Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Präsident Mursi verhängt Ausnahmezustand

Opposition weist Gesprächsangebot zurück

Präsident Mursi hat in drei äygptischen Städten den Ausnahmezustand verhängt
Präsident Mursi hat in drei äygptischen Städten den Ausnahmezustand verhängt (picture alliance / dpa / ©romain Beurrier/wostok Press)

In Port Said, Suez und Ismailia dürfen die Bewohner zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens das Haus nicht verlassen. Doch trotz des Ausnahmezustands hält die Gewalt weiter an. Ägyptens Präsident versicherte unterdessen, dem Land keine autoritäre Herrschaft aufzwingen zu wollen.

Am Montag lieferten sich Demonstranten und die Polizei den fünften Tag in Folge heftige Auseinandersetzungen. Nahe dem zentralen Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo schleuderten Demonstranten Steine auf die Sicherheitskräfte, die Beamten feuerten Tränengas in die Menge.

Am späten Sonntagabend hatten in den Städten Port Said, Ismailija und Suez Tausende gegen den kurz zuvor verhängten Ausnahmezustand in den drei Provinzen protestiert. Vor allem in der Region am Suez-Kanal waren in den vergangenen Tagen bei Ausschreitungen über 50 Menschen ums Leben gekommen.

In den Großstädten Port Said, Suez und Ismailia dürfen die Bewohner zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht die Häuser verlassen. Wie Mursi in einer Fernsehansprache erklärte, gilt die Maßnahme seit Mitternacht für 30 Tage. Er werde nicht zögern, weitere Schritte einzuleiten, um die Gewalt zu stoppen, kündigte Mursi an. Allerdings versicherte er auch, er wolle Ägypten nicht erneut eine autoritäre Herrschaft aufzwingen. Es werde keine Abstriche bei Freiheit, Demokratie und Herrschaft geben. Zugleich lud der umstrittene Präsident Vertreter der Opposition für heute zu Gesprächen über eine Lösung der jüngsten Krise ein.

Opposition reagiert verhalten auf Gesprächsangebot

Nach den Unruhen in Äygpten - hier eine Aufnahme von gestern aus Kairo - hat Präsident Mursi den Ausnahmezustand verhängtNach den Unruhen in Äygpten - hier eine Aufnahme von gestern aus Kairo - hat Präsident Mursi den Ausnahmezustand verhängt (picture alliance / dpa / ©virginie Nguyen Hoang/Wostok P)Doch die Opposition lehnt ab. Friedensnobelpreisträger El Baradei teilte mit, Gespräche wären Zeitverschwendung. Mursi müsse zuerst die Verantwortung für das jüngste Blutvergießen übernehmen. Er forderte zudem eine Regierung unter Einbeziehung der Opposition und ein unabhängiges Gremium zur Änderung der Verfassung. Der linksgerichtete Politiker Sabahi meinte, strikte Sicherheitsmaßnahmen seien keine Lösung. Auch Chaled Dawud, Sprecher der oppositionellen Nationalen Heilsfront sagte, Mursis Einladung sei sinnlos, so lange er nicht festgelegt habe, über welche Themen gesprochen werden solle. Dazu gehöre aus Sicht der Heilsfront auf jeden Fall der Verfassungsentwurf.

In Kairo lieferten sich auch heute Demonstranten und die Polizei Straßenschlachten. Nahe dem zentralen Tahrir-Platz warfen Anhänger der Opposition Steine auf Sicherheitskräfte. Die Beamten setzten Tränengas ein.

Mursi vor Staatsbesuch in Deutschland

Mursi kommt morgen zu einem Staatbesuch nach Deutschland. Die Grünen im Bundestag forderten die Bundesregierung, mit ihm "Klartext" zu reden. Mursi müsse auf die Opposition zugehen, sagte Fraktionschef Jürgen Trittin im Deutschlandfunk. Der ägyptische Staatschef neige zu autokratischen Entscheidungen und sei gemeinsam mit dem Militär und den Muslimbrüdern für die Krise verantwortlich. Er habe es versäumt, eine Verfassung im Sinne aller Ägypter auf den Weg zu bringen. Der von Mursi verhängte Ausnahmezustand in drei Städten des Landes sei nicht förderlich für den Tourismus, die Haupteinnahmequelle des Landes. Wenn Ägypten nun in Chaos und Arbeitslosigkeit versinke, dann sei dies eine Bedrohung für die gesamte Region, warnte Trittin.

Mehr als 50 Tote am Wochenende

Allein in Port Said waren am vergangenen Wochenende mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen, landesweit ist von über 50 Toten die Rede. Die Lage hatte sich am Samstag zugespitzt, nachdem ein Gericht Todesurteile gegen 21 Fußballfans verhängt hatte. Sie werden für die tödlichen Krawalle in einem Stadion der Hafenstadt vor rund einem Jahr verantwortlich gemacht. Wegen der Unruhen nach den Urteilssprüchen hatte Mursi bereits gestern Militär in die betroffenen Städte entsandt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Nahost-KonfliktKritik oder Antisemitismus?

Ein israelischer Panzer steht in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen.

Wieder Raketen auf Israel, wieder Kriegstote in Gaza. In Deutschland wurden judenfeindliche Parolen laut. Was ist berechtigte Kritik an Israel, was schulden wir den Menschen in Gaza, wo beginnt der Antisemitismus? 

Bayreuther Festspiele "Verballhornung des Publikums"

Zuschauer bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth vor dem Festspielhaus 

Die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger wirft der Festspielleitung in Bayreuth Versagen auf der ganzen Linie vor. Der Grund liege im dilettantischen Vorgehen und in der mangelnden Qualität der Inszenierungen.

StraßenlärmDie tägliche Körperverletzung

Die Rücklichter eines fahrenden Autos auf der Karl-Marx-Allee in Berlin.

Der Lärm von Motorrädern und Sportwagen ist ein Angriff auf die Gesundheit, schreibt die Schriftstellerin Pieke Biermann - und spannt etymologisch eine Brücke zum Kampf an der Waffe. 

MigrationNeudeutsche Protokolle

Menschen mit türkischen und deutschen Flaggen warten im Hauptbahnhof in München auf die Ankunft des Erinnerungszuges "50 Jahre Migration".

Es gibt eine lange Liste von Definitionen, auf welche Menschen der Begriff "Migrationshintergrund" zutrifft. Mit dem, was Identität tatsächlich ausmacht, befassen sich neuere Konzepte aus Kunst und Wissenschaft.

HI-VirusAngesteckt durch den Ehemann

Alexandra Frings war verheiratet und hatte einen fünfjährigen Sohn, als sie die Diagnose HIV-positiv bekam. Es stellte sich die große Frage: Wo hatte sie sich angesteckt?

NSA-Affäre Stolpernd durch die Spionageaffäre

Die ehemalige große Abhörbasis der NSA in Bad Aibling in Bayern.

Die NSA- und Spionage-Affäre ist noch lange nicht ausgestanden, kommentiert Falk Steiner. Auf viele drängende Fragen hat die Bundesregierung bislang keinerlei zufriedenstellende Antworten geliefert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gaza-Krise:  Kerry legt Vorschlag über Waffenruhe vor | mehr

Kulturnachrichten

Daniel Barenboim:  Frieden in Nahost durch gegenseitiges Mitgefühl | mehr

Wissensnachrichten

Netz  Heute ist Systemadministrator-Tag | mehr