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Präsidentin kündigt "großen Pakt" für ein besseres Brasilien an

Fernsehansprache anlässlich der Massenproteste gegen soziale Ungleichheit im Land

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff (AP)
Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff (AP)

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff versucht, das Ruder in ihrem Land herumzureißen. Große Versprechungen sollen das Volk beruhigen. Sie kündigte verstärkt Investitionen in öffentliche Dienstleistungen an und garantierte: Der Staatsetat werde nicht durch den Ausbau von WM-Stadien belastet.

Rousseff warb in einer Fernsehansprache für einen großen gesellschaftlichen Pakt für Brasilien und stellte einen Dreipunkteplan vor. Er beinhaltet den Ausbau des städtischen Nahverkehrs, die Investition aller Einnahmen aus der Erdölproduktion in die Bildung sowie den sofortigen Einsatz ausländischer Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen. Zudem werde sie den Kampf gegen Korruption und Missbrauch öffentlicher Gelder verschärfen.

Ferner garantierte sie, dass die Regierung den Staatshaushalt nicht mit Investitionen für die Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 belasten werde. "Das Geld wird ordnungsgemäß von den Firmen und Kommunen gezahlt, die diese Arenen später unterhalten", sagte Rousseff. "Ich würde niemals zulassen, dass diese Mittel dem Staatsetat entnommen werden und somit vorrangige Sektoren wie Gesundheit und Bildung einen Nachteil hätten."

Die Präsidentin lud Gouverneure, Bürgermeister und Vertreter der Protestbewegung zu einem Dialog ein. Die Demonstrationen seien eine wichtige Lektion: "Wir müssen diesen Moment nutzen, um das Land weiter zu verändern", sagte die Politikerin. Zugleich verurteilte sie die gewalttätigen Ausschreitungen.

FIFA reagiert erfreut

«Wir begrüßen die Ansprache von Präsidentin Dilma Rousseff an die Nation, und wir sagen der Regierung erneut unsere Zusammenarbeit zu, um einen sicheren und erfolgreichen Confederations Cup und eine WM zu organisieren, die alle Fußball-Fans genießen können», hieß es in einem Statement der FIFA.

Der Fußball-Weltverband dementierte außerdem, die Sicherheitsvorkehrungen beim Confederations Cup für die Mannschaften verschärft zu haben. Der Ausschluss von Fans beim Training der Gastgeber, der von Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari kritisiert worden war, sei durch logistische Zwänge begründet. Die Ausgangssperre für Italiens Fußballer in Recife und Salvador sei nicht auf FIFA-Initiative verhängt worden.

Proteste gehen weiter

Am Samstag wurden in über 30 Städten Protestmärsche erwartet, auch an den Confed-Cup-Spielorten Belo Horizonte und Salvador. Schon am Freitag gingen die Demonstrationen gegen Korruption, Geldverschwendung und marode öffentliche Einrichtungen weiter. In Rio de Janeiro und anderen Städten gingen Tausende auf die Straße, vereinzelt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Am Donnerstag hatten bis zu 1,5 Millionen Menschen in über 100 Städten demonstriert.

Auslöser der Protestwelle war die Erhöhung von Fahrpreisen für Busse. Mittlerweile richten sich die Demonstrationen auch gegen Korruption in der Politik, Verschwendung von Steuergeldern und Polizeigewalt. Kritisiert werden insbesondere die milliardenschweren Ausgaben für die Fußball-WM im kommenden Jahr und die Olympischen Spiele 2016.

Pelé im "Shitstorm"

Unterdessen ging in den sozialen Medien ein "Shitstorm" über das Fußball-Idol Pelé hinweg. "Vergessen wir dieses ganze Chaos, das in Brasilien geschieht, und denken wir daran, dass das brasilianische Team unser Land, unser Blut ist", hatte er vor einigen Tagen in einer Videobotschaft erklärt. "Ich bitte die Brasilianer, nicht die Themen durcheinanderzubringen. Wir beginnen gerade, uns auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten." Auf Twitter und Facebook hagelte es Kritik. Und auch andere Fußballstars des Landes wie der Weltmeister von 1994 reagierten erbost: "Pelé, halt den Mund!"

Inzwischen rudert Pelé, der auch mehrere Jahre als Sportminister tätig war, zurück. Er sei zu 100 Prozent für diese Bewegung, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Brasilien brauche Gerechtigkeit. Er habe das Volk doch nur bitten wollen, das National-Team zu unterstützen.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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