg Duisburg verzeichnen die Sozialdemokraten Verluste. Als die ersten Hochrechnungen kommen, herrscht hier Ratlosigkeit.

AfD-Fraktion zerlegt sichWem tut Jamaika am meisten weh?

Die AfD-Politiker Frauke Petry (von links), Jörg Meuthen, Alexander Gauland und Alice Weidel in der Bundespressekonferenz in Berlin (picture alliance/ dpa/ Julian Stratenschulte)

Tag eins nach der Bundestagswahl - und schon zerlegt sich die AfD. Welche Strategie steckt hinter Frauke Petrys Abschied aus der Fraktion? Außerdem: Wem würde ein Jamaika-Bündnis mehr weh tun. Den Grünen oder der CSU?

Matthias Lilienthal zur Besetzung der Volksbühne"Beide Seiten wollen dasselbe"

"Doch Kunst" steht am 22.09.2017 in Berlin auf dem Transparent an der Volksbühne. Aktivisten haben das Gebäude am Nachmittag besetzt, protestieren so gegen den neuen Intendanten Chris Dercon. Die Protestierenden bezeichnen ihre Aktion als Performance. (picture alliance / Paul Zinken / dpa)

Besetzer und Management der Volksbühne sollten aufeinander zugehen und einen vernünftigen Kompromiss suchen, meint der frühere Chefdramaturg der Volksbühne, Matthias Lilienthal, denn: "Eigentlich wollen sie dasselbe. Vielleicht haben sie es noch nicht ganz gemerkt."

BundestagswahlRekord-Bundestag mit 709 Abgeordneten

Innenansicht der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin mit Besuchern (dpa / picture-alliance / Ralf Hirschberger)

Der neue Bundestag wird so groß wie noch nie. Das geht aus dem vorläufigen Ergebnis hervor, das der Bundeswahlleiter am frühen Morgen bekannt gegeben hat. Die Parteien der großen Koalition haben massiv Stimmen verloren, die AfD ist drittstärkste Kraft. Merkel kann Kanzlerin bleiben - die Koalitionsverhandlungen dürften aber schwierig werden.

Herfried Münkler zum Wahlergebnis"Angst ist ein sehr gefährlicher Ratgeber"

Ein Gegendemonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift "Habt keine Angst!" in der Hand am 12.09.2017 auf dem Holzmarkt in Jena (Thüringen) am Rande einer Wahlkampfveranstaltung der AfD. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Die AfD ist zweistellig in den Bundestag eingezogen. Doch jetzt in Angststarre zu verfallen oder gar zu versuchen, sich inhaltlich anzunähern, sei der falsche Weg, sagt Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Die AfD müsse politisch bekämpft werden.

Nach der Bundestagswahl Alle Demokraten sind herausgefordert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 24.09.2017 in Berlin in der Parteizentrale der CDU auf der Bühne. Merkel reagierte bei der Wahlparty der CDU auf die Veröffentlichung der Hochrechnungen zum Ausgang der Bundestagswahl 2017.  (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

Der Einzug der AfD in den deutschen Bundestag fordere alle Demokraten heraus, kommentiert Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Das Parlament werde mit Abgeordneten umgehen müssen, die rassistische Parolen nicht scheuen. In dieser Situation sei der künftige Bundestagspräsident besonders gefordert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jamaika-Koalition?  FDP und Grüne zurückhaltend | mehr

Kulturnachrichten

Stadt Kassel stimmt Bürgschaft für die documenta zu | mehr

 

| mehr