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Planung für die Flüchtlinge aus Syrien

Innenminister diskutieren Konsequenzen der Lage in Syrien

Von Doris Simon

Die Kämpfe in Syrien geht weiter - die Welt berät über Zukunft (picture alliance / dpa/Syrian News Agency Sana / Handou)
Die Kämpfe in Syrien geht weiter - die Welt berät über Zukunft (picture alliance / dpa/Syrian News Agency Sana / Handou)

Am Mittag beraten die EU-Innenminister über die Lage in Syrien und deren Auswirkungen: Es könnte zu einer Flucht vieler Menschen aus Syrien und dem Libanon über die Außengrenzen der EU kommen.

"Noch vor eineinhalb Monaten dachten die Kollegen, das brauchen wir doch nicht. Aber nun ist in den letzten drei Wochen die Situation in Syrien explodiert. Und wir müssen jetzt unbedingt beraten, was wir machen."

Es dauerte, bis Zyperns Innenministerin Eleni Mavrou die Lage in Syrien als Thema auf die heutige Tagesordnung bekam - nun ist es brandaktuell. Bricht das Regime in Damaskus zusammen, könnten bald noch mehr Menschen aus Syrien fliehen. Und aus dem benachbartem Libanon, in dem Damaskus bis zuletzt eine entscheidende Rolle spielte. Die zyprische Innenministerin:

"Derzeit spüren wir den Druck noch nicht. Die Menschen flüchten in die Nachbarländer. Aber keiner weiß, wie sich dort die Dinge entwickeln."

In der Türkei, im Irak, im Libanon und in Jordanien fehlt es überall an Geld und Material, um die rund 120.000 Syrer, die sich bislang über die Grenze geflüchtet haben, angemessen zu versorgen. Panos Mumtzis, der Regionalkoordinator für Syrien des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen, wird die Innenminister heute Mittag zu mehr Unterstützung für die Flüchtlinge in den Nachbarländern auffordern. 193 Millionen US-Dollar, so das Flüchtlingshilfswerk, würden aktuell gebraucht. Bislang ist davon nur ein Bruchteil zusammengekommen. Grund dafür sind in vielen EU-Ländern knappe Kassen. Zypern, die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft, hat zuletzt selber Hilfe aus dem Rettungsschirm EFSF beantragt. Das mache die Entscheidung nicht leichter, räumt die Innenministerin ein:

"Aber wir müssen uns der Situation stellen: Es ist ganz klar, wenn die Nachbarländer nicht in die Lage versetzt werden, den Ansturm von Flüchtlingen zu bewältigen, dann werden die Menschen woanders hin fliehen, es geht schließlich ums Überleben. Wir können uns nicht leisten, das zu ignorieren."

Von Zypern aus gesehen ist Syrien nicht irgendwo im Nahen Osten, sondern direkt vor der Haustür: Eine Stunde sind es von der Insel bis zum syrischen und übrigens auch bis zum libanesischen Festland. Was dort passiert, geschieht also direkt vor der Haustür der Europäischen Union. Auch wenn das längst nicht allen Regierungen bewusst ist: Im Südteil der Insel macht man sich schon länger Gedanken für den Ernstfall. Auch über einen massiven Zustrom von Flüchtlingen in die Europäische Union, etwa nach Zypern. So könnten Flüchtlinge von der türkischen Seite im Norden Zyperns über die lange grüne Grenze in den griechischen Süden gelangen. Innenministerin Eleni Mavrou hofft, dass die übrigen EU-Staaten Zypern in einem solchen Fall rasch zur Hilfe kommen:

"Wir sind besorgt. Wir kennen unsere Verantwortung. Wir wissen, was von Zypern erwartet wird und werden dies auch leisten. Aber unsere Partner in der EU müssen verstehen, dass wir ein zu kleines Land sind, um eine solche Belastung allein zu tragen."

Zypern bereitet sich zugleich vor auf die Evakuierung von Europäern, Amerikanern und anderen Drittstaatlern, die sich derzeit noch in Syrien und dem Libanon aufhalten und bei einer weiteren Verschärfung der Lage ihre Gastländer verlassen müssten. Zypern verfügt über einige Erfahrung in diesem Bereich, weil der griechische Südteil der Insel bereits wiederholt erster Anlaufort war bei Evakuierungen aus dem Libanon in den letzten Jahrzehnten. Im zyprischen Innenministerium geht man davon aus, dass bis zu 200.000 Menschen Versorgung und ein Dach über dem Kopf brauchen. Und das für mindestens 48 Stunden, bevor die Evakuierten in ihre Heimatländer weiterreisen können. Die Vorbereitungen seien abgeschlossen, sagt Innenministerin Eleni Mavrou:

"Wir haben schon festgelegt, wo wir die Evakuierten unterbringen werden, haben Essen, Trinken und medizinische Versorgung vorgesehen, humanitäre Hilfe für bis zu 200.000 Menschen."

Mehrere Regierungen haben inzwischen Experten nach Nikosia geschickt, um die Betreuung ihrer Landsleute und deren Weiterreise nach einer eventuellen Evakuierung aus Syrien und dem Libanon zu besprechen - darunter auch die Bundesregierung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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