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Piratenpartei auf Höhenflug

Umfrage sieht Neulinge bundesweit bei 12 Prozent

Piratenpartei segelt auf Erfolgswelle (dpa / Bodo Marks)
Piratenpartei segelt auf Erfolgswelle (dpa / Bodo Marks)

Volle Fahrt voraus: Meinungsforscher sehen die Piratenpartei auf einem Höhenflug. In der aktuellen Sonntagsfrage von Forsa segeln die Politneulinge auf ihrer Erfolgswelle an der Linkspartei vorbei - und kommen den Grünen bereits gefährlich nahe.

"Eine Volkspartei im Mini-Format", so reagiert Forsa-Chef Manfred Güllner auf einen unglaublichen Erfolg für die Piratenpartei. Er hat sich wohl zwei Mal die Augen reiben müssen, als der Meinungsforscher die neuesten Zahlen für Sonntagsfrage zur Bundestagswahl sah.

Von den 2.503 bundesweit Befragten des Umfrageinstituts Forsa würden zwölf Prozent die Piratenpartei wählen, wenn am nächsten Sonntag der Bundestag gewählt würde. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch vor der Landtagswahl im Saarland. Dort schafften die Piraten auf Anhieb den Sprung in den Landtag: 7,4 Prozent bedeuten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vier Sitze im Saarbrücker Parlament.

Zulauf aus anderen Lagern

Wahl-Logo (dradio.de)Wo würden Sie Ihr Kreuz machen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären? (dradio.de)Dieser Erfolg hat die Piraten nach Einschätzung des Forsa-Chefs nun derart beflügelt, dass sie Zulauf von allen Parteien bekommt. "Dies passiert oft nach Wahlen: Verliert eine Partei, kommen bei einigen ihrer Anhänger alte Vorbehalte hoch, gewinnt sie, stabilisiert das die Wählerschaft", sagte Güllner im Stern. "Sie sind keine Klientelpartei, sondern quasi eine Volkspartei im Mini-Format."

Das Umfrage-Ergebnis ist der beste Wert für die Piraten seit ihrer Parteigründung im September 2006. Auch andere Meinungsforscher sehen die Partei im Aufwind. Emnid ermittelte acht Prozent in der Sonntagsfrage, die Forschungsgruppe Wahlen neun Prozent - jeweils ein Plus von zwei Punkten.

Während die Piratenpartei in der Forsa-Umfrage deutlich hinzugewinnt, sinkt die Zustimmung bei den anderen Parteien. Folgende geben jeweils einen Prozentpunkt ab: CDU kommt dann auf 35 Prozent, die SPD auf 25, die Grünen auf 13 und die FDP auf 3. Die Linkspartei bleibt unverändert bei 9 Prozent.

Achselzucken und Kopfschütteln

Dirk Niebel, Generalsekretär der FDP-Bundespartei (Deutschlandradio - Bettina Straub)Bundesentwicklungs-hilfeminister Dirk Niebel (FDP) wundert sich über den Erfolg der Piratenpartei (Deutschlandradio - Bettina Straub)In den etablierten Parteien herrscht seit der Saar-Wahl großes Staunen über den Kantersieg der Piraten. "Wenn ich mir angucke, welche Gratisgesellschaft hier teilweise von den Piraten gefordert wird, bedingungsloses Grundeinkommen für alle, kostenfreier Nahverkehr für alle, kostenfreies dies, kostenfreies jenes und bloß keine Rechte mehr am eigenen Gedanken zu haben, dann wundere ich mich schon manchmal, welche Politik eine Zustimmung in der Bevölkerung bekommt", sagte Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) im Deutschlandfunk.

Der CDU-Politiker Peter Altmaier - im Berliner Betrieb so etwas wie Angela Merkels Sprachrohr - räumte ein, der Erfolg der Piraten sorge für Verunsicherung bei den etablierten Parteien. "Verunsicherung ist da, niemand kann das Phänomen völlig abschätzen", sagte der Parlamentarische Geschäftführer der Unionsfraktion den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe. "Mit ihrem Einzug erschweren sie stabile Mehrheiten." Allerdings seien die "Kein-Thema-Partei" eher eine Gefahr für SPD, Grüne und Linkspartei. Der Piraten-Erfolg habe auch in der Union Eindruck hinterlassen. Niemand könne es sich leisten, Social Media mit Formaten wie Facebook oder Twitter zu ignorieren.

Kommentar von Stephan Detjen, Leiter des Hauptstadtstudios: Meister der Ungewissheit - Der erstaunliche Erfolg der Piratenpartei

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Verwandte Audiobeiträge:

Was ist neu an den Piraten - Webschau mit Martina Schulte

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

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