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Planet mit Schwindsucht

Programmschwerpunkt "Artenvielfalt" zur 9. UN-Naturschutzkonferenz in Bonn

Von Jule Reimer und Georg Ehring

Logo der UN-Naturschutzkonferenz 2008 (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU))
Logo der UN-Naturschutzkonferenz 2008 (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU))

So manche Tierart fällt der Öffentlichkeit erst auf, wenn sie stört: Die Kleine Hufeisennase zum Beispiel, eine streng geschützte Fledermausart, lebte kaum bemerkt von der Öffentlichkeit nahe dem Elbufer bei Dresden - bis Naturschützer gegen den Bau der Waldschlösschenbrücke klagten, um die Tiere zu schützen. Allerdings vergeblich. Das ist kein Einzelfall: Wenn Infrastrukturprojekte oder Industrieansiedlungen gegen den Naturschutz stehen, ist es um den Bestand der geschützten Art oft geschehen.

Einen Ausblick auf den Programmschwerpunkt gibt unsere Dia-Show im Flash-Format

Auf der Erde spielt sich zurzeit ein großes Artensterben ab - das erste Massensterben, das von Menschenhand verursacht wird. Rund 15.000 Tier- und Pflanzenarten drohen in den nächsten Jahren unwiderruflich zu verschwinden. Die Liste der Ursachen ist lang: dazu gehört der Verlust von Lebensräumen wie im Fall der Hufeisennase, das großflächige Abholzen von Urwäldern, die Verschmutzung und Überfischung der Meere. Hinzu kommen landwirtschaftliche Monokulturen mit massivem Einsatz von Düngern und Pestiziden, außerdem Jagd und illegaler Handel mit Tropenholz und Trophäen, mit Kaviar und Elfenbein. Verschärft wird diese Entwicklung durch die Klimaerwärmung, die die gewachsenen Ökosysteme in nie gekanntem Tempo aus dem Gleichgewicht wirft.

Frau mit bedrohter Hoodia-Pflanze, die als Heilmittel gegen Husten und Erkältungskrankheiten geschätzt wird. (AP)Frau mit bedrohter Hoodia-Pflanze, die als Heilmittel gegen Husten und Erkältungskrankheiten geschätzt wird. (AP)Artenvielfalt ist jedoch nicht nur ein Wert an sich - sie zahlt sich für den Menschen aus: Erstens ist es gerade die Vielfältigkeit, die Pflanzen und Tiere anpassungsfähig macht - auch an den Klimawandel - und damit ihnen das Überleben und uns die Ernährung sichert. Zweitens lassen sich die genialen Ideen der Natur analysieren und in unserem Alltag gebrauchen: Bionik nennt sich diese Wissenschaft; der Klettverschluss - der Klette abgeguckt - ist so eine Raubkopie aus der Natur genauso wie das Flugzeug. Drittens haben viele Pflanzen medizinische Wirkungen. Indigene und andere traditionelle Völker nutzen dies und oft geben sie ihr Wissen bereitwillig weiter. Inzwischen beuten moderne Forscher und Unternehmer diese Kenntnisse aus, häufig allerdings ohne die Urheber darüber zu informieren oder gar an den Profiten zu beteiligen.

Wie solche Profite angemessen verteilt werden, ist nur ein Punkt von vielen, über die rund 5000 Delegierte aus 190 Ländern vom 19. bis zum 30. Mai in Bonn auf der 9. UN-Naturschutzkonferenz diskutieren und streiten werden. Grundlage ist die Biodiversitätskonvention (CBD) der Vereinten Nationen, die 1992 auf der Weltkonferenz in Rio de Janeiro verabschiedet wurde.

Der Deutschlandfunk nutzt diese Konferenz für einen Programmschwerpunkt. Lohnen sich hierzulande millionenschwere Programme zum Schutz von Feldhamster und Großtrappe? Wem gehört die Artenvielfalt - als Erbe der Menschheit uns allen? Oder können Brasilien, Indonesien und Malaysia ihre extrem artenreichen Regenwälder nach eigenem Gusto nutzen statt zu schützen? Wo beginnt die Verantwortung der nördlichen Industriestaaten für die Vielfalt des tropischen Regenwaldes, wenn der durch den Klimawandel bedroht ist? Über diese Fragen wollen wir berichten und diskutieren, mit Live-Sendungen aus Bonn und Reportagen von Orten in Deutschland und der Welt, an denen die Artenvielfalt besonders groß, bedroht oder intakt ist. Hören Sie rein und diskutieren Sie mit!

Sendetermine:

Sonntag, 18. Mai 2008
"Interview der Woche"
Wieczorek-Zeul will Kampf gegen Biopiraterie verstärken

"Sonntagsspaziergang, 11.30 Uhr"
Besuchen und bewahren - Naturschutz auf Reisen

"Wissenschaft im Brennpunkt, 16.30 Uhr"
Arachnophobia - Exotische Spinnen auf dem Weg nach Europa

"Hintergrund, 18.40 Uhr"
Artenvielfalt wozu? - Die UN-Konferenz über den Wert einer intakten Natur

Montag, 19. Mai 2008

" Informationen am Morgen: Podium, 7.50 Uhr "
"Am stabilsten sind Mischbestände" - <br> Ein strukturreicher Wald hält Stürmen besser stand

" Umwelt und Verbraucher, 11.35 Uhr"
Informationen zum Konferenzauftakt

" Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Inventur am Feldrand <br>Deutsche Forscher überwachen Artenvielfalt im hessischen Lahn-Dill-Bergland

Dienstag, 20. Mai 2008

"Sprechstunde, 10.10 Uhr"
Sanft und ganzheitlich: Naturheilverfahren in der Medizin

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Was kostet ein Ökosystem? Forscherteams bestimmen monetäre Werte für Biodiversität

Mittwoch, 21. Mai 2008

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Zu ähnliche Elche

Donnerstag, 22. Mai 2008

"Umwelt und Verbraucher, 11.35 Uhr"
Mitläufer oder Täter: Die EU und das Artensterben

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Gleichförmige Vielfalt

Freitag, 23. Mai 2008

"Lebenszeit, 10.10 Uhr"
Per Mausklick in den Wald - Wie sich Natur-Erfahrung verändert

"Wirtschaft am Mittag, 13.35 Uhr"
Portrait des Umweltreiseveranstalters Colibri Reisen aus Dallgow-Döberitz (MP3-Audio)

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Taxonomen auf der Roten Liste

Samstag, 24. Mai 2008

" Podium "
Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

"Wochenendjournal, 9.10 Uhr"
Tod im Tümpel - Das große Froschsterben

"Eine Welt, 13.30 Uhr "

Montag, 26. Mai 2008

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Wandernder Nationalpark

Dienstag, 27. Mai 2008

"Informationen am Morgen, 8.10 Uhr"
WWF: Waldverlust stoppen - Experte fordert Gelder für den Erhalt der Artenvielfalt

"Campus und Karriere, 14.35 Uhr "
Öffentlichkeitsarbeit für die Natur - Ein Ranger stellt sich vor

Mittwoch, 28. Mai 2008

"Verbrauchertipp, 6.25 Uhr"
Verbotene Krokotasche - Beim Mitbringen von Urlaubssouvernirs ist das Artenschutzabkommen zu beachten

"Informationen am Morgen, 7.15 Uhr"
Steiner: Wir können Umweltpolitik nur noch global voranbringen <br> Zur 9. UN-Naturschutzkonferenz in Bonn

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Die kleinen Unbekannten

Donnerstag, 29. Mai 2008

"Marktplatz, 10.10 Uhr"
Kaviar und Krokoleder - Verbotene Mitbringsel aus dem Urlaub

Freitag, 30. Mai 2008

"Umwelt und Verbraucher, 11.35 Uhr"
Ist der Artenschutz weitergekommen? - Eine Bilanz

"Wirtschaft am Mittag, 13.35 Uhr"
Aus der Schatzkiste der Natur - Bionorica forscht nach pflanzlichen Arzneimitteln

"Forschung aktuell, 16.35 Uhr"
Nutznießer des Menschen

"Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden Links:"

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit über die Konferenz und ihre Ziele:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

Die Naturallianz ist ein Zusammenschluss aus Vertreterinnen und Vertretern von Politik, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Kultur, der sich für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Deutschland und weltweit engagiert.
Naturallianz

Die "Convention on Biological Diversity" ist ein Abkommen der teilnehmenden Nationen, das plant, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 entscheidend zu begrenzen
Convention on Biological Diversity

Informationsplattform des Dachverbandes deutscher Naturschutzverbände DNR (Deutscher Naturschutzring) und des Forum Umwelt und Entwicklung, einem Zusammenschluss umwelt- und entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert innovative Projekte zum Umwelt- und Naturschutz und schreibt unter anderem den Schüler- und Jugenwettbewerb "Entdecke die Vielfalt der Natur" aus.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

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