Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Privatzimmer statt Hotel

Drastische Einbußen durch Internet-Portale

Frisch gemachte Betten gibt es in Hotels genauso wie in privaten Gästezimmern. (Monika Seynsche - Deutschlandradio)
Frisch gemachte Betten gibt es in Hotels genauso wie in privaten Gästezimmern. (Monika Seynsche - Deutschlandradio)

Sie heißen Couchsurfing, Airbnb oder Wimdu - und machen dem klassischen Hotelgewerbe schwer zu schaffen. Wer in einer fremden Stadt übernachten will, nutzt immer häufiger Vermittlungsportale für Privatzimmer. Der Hotelverband schätzt, dass etwa 87 Millionen Übernachtungen pro Jahr verloren gehen.

Eine Woche in einem Drei-Zimmer-Appartement am Londoner Hyde Park? Eine kurzfristig verfügbare Ausziehcouch im Frankfurter Nordend, bezahlbar trotz bester Messezeit? Mit Hilfe von Onlineportalen ist es kein Problem mehr, solche Übernachtungsgelegenheiten aufzustöbern. Die US-amerikanische Seite airbnb.com hat nach eigenen Angaben 300.000 Unterkünfte weltweit im Programm. Dort bieten die Nutzer zum Beispiel komplette Wohnungen an, während sie selbst verreisen. Andere inserieren Zweitwohnungen oder einzelne Zimmer.

Branche im Aufwind

Auch die Wettbewerber expandieren schnell. Wimdu.de beispielsweise, ein deutscher Anbieter mit Sitz in Berlin, kann mit seinem Geschäftsmodell 250 Mitarbeiter beschäftigen. Die Portale nehmen in der Regel eine Vermittlungsgebühr vom Gastgeber und meist auch vom Gast. Im Streitfall ist das Portal bei der Schlichtung behilflich, wenn sich etwa die versprochene Traumlodge als lediglich clever fotografierte Besenkammer entpuppt oder aber der Kunde die Einrichtung demoliert.

Den Trend hin zu privat vermittelten Unterkünften bekommen die klassischen Gastgeber zu spüren. "Damit geht der Hotellerie rund ein Viertel der jährlich rund 370 Millionen Übernachtungen in Deutschland verloren, wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen könnte", sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Berlin, Willy Weiland, der "Wirtschaftswoche". Demnach bringen es die einschlägigen Internet-Portale in Deutschland mittlerweile auf 87 Millionen gebuchte Übernachtungen im Jahr.

Auch Hotel-Vermittler wachsen

Das Gastgewerbe steht auch auf eine andere Weise unter Druck aus dem Onlinebereich. Immer weniger Buchungen akquirieren die Hotels und Pensionen selbst. Bereits mehr als ein Drittel kommt über das Netz, zum Beispiel über das Hotel-Reservierungs-System HRS aus Köln. Anders als die Privatzimmerportale lenken HRS, Expedia und Co. die Kunden zwar in die klassischen Hotels – allerdings stellen sie denen dafür eine Vermittlungsgebühr in Rechnung, die zwischen zehn und 20 Prozent betragen kann. Das schmeckt nicht allen Hotelbesitzern, sie haben Angst, zu viel Gestaltungsspielraum an die Vermittler abzugeben.

Mehr auf dradio.de:

Haus, Auto, Werkzeug gemeinsam nutzen - "KoKonsum" und Shareconomy propagieren Teilen statt Besitzen
Touristen statt Mieter - Wie das Wohnen auf Zeit die Städte verändert

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Gottesdienst

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Kultur des TodesWenn der Friedhof stirbt

Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen finden ihn als letzte Ruhestätte zu teuer und die strengen Vorgaben nicht zeitgemäß. Sie lassen ihre Asche lieber übers Meer verstreuen, sich unter einem Baum beerdigen oder neben dem geliebten Haustier.

Soziologe Khosrokhavar über Terror in EuropaWarum der Dschihadismus weiter andauern wird

Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar ist Studienleiter an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. (AFP / Damien Meyer)

Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Unruhen in IndienDie Wut der Jugend von Kaschmir

Jugendliche werfen Steine auf ein indisches Polizeiauto während der Unruhen in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. (picture alliance / dpa / Farooq Khan)

Seit dem 8. Juli gehören Tote und Verletzte zum traurigen Alltag im indischen Teil Kaschmirs. Damals erschossen Soldaten den Kämpfer Burhan Wani. In den Augen der indischen Regierung ein Terrorist, für viele Jugendliche ein Held und Märtyrer. Seitdem gehen seine Anhänger regelmäßig demonstrieren - doch immer seltener geht es dabei friedlich zu.

Holocaust-ZeitzeugeMax Mannheimer ist tot

Der Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben. Er galt als wichtige Stimme für die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Yvonne Hofstetter: "Das Ende der Demokratie"Big Data in der Politik

Blick in die Zukunft? - Was kann künstliche Intelligenz (dpa)

Die Big Data-Unternehmerin Yvonne Hofstetter warnt in ihrem neuen Buch davor, welche Konsequenzen künstliche Intelligenz für die Politik haben könnte: Es drohe das "Ende der Demokratie". Und sie zeigt Auswege an, wie eine digitale Zukunft human gestaltet werden kann.

MedizinWach, wacher, Kaffeeschock

Kaffee ist eigentlich eine Art Psychostimulanzie, die sich auf den ganzen Körper auswirkt: der Blutdruck steigt, wir können uns besser konzentrieren und sind aktiver. Nur manchmal trinken wir eine Tasse zu viel - Dr. Johannes Wimmer weiß, was dann zu tun ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlingspolitik  Tauber (CDU) sieht keinen Dissens mit CSU | mehr

Kulturnachrichten

Überraschung beim Filmfestival in San Sebastián  | mehr

Wissensnachrichten

"Spectacles"  Snapchat macht jetzt Sonnenbrillen | mehr