Integrationsauftrag in der Online-Welt stärken

Plakate mit Lügen Presse-Aufdrucken ( © picture alliance)Bagida Demonstration in München, 2015 ( © picture alliance)

Zwölf hochkarätige Gäste aus Politik, Wissenschaft und Medien, 160 Teilnehmer, Vorträge aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Österreich und der Schweiz. Mit einem prominent besetzten Workshop hat sich Deutschlandradio in seinem Berliner Funkhaus zusammen mit dem Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) der Universität Münster am 16. Mai den Veränderungen in der Medienlandschaft in Zeiten des Populismus gewidmet.

Deutschlandradio-Intendant Dr. Willi Steul benannte in seinem Eröffnungsvortrag einerseits die "Delegitimierung des Journalismus" als Medienstrategie von Populisten in Deutschland und den USA und mahnte andererseits zu Selbstkritik: "Was machen wir falsch in der Vermittlung der Komplexität der Dinge und im Ringen um Lösungen, was ja unser demokratisches Gesellschaftmodell auszeichnet?". Helen Boaden, langjährige Radiochefin der BBC, die derzeit an der Harvard University zur Entwicklung der Medienlandschaft in den USA forscht, beschrieb den Niedergang des amerikanischen Verlagsmodells durch das Internet sowie die Polarisierung in zwei einander feindlich gegenüberstehende Medienökosysteme. In Europa müssten die Qualitätsmedien daher verstärkt die Mitte der Gesellschaft stabilisieren. Der Verfassungsrechtler Prof. Bernd Holznagel forderte, den Integrationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu aktualisieren und bescheinigte Deutschlandradio große Verdienste im Zusammenwachsen nach der Wiedervereinigung: "Der integrative Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen muss angesichts der Herausforderungen einer polarisierten Öffentlichkeit neu formuliert werden. Nur so kann der gesellschaftliche Diskurs auch in Zukunft von Qualitätsmedien abgebildet und eingeordnet werden." Im Abschlusspanel, das von der Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien moderiert wurde, betonte der Chef der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt Rainer Robra, dass die Öffentlich-Rechtlichen insgesamt "einen guten Job" machten. Robra warnte vor rein personalisierten Nutzungsangeboten, die den umfassenderen Informationsauftrag gefährden können.
 
Auf dem ganztägigen Workshop referierten und diskutierten deutsche und internationale Medienvertreter und Fachleute über aktuelle Entwicklungen und den Umgang mit Populismus in ihren Ländern. Zu Erfahrungen und landesspezifischen Strategien im Umgang mit populistischen Strömungen sprachen unter anderem Thomas Baumann (ARD-Hauptstadtstudio), Dr. Klaus Unterberger (Österreich), Caspar Selg (Schweiz), Dr. Irina Katsirea (Großbritannien), Dr. Lena Frischlich (Uni Münster) und Deutschlandradio-Chefkorrespondent Stephan Detjen. 
 
Der Workshop wurde von Deutschlandradio und dem Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) der Universität Münster organisiert. Ein Tagungsband ist geplant.

[http://www.deutschlandradio.de/]  

[http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/hoeren/]