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Proteste in Moskau dauern an

Prominente Oppositionelle in Polizeigewahrsam

Von Gesine Dornblüth

Angehörige der Elitetruppen des Innenministeriums lösen einen Protest in Moskau gegen die Inauguration von Präsident Putin auf. (picture alliance / dpa / Sergei Chirikov)
Angehörige der Elitetruppen des Innenministeriums lösen einen Protest in Moskau gegen die Inauguration von Präsident Putin auf. (picture alliance / dpa / Sergei Chirikov)

Auch einen Tag, nachdem Präsident Wladimir Putin in seine dritte Amtszeit vereidigt wurde, setzen sich die Proteste in Moskau fort. Bereits am Vortag hatte die Polizei rund 300 Menschen verhaftet. Unter ihnen auch der Blogger Alexei Navalny und der Linkspolitiker Sergei Udalzow.

Moskau am Vormittag. An einem Denkmal im Viertel Kitaj Gorod, etwa eine Viertelstunde Fußmarsch vom Kreml entfernt, kampieren etwa zweihundert überwiegend junge Leute. Einige schlafen auf Iso-Matten, andere trinken Tee, zwei junge Frauen spielen Federball. Viele tragen die weißen Schleifen der Protestbewegung. Er sei seit nachts um halb eins auf dem Platz, erzählt ein junger Mann.

"Wir fordern vorgezogene Parlaments- und Präsidentenwahlen. Solange bleiben wir hier."

Seit der Nacht ist auch die Polizei da: einfache Polizisten und Angehörige der Elitetruppen des Innenministeriums, der sogenannten OMON, in Kampfmontur. In den frühen Morgenstunden hatten sie versucht, die Versammlung aufzulösen. Die Menschen sammelten sich daraufhin auf einem anderen Platz und kamen dann zu dem Denkmal in Kitaj Gorod zurück. Jetzt stehen die Polizisten abwartend neben ihren Mannschaftswagen.

"Ich habe mit einem Oberst der Schicht gesprochen, die heute Nacht hier war. Er hat mir gesagt, die nächste Schicht werde weniger hart mit uns umspringen. Aber schauen Sie, da vorn kommt gerade einer von der OMON mit einem Megafon, wahrscheinlich macht der eine Durchsage, und dann jagen sie uns auseinander."

Und das passiert dann auch, allerdings ohne Vorwarnung. Die Polizisten bilden eine Kette und greifen einen nach dem anderen aus der Gruppe heraus, zerren die Menschen in bereitstehende vergitterte Transporter. Auch den jungen Mann, der gerade noch ein Interview gab.

Der Platz leert sich binnen fünf Minuten. Dutzende landen in Polizeigewahrsam.

Bereits gestern, am Tag der Amtseinführung Putins, wurden mehr als 300 Putin-Gegner in Moskau festgenommen, als sie friedlich in der Innenstadt ihren stummen Protest ausdrückten. Die meisten kamen nach wenigen Stunden wieder frei. Viele von ihnen sammelten sich dann in Kitaj Gorod. Dazu hatten der Blogger Alexei Navalny und der Linkspolitiker Sergei Udalzow aufgerufen. Die beiden wurden noch in der Nacht festgenommen. Sie waren am Vormittag noch in Polizeigewahrsam.

Auf der anderen Straßenseite sitzt ein junger Mann auf einem Treppengeländer. Er trägt eine weiße Schleife an der Jeansjacke. Aleksei ist Manager eines Restaurants. Auch er wurde gestern festgenommen. Dies mal ist er rechtzeitig verschwunden, bevor die Polizei zugriff.

"Die Leute singen Lieder zur Gitarre. Es gibt keine Plakate, keine Sprechchöre, und auch keine extremistischen Handlungen."

Aleksej hat sich gestern die Inauguration Putins im Fernsehen angeschaut. Und er hat die Rede Putins gehört, in der er, frisch vereidigt, Demokratie versprach.

"Wir hören schon seit Jahren immer dieselben Versprechen: Kampf gegen Korruption, Demokratie ... Aber bisher ist davon nichts zu erkennen. Wir werden weitermachen. Dies ist keine einmalige Aktion."

Und tatsächlich, der Platz am Denkmal hat sich schon nach zehn Minuten wieder gefüllt. Mehrere Dutzend Putin-Gegner sind zurückgekehrt, um den Protest fortzusetzen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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