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Proteste bei Trauerfeier für NS-Kriegsverbrecher Priebke

Fausthiebe und Tritte gegen Leichenwagen

Demonstranten in Albano Laziale entrollten ein Plakat mit der Aufschrift "Priebke Henker" (AFP / Vincenzo Pinto)
Demonstranten in Albano Laziale entrollten ein Plakat mit der Aufschrift "Priebke Henker" (AFP / Vincenzo Pinto)

Begleitet von "Henker"- und "Mörder"-Rufen hat in der italienischen Stadt Albano Laziale die Trauerfeier für den NS-Verbrecher Ernst Priebke stattgefunden. Mehrfach gerieten Priebke-Gegner und Neofaschisten aneinander. Der Bürgermeister der Stadt hatte noch versucht, die Trauerfeier zu verhindern.

Es waren emotionale Szenen, die sich in Albano Laziale abgespielt haben. Als der Wagen mit der Leiche des am Freitag verstorbenen NS-Kriegsverbrechers in der Stadt ankam, versuchten Demonstranten, diesen mit Tritten und Schlägen zu stoppen, einige bespuckten das Fahrzeug. Später entrollten Einwohner ein Spruchband mit der Aufschrift "Henker Priebke". Die italienische Polizei hatte Ausschreitungen befürchtet. Sie begleitete den Leichenwagen mit sechs Fahrzeugen.

Priebkes Leichnam wurde in das Seminar der streng konservativen Piusbruderschaft gebracht, wo die Trauerfeier stattfand. Die von der katholischen Kirche abgespaltenen Traditionalisten sind umstritten. Zu ihnen gehörte auch der britische Bischof Richard Williamson, der den Holocaust leugnete und deswegen in Deutschland wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Vor dem Seminar der Piusbruderschaft kam es zu Protesten mehrerer Gegner Priebkes und etwa 20 Neofaschisten. Die Polizei hielt aber beide Gruppen auseinander.

Einwohner der Stadt "fassungslos"

Einwohner in Albano Laziale empfanden die Trauerfeier für den ehemaligen SS-Offizier durch die Piusbruderschaft als Provokation. Der Präfekt von Rom hatte eine Anordnung des Bürgermeisters von Albano Laziale, Nicola Marini, aufgehoben, mit der die Trauerfeier noch verhindert werden sollte. Marini erklärte, die Menschen seien "fassungslos", die Stadt habe eine Widerstandstradition.

Polizisten sicherten den Leichenwagen gegen Demonstranten ab (AFP)Polizisten sicherten den Leichenwagen gegen Demonstranten ab (AFP)Über die Trauerfeier für Priebke hatte es tagelang Diskussionen gegeben. Das Vikariat in Rom lehnte ein kirchliches Begräbnis ab. Die Behörden befürchteten, es könne einen Aufmarsch von Neofaschisten geben. Auch seine Heimatgemeinde Gennigsdorf in Brandenburg sprach sich dagegen aus, Priebke dort zu bestatten. Schließlich bot die Piusbruderschaft an, zumindest eine Trauerfeier für den Kriegsverbrecher abzuhalten.

Genaue Bestattung ungeklärt

Die Frage, wo Priebke beigesetzt werden soll, ist weiter ungeklärt. Sein Leichnam wurde zurück nach Rom gebracht, wo er eingeäschert werden soll. Jüdische Gruppen und Verwandte seiner Opfer forderten, die Asche zu zerstreuen, damit keine Spur des Kriegsverbrechers übrig bleibe.

Priebke war am Freitag im Alter von 100 Jahren gestorben. Er wird für ein Massaker bei Rom im Jahr 1944 verantwortlich gemacht, bei dem 335 Menschen getötet wurden. Er lebte bis in die 90er Jahre unter unverändertem Namen unbescholten in Argentinien, wurde aber schließlich 1998 in Italien zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Bis zu seinem Tod stand er unter Hausarrest.

Mehr zum Thema:

Wurzeln des Faschismus noch lebendig - Italiens Umgang mit der Vergangenheit
Vergangenheitsbewältigung und Vergangenheitsverschleierung - "Nazi-Jagd. Südamerikas Diktaturen und die Ahndung von NS-Verbrechen", Wallstein Verlag

 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:35 Uhr

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