Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

PKK soll die Waffen niederlegen

Abdullah Öcalan spricht sich für ein Ende der Gewalt aus

Eine Kurdin in traditioneller Kleidung demonstriert für die Freilassung von Öcalan (AP)
Eine Kurdin in traditioneller Kleidung demonstriert für die Freilassung von Öcalan (AP)

Mit einem Aufruf zur Waffenruhe hat der inhaftierte kurdische Rebellenführer Abdullah Öcalan die Hoffnung auf ein Ende des jahrzehntelangen Kurdenkonflikts genährt. Es sei "Zeit, die Waffen schweigen zu lassen".

Seit Anfang der Woche hatte man in der Türkei auf die historische Erklärung des inhaftierten PKK-Chefs gewartet. Und sie ist tatsächlich historisch. Denn Öcalan hat seine Anhänger dazu aufgefordert, den Kampf um mehr Autonomie und Gleichberechtigung künftig auf politischem Wege auszutragen.

Alle Kämpfer der Rebellenbewegung sollten sich aus der Türkei in den Irak zurückziehen, heißt es in dem fünfseitigen Brief. Dies sei aber nicht das Ende des kurdischen Kampfes um mehr Freiheit, sondern der Beginn einer neuen Ära. Die Erklärung wurde von einem Mitglied der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie BDP während des kurdischen Neujahrsfestes Novruz in der Stadt Diyarbakir vor tausenden Zuhörern verlesen.

Regierungschef Erdogan sieht "positiven Ansatz"

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (picture alliance / dpa / Georg Hochmuth)Türkeis Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (picture alliance / dpa / Georg Hochmuth)Die türkische Regierung begrüßte den Aufruf zum Waffenstillstand. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "positiven Ansatz". Wenn es keine bewaffneten Aktionen von kurdischer Seite mehr gebe, werde auch die Regierung die Militäraktionen in den Kurdengebieten einstellen. Nun komme es auf die Umsetzung an. Er hoffe, dass sich die Wirkung "so schnell wie möglich" zeige. Öcalan hatte die PKK gemahnt, es sei "Zeit, die Waffen schweigen zu lassen".

"Ich glaube Öcalan hat erkannt das derzeit eine einmalige Chance besteht diesen Konflikt friedlich beizulegen", berichtet Thomas Seibert auf Deutschlandradio Kultur. Auf der einen Seite erkenne der türkische Staat Öcalan das erste Mal als Gesprächspartner der Kurden an und Öcalan möchte als Friedensvermittler in die Geschichtsbücher eingehen.

Regierung in Ankara verhandelt seit Jahren

Ankara kann die Erklärung Öcalans auch als eigenen Erfolg verbuchen. Seit seinem Amtsantritt 2002 verhandelt Erdogan mit dem Kurdenführer - auch gegen den Widerstand von türkischen Hardlinern. Wie wichtig die heutige Erklärung für die Türkei ist, zeigt auch der Umstand, dass die Veröffentlichung unter wehenden kurdischen Fahnen im Staatsfernsehen übertragen wurde.

Abdullah Öcalan sitzt seit 14 Jahren in Haft. Auf einer Gefängnisinsel im Marmarameer verbüßt er eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Hochverrats. Er ist dort der einzige Häftling. Er hatte seit Ende vergangenen Jahres mit Vertretern des türkischen Geheimdienstes über den Aufruf zum Gewaltverzicht verhandelt.

Öcalans Einfluss auf die PKK scheint noch immer ungebrochen. Der militärische Oberbefehlshaber der Organisation, Murat Karayilan kündigte an, dass man sich der Waffenruhe "mit Entschlossenheit" anschließen werde. Ob das auch ein Ende der Gewalt bedeutet, ist aber noch nicht sicher. In den letzten Tagen hatte es mehrere Anschläge gegeben, mit denen radikale Gruppen einen möglichen Frieden verhindern wollten.

Washington begrüßt Friedensaufruf Öcalans

Die US-Regierung hat den Aufruf Öcalans zu einer Waffenruhe und zum Abzug von Kämpfern begrüßt. Dies sei ein "positiver Schritt" zur Beendigung von über drei Jahrzehnten "tragischer Gewalt".

Mit dem Gewaltverzicht beendet die PKK ihren fast 30 Jahre andauernden bewaffneten Kampf gegen die türkische Regierung. In der Auseinandersetzung sind seit 1984 etwa 40.000 Menschen getötet worden. Ziel der PKK war ursprünglich ein eigener kurdischer Staat im Südosten der Türkei. Mittlerweile fordert sie mehr Autonomie und kulturelle Rechte. In dieser Hinsicht hat Ankara bereits Entgegenkommen gezeigt – beispielsweise in der Sprachenpolitik.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Ein erster Schritt zu einer Lösung ist getan -
PKK-Chef Öcalans Ausruf der Waffenruhe (Kommentar)
Auf dem Weg zu einem friedlichen Miteinander -
Friedensbotschaft zum kurdischen Frühlingsfest
Hoffnung in der Kurdenfrage -
Türkische Politiker trafen PKK-Chef Abullah Öcalan
Blutige Fronten in der Türkei -
Das Kurdenproblem ist immer noch ungelöst

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Historische Aufnahmen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

MogelpackungenGroße Packung, wenig Inhalt

Blick auf ein Supermarktregal. (imago / Waldmüller)

Ob Parfüm, Pralinen oder Cappuccino-Pulver: In vielen Produktverpackungen ist oft weniger drin, als es auf den ersten Blick scheint. Von aufwendig gestalteten Verpackungen sollten sich Käufer also nicht blenden lassen. Aber das ist nur eine Möglichkeit, Mogelpackungen zu erkennen.

Fotoausstellung in Frankfurt am MainPostmoderne Blicke auf die Realität

"Fotografien werden Bilder - Die Becher-Klasse" im Kunstmuseum Städel  (picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert)

Ob Andreas Gursky, Candida Höfer oder Thomas Ruff - sie alle waren Schüler von Bernd und Hilla Becher und eroberten mit ihren zumeist großformatigen Fotografien die Kunstszene. Unter dem Titel "Fotografien werden Bilder" zeigt das Städel-Museum in Frankfurt am Main nun 200 Werke.

GAFFER-PROZESSKein Respekt vor Rettungskräften

Der Feuerwehrmann Jörg Nießen hat Verständnis dafür, dass Menschen neugierig sind. Aber wenn Gewalt ins Spiel kommt, würden definitiv Grenzen überschritten.

Erdogans Referendum"In diesem Lande werden Menschenrechte mit Füßen getreten"

Die HDP-Abgeordnete Feleknas Uca (im Jahr 2015) (imago/ZUMA Press)

Die Türkei sei kein Rechtsstaat, sagte die Abgeordnete der kurdischen HDP, Feleknas Uca, im DLF. Weil sie auf Pressekonferenzen ihre Meinung gesagt habe, sei ihre Immunität aufgehoben worden. Dabei hätten 48 Prozent der Bevölkerung gegen das Referendum gestimmt. Uca hofft auf ein gemeinsames Vorgehen der oppositionellen Kräfte.

Renaissance des "Und was ist mit…?"Perfider Trick aus der Mottenkiste der Rhetorik

US-Präsident Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus.  (picture alliance / Ron Sachs/Consolidated News Photos/Ron Sachs - Pool via CNP)

Donald Trump beherrscht ihn perfekt und auch viele Diskutanten in den sozialen Medien: Mit "Und was ist mit…?" kann man jede Debatte torpedieren und als Sieger hervorgehen. Doch die Strategie lässt sich auch entlarven.

Schlafstörungen"Ein Wunder, dass man überhaupt noch schlafen kann"

Eine Frau liegt in einem Bett und schläft. Sie liegt dabei auf dem Bauch und streckt einen Arm zur Seite aus. (imago stock&people)

80 Prozent der Arbeitnehmer schlafen schlecht, so eine neue Krankenkassen-Studie. Er gehe zwar von einer niedrigeren Zahl aus, sagt Schlafforscher Peter Clarenbach. Dass aber vor allem Arbeiter und Angestellte betroffen seien, liege an Entwicklungen in der Arbeitswelt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Überbuchungen  Fluggesellschaften ziehen Konsequenzen | mehr

Kulturnachrichten

Ariane Mnouchkine erhält Goethepreis  | mehr

 

| mehr