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Plagiatsvorwürfe: Uni leitet offizielles Verfahren gegen Schavan ein

Entscheidung nach Sitzung des Fakultätsrates in Düsseldorf

Bundesbildungsministerin Schavan könnte ihren Doktortitel verlieren. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Bundesbildungsministerin Schavan könnte ihren Doktortitel verlieren. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Die Universität Düsseldorf eröffnet ein offizielles Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels von Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Das kündigte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, an.

Die Entscheidung traf der Fakultätsrat auf einer turnusmäßigen, nichtöffentlichen Sitzung. Bleckmann zufolge votierte das 15-köpfige Gremium mit 14 Ja-Stimmen für das Verfahren, ein Mitglied enthielt sich. "Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das Verfahren ergebnisoffen ist", versicherte Bleckmann. Der CDU-Politikerin und engen Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt also nach wie vor die Hoffnung auf einen für sie guten Ausgang.

Schavan wird vorgeworfen, in ihrer 1980 verfassten Dissertation Textpassagen unsauber übernommen und Quellen nicht klar gekennzeichnet zu haben. Sie selbst wies einen Täuschungsversuch mehrmals zurück. Bleckmann führte aus, wenn die Universität Anzeichen für ein wissenschaftliches Fehlverhalten habe, müsse sie dem "konsequent und unabhängig von Person und Position" nachgehen. Die Fakultät habe zu überprüfen, ob der Doktortitel seinerzeit zu Recht verliehen wurde. Dabei werde der Rat sowohl die vorinstanzliche Untersuchungen als auch die Stellungnahme Schavans einbeziehen.

Krista Sager ist Sprecherin für Wissenschafts- und Forschungspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. (Bundestagsfraktion Bündnis '90/Die Grünen - Foto: Stefan Kaminski)Krista Sager ist Obfrau im Bildungs- und Forschungsausschuss des Bundestages. (Bundestagsfraktion Bündnis '90/Die Grünen - Foto: Stefan Kaminski)Die Grünen-Bildungspolitikerin Krista Sager kritisierte die lange Dauer. Neun Monate bis zur Eröffnung eines Hauptverfahrens sei sehr ungewöhnlich, meinte Sager im Deutschlandfunk. Zugleich warb sie für einheitliche Regeln an den Hochschulen bei der Überprüfung von Doktortiteln.

Der Historiker Paul Nolte von der Freien Universität Berlin sprach sich dafür aus, die Rolle akademischer Titel außerhalb der Wissenschaft zu überdenken. Die Politik habe ein ganz anderes Handlungsfeld. "In keinem anderen vernünftigen Land der Welt - ob in den USA, Frankreich oder Großbritannien - käme man als Politiker auf die Idee, einen Doktortitel, so ostantativ seinem Namen voranzustellen und die politische Karriere damit zusätzlich legitimieren zu wollen."

Verfahren könnte sich auf CDU-Bundestagswahlkampf auswirken

Das schwebende Verfahren könnte für die CDU zur Belastung für den nahenden Bundestagswahlkampf werden. Schavan hatte erklärte, auch im Falle eines Aberkennungsverfahrens wolle sie wieder für den Bundestag kandidieren. Dafür bekam sie bereits Rückendeckung aus ihrem Heimatwahlkreis Ulm/Alb-Donau. Der dortige Kreisverband will auch nach dem Beschluss des Fakultätsrats eine erneute Kandidatur Schavans für den Bundestag unterstützen. Ihre Nominierung soll am kommenden Freitag erfolgen. "Wir stehen voll und ganz zu der Kandidatin", sagte Kreisverbandschef Paul Glökler.

Vor der Entscheidung des Fakultätsrats hatte bereits eine Promotionskommission auf Grundlage eines Gutachtens einstimmig die Einleitung eines formalen Aberkennungsverfahrens empfohlen. Die Plagiatsvorwürfe waren Ende April 2012 auf einer Internetplattform erstmals erhoben worden. Das erste offizielle Gutachten des Judaistik-Professors Stefan Rohrbacher, das eigentlich vertraulich zu behandeln war, war im Herbst an Medien lanciert worden. Darin wirft der Forscher Schavan eine Täuschungsabsicht vor. Nach Kritik an dem Durchsickern dieser Informationen bemühte sich die Uni darum, Ähnlichem vorzubeugen. Wohl auch deshalb wurde die Sitzung am Dienstag massiv abgeschirmt: Die Mitglieder tagten fast fünfeinhalb Stunden an einem geheimen Ort.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

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