Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Vorteil Hollande

Zentrumspolitiker Bayrou will für Sozialisten stimmen

Hollande geht als Favorit aus dem TV-Duell mit Sarkozy hervor. (picture alliance / dpa / Christophe Petit Tesson)
Hollande geht als Favorit aus dem TV-Duell mit Sarkozy hervor. (picture alliance / dpa / Christophe Petit Tesson)

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kämpft für eine zweite Amtszeit, doch seine Hoffnungen erhielten einen überraschenden Dämpfer: Zentrumspolitiker François Bayrou hat sich für den sozialistischen Herausforderer François Hollande ausgesprochen.

Gegen seinen überraschend aggressiv auftretenden Herausforderer François Hollande konnte der französische Präsident am Mittwoch im großen TV-Duell nicht punkten. Explizit hatte Sarkozy im Duell auf die Wähler der Mitte gesetzt: In seinem Schlusswort sprach der 57-Jährige die Anhänger des Zentrumspolitikers François Bayrou an. Doch genau dieser verpasste dem Amtsinhaber nun einen Dämpfer. Er werde für Hollande stimmen, erklärte Bayrou gestern Abend.

Zentrumspolitiker François Bayrou (picture alliance / dpa / EPA/ Ian Langsdon)Zentrumspolitiker François Bayrou (picture alliance / dpa / EPA/ Ian Langsdon)Zur Begründung sagte Bayrou, Präsident Nicolas Sarkozy habe sich auf eine Verfolgungsjagd nach den Stimmen der Rechtsextremen begeben. Sarkozys Linie sei brutal und widerspreche nicht nur seinen Werten, sagte Bayrou. Er werde allerdings keine allgemeine Empfehlung für seine Wähler geben, fügte Bayrou hinzu. Der 60-Jährige war selbst bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen angetreten und hatte 9,13 Prozent der Stimmen erhalten.

Trotz wachsender Differenzen über Sarkozys Rechtsruck im Wahlkampf hatten Beobachter überwiegend mit einer Empfehlung Bayrous für den Amtsinhaber gerechnet, die beide grundsätzlich im selben politischen Lager beheimatet sind. Es ist das erste Mal in Jahrzehnten, dass sich ein liberaler Kandidat für einen Linken ausspricht.

Umfragen sehen Sarkozy hinten

Mit Bayrous Entscheidung für Hollande wird die Luft für Sarkozy nun immer dünner: Kurz vor der Stichwahl am Sonntag liegt Hollande klar vor Sarkozy. Nach mehreren Umfragen käme der Sozialist auf 52,5 bis 53,5 Prozent, Sarkozy auf 46,5 bis 47,5 Prozent. Allerdings büßte Hollande leicht gegenüber den vorherigen Umfragen ein.

Um Hollande allerdings noch zu schlagen, müsste Sarkozy eine Gratwanderung gelingen: Er müsste nicht nur den Großteil von Bayrous Wählerschaft der ersten Runde überzeugen, sondern auch mehr als 80 Prozent der Wähler der rechtsextremen Marine Le Pen für sich gewinnen. Doch auch Le Pen verweigerte Sarkozy die Wahlempfehlung.

Nach Einschätzung von Jürgen Ritte, Direktor des Instituts der Etudes Franco-Allemandes an der Sorbonne, hat es Hollande geschafft, sich beim TV-Duell gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy "deutlich zu profilieren". Er stehe für eine "Republik, die für alle gleich ist und alle schützt", sagte Ritte im Deutschlandradio Kultur.

Der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts, Frank Baasner, glaubt nach dem Duell nicht an einen Wahlsieg Sarkozys. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es Sarkozy gelingt, das noch umzudrehen", sagte Baasner im Deutschlandfunk.

Das TV-Duell in Frankreich ist heute auch Thema in der Presseschau des Deutschlandfunks. Nach Ansicht der "Saarbrücker Zeitung" hat Sarkozy Hollande dramatisch unterschätzt:

"Verliert Sarkozy die Wahl, ist er Opfer seiner selbst, seines Opportunismus und seiner Überheblichkeit. Hollande mag weniger Charisma haben. Doch er hat die Wahl geschickt zu einem Anti-Sarkozy-Votum gemacht."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:35 Uhr Wirtschaft am Mittag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Länderreport

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Carles Puigdemont"Natürlich betrachte ich mich noch als Präsident"

Carles Puigdemont sitzt auf der Stufe einer breiten Treppe eines Gebäudes in Brüssel (AFP/ Emmanuel Dunand)

Der abgesetzte Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, wünscht sich ein Gespräch mit Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy in Brüssel. Der Konflikt zwischen Katalonien und Madrid brauche eine politische Lösung, sagte Puigdemont im Dlf: "Wir sind bereit, den Vorschlag des spanischen Staates zu hören."

Ex-Oberbürgermeister Ude über die SPD"Es ist nicht erkennbar, welche Ziele der Partei wichtig sind"

SPD Mayor of Munich Christian Ude addresses delegates during the Social Democratic Party (SPD) congress in Hamburg 27 October 2007. The Social Democrats, equal partners in Germany's ruling coalition, voted the day before approved a motion calling on the "grand coalition" government to extend the period of time older Germans can receive full jobless benefits (AFP / John MacDougall)

Der frühere Münchner Oberbürgermeister Christan Ude (SPD) hat das Verhalten des SPD-Parteivorstands nach dem Ende der Sondierungen für eine Jamaika-Koalition kritisiert. Er beobachte eine gewisse Ratlosigkeit in der SPD, sagte Ude im Dlf. "Zum ersten Mal vermisse ich Selbstbewusstsein."

Verlust der Stabilität?Das Ende der Behaglichkeit

Wahlplakte zur Bundestagswahl 2017 (imago/Future Image/Christoph Hardt)

Nach dem Absaufen von Deutsch-Jamaika erheben sich auch hierzulande die großen Götzen: Zorn, Schuld, Verrat. Und plötzlich erkennen wir, dass die Langeweile zuvor höchst wohltuend war, meint der Publizist Christian Schüle.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sinai-Halbinsel  Tote und Verletzte bei Anschlag auf Moschee | mehr

Kulturnachrichten

Brechts Filmerbe vollständig digitalisiert | mehr

 

| mehr