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Politische Häftlinge in der DDR mussten für Ikea Möbel bauen

Unternehmen legte in Berlin seine in Auftrag gegebene Studie vor

Die IKEA-Filiale in Duisburg (AP)
Die IKEA-Filiale in Duisburg (AP)

Hat die schwedische Möbelkette Ikea Zwangsarbeiter in der DDR beschäftigt? Diese Frage und der damit verbundene Vorwurf sorgte im Frühjahr für Aufregung. Ikea hat nun eine Studie dazu vorgestellt. Daran gab es aber schon vorab Kritik.

In der DDR sind bei der Produktion von Ikea-Möbeln politische Häftlinge und Strafgefangene eingesetzt worden. Das bestätigt eine von Ikea bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in Auftrag gegebene Untersuchung. Es habe Hinweise ergeben, "dass politische Häftlinge und Strafgefangene in Teilen an der Produktion von Komponenten oder Möbelstücken, die vor 25 bis 30 Jahren an Ikea geliefert wurden, beteiligt waren", teilte der schwedische Möbelhersteller in Berlin mit.

Der Geschäftsführer von Ikea Deutschland, Peter Betzel, räumte ein, dass spätestens ab 1981 damaligen Verantwortlichen des Konzerns der Einsatz von politischen DDR-Häftlingen in der Möbelproduktion bekannt gewesen sei. Man hätte auch Schritte unternommen, um sicherzustellen, "dass Gefangene nicht für die Herstellung eingesetzt wurden". Es sei nun aber klar, dass diese Maßnahmen nicht wirkungsvoll genug gewesen seien. "Zu jener Zeit hatten wir noch nicht das heutige, gut ausgearbeitete Kontrollsystem und haben offensichtlich nicht genug getan, um derartige Produktionsweisen zu verhindern", ergänzte Ikea-Managerin Jeanette Skjelmose.

Zweifel an der Validität der Studienergebnisse

Kritik an der Ikea-Studie wurde bereits vor der Präsentation laut. Er bezweifele, dass die Ergebnisse valide sind, erklärte Roland Schulz, Vize-Vorsitzender der DDR-Opfer-Hilfe, am Morgen in Berlin. Ikea habe die Ermittlungen nicht unabhängigen Stellen überlassen. Kritik war am Mittwoch auch von Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, gekommen: Bei den Recherchen seien offenbar keine Geschichtswissenschaftler beteiligt gewesen. "Dass eine Unternehmensberatung das gemacht hat, halte ich für absurd", sagte Schroeder der "Mitteldeutschen Zeitung". "Es wäre ein Leichtes gewesen, uns zu fragen. Denn bei uns gibt es Kompetenz zu diesem Thema."

Der Vorsitzenden der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, Rainer Wagner, hingegen verteidigte in der "Berliner Zeitung" das Vorgehen der Schweden. "Hier hat wenigstens mal einer den Anfang gemacht", sagte er, forderte jedoch: "Mittelfristig muss eine Entschädigung für die Zwangsarbeiter kommen - und zwar von allen Verstrickten."

Wie sind die Aufarbeitungsbemühungen zu bewerten? Diskutieren Sie mit auf der Facebook-Seite des Deutschlandfunks.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

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