Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Pentagon ist "annähernd sicher", dass Nordkorea Atomsprengköpfe besitzt

US-Außenminister Kerry in Seoul

Kim Jong-Un umgeben von Militärs (picture alliance / dpa / EPA / KCNA)
Kim Jong-Un umgeben von Militärs (picture alliance / dpa / EPA / KCNA)

Die internationale Gemeinschaft sorgt sich um den Frieden zwischen Nord- und Südkorea. US-Außenminister John Kerry spricht mit der Regierung in Seoul über die Krise. Unterdessen wird über das Nuklearprogramm des Nordens spekuliert.

Bei einer Anhörung im Kongress hatte ein Abgeordneter der Republikaner aus einem geheimen Pentagon-Papier zitiert. Es wurde vom vom Militärgeheimdienst DIA geschrieben. Darin heißt es, man sei sich "annähernd sicher", dass Nordkorea Atomsprengköpfe besitze, die mit ballistischen Rakten verschossen werden könnten.

Der Bericht wurde allerdings umgehend von verschiedenen Seiten angezweifelt und relativiert. Es handle sich hierbei lediglich um die Einschätzung einer einzigen Abteilung, sagte ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter. Nordkorea habe in Tests keineswegs all die Fähigkeiten gezeigt, die für eine solche Waffe nötig seien. Außerdem seien bislang nur Auszüge aus dem DIA-Papier an die Öffentlichkeit geraten. Der Bericht sei eigentlich nur für den internen Dienstgebrauch gedacht.

Raketenabschuss bei einer Militärübung in Nordkorea (picture alliance / dpa / Kcna)Raketenabschuss bei einer Militärübung in Nordkorea (picture alliance / dpa / Kcna)Auch in Südkorea wurde das Papier angezweifelt. Das Verteidigungsministerium in Seoul teilte mit, man gehe nicht davon aus, dass der Norden das nötige Know-How habe, um eine Atomrakete zu bestücken und abzufeuern.

Obama ruft zur Mäßigung auf

Dennoch, so berichtet Deutschlandfunk-Korrespondent Martin Ganslmeier am Ende seines Berichts, verfestigt sich in den US-Medien der Eindruck, dass das kommunistische Nordkorea in seinem Atomwaffenprogramm Fortschritte macht. Nicht zuletzt deshalb rief auch US-Präsident Barack Obama in Washington das Regime von Kim Jong-Un zur Mäßigung auf. Niemand wolle einen Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel. Aber Nordkorea müsse sich an die grundlegenden internationalen Regeln halten, sagte Obama bei einem Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon.

Senator John Kerry soll die Nachfolge von Hillary Clinton antreten (picture alliance / dpa / Shawn Thew)US-Außenminister John Kerry (picture alliance / dpa / Shawn Thew)

Kerry in Südkorea

In der südkoreanischen Hauptstadt spricht der US-Außenminister John Kerry derzeit mit seinem Amtskollegen Yun Byung Se über den Konflikt mit dem Norden. Im Anschluss reist Kerry weiter nach Peking und Tokio. Japan und China sind von der Krise ebenfalls betroffen. Die USA wünschen sich, dass China als letzter Verbündeter Nordkoreas die Führung in Pjöngjang zum Einlenken bringt. Japan dagegen gehört zu den Lieblingsfeinden des Landes und sieht sich durch das nordkoreanische Raketenprogramm unmittelbar bedroht.

Gestern hatten sich bereits die Außenminister der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands darauf geeinigt, den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. US-Präsident Barack Obama rief das Regime von Kim Jong-Un zur Mäßigung auf. Niemand wolle einen Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel. Aber Nordkorea müsse sich an die grundlegenden internationalen Regeln halten.

Korea stationiert Mittelstreckenraketen

Seitdem Nordkorea im Februar zum dritten Mal seine Atomwaffen getestet hat, ist die Lage auf der Halbinsel sehr angespannt. Während die Vereinten Nationen ihre Sanktionen gegen das Land ausweiteten, hat die Führung in Pjöngjang den Waffenstillstand mit dem Süden gekündigt, die gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong geschlossen und den USA mit einem präventiven Erstschlag gedroht.

Außerdem wurden in den letzten Tagen fünf nordkoreanische Mittelstreckenraketen an der Ostküste des Landes stationiert. Die USA und Südkorea gehen davon aus, dass sie für einen Test gestartet werden sollen. Damit wolle Nordkorea beweisen, dass es die US-Militärbasen auf der Pazifikinsel Guam erreichen könne. Beide Staaten glauben allerdings, dass diese Raketen konventionell bestückt sind.

Die USA, Japan und Südkorea haben ihre Verteidigungsbereitschaft erhöht, und ihre Raketenabwehrsysteme, Radarstationen und Zerstörer in Stellung gebracht. Beobachter gehen davon aus, dass das Kriegstheater auch zu den Vorbereitungen zum 101. Geburtstag des nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il-Sung am 15. April gehört und dass es –quasi als Geburtstagsgeschenk an den Großvater des jetzigen Regierungschefs – in den nächsten Tagen einen Raketenstart gibt.

mehr auf dradio.de...

Drohungen aus Nordkorea - Politologin Lee über das Säbelrasseln
Eun-Jeung Lee im Gespräch mit Joachim Scholl
Nordkorea droht USA erneut mit Atomschlag - Scharfe Kriegsrhetorik beunruhigt UNO und EU
"Es gibt keine Nordkorea-Spezialisten - Einschätzung der Lage im Land äußerst schwierig
Hannes Heer im Gespräch mit Gabi Wuttke

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Konzertdokument der Woche

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Festival

Aus unseren drei Programmen

Verhältnis zwischen AfD und Christen"Das Christentum in Geiselhaft genommen"

Ein Mann mit einem AfD Poloshirt und einer Kette mit Kreuz um den Hals. (imago  /Jens Jeske)

Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch "Alternative für Christen?" und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Sommerreihe: Die Qual der Wahl"Heute ist es ohne Weiteres möglich, nicht gläubig zu sein"

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)

Wer heute gläubig sei, sei sich dessen voll bewusst, dass er oder sie genauso gut auch nicht gläubig sein könnte, meint der Sozialphilosoph Hans Joas. In die Attraktivität von Religionsgemeinschaften fließe auch immer ein, wie sie sich zu zentralen politischen Fragen wie sozialer Ungleichheit stellten.

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Der Fall Doğan Akhanlı Ein Missbrauch internationaler Verträge

Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Tempodrom in Berlin. Der Premier sprach 2014 vor tausenden Anhängern auf der von den European Turkish Democrats (UETD) organisierten Veranstaltung. (imago - Christian Mang)

Der eigentliche Grund für die Festnahme des türkischstämmigen Schriftstellers Doğan Akhanlı in Spanien dürfte dessen Beschäftigung mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern sein, meint Kemal Hür. Dass der türkische Präsident Erdoğan aber inzwischen so weit gehe, Kritiker auch im europäischen Ausland zu verfolgen, sei ein Skandal.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Comedy-Legende  Jerry Lewis im Alter von 91 Jahren gestorben | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller Akhanli kommt unter Auflagen frei  | mehr

 

| mehr