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Protesthochburg unter Armeekontrolle

Syrische Truppen in Dschisr al Schugur

Syrische Soldaten erreichen Istabraq nahe der Protesthochburg Dschisr al Schugur. (AP)
Syrische Soldaten erreichen Istabraq nahe der Protesthochburg Dschisr al Schugur. (AP)

Nach der Erstürmung der Stadt Dschisr al Schugur am Wochenende verbreitet die staatliche Nachrichtenagentur Sana nun, die syrischen Truppen hätten dort wieder "Ruhe und Ordnung" hergestellt und "terroristische Banden" vertrieben. Die Opposition hat Präsident Assad erneut zum Rücktritt aufgefordert.

Die Armee habe Dschisr al Schugur "von bewaffneten terroristischen Banden gesäubert, die die Bewohner terrorisierten, öffentliches und privates Eigentum angriffen und Chaos über die Stadt brachten", berichtet Sana. Das syrische Staatsfernsehen strahlte auch Bilder eines angeblichen Massengrabs aus, in dem Leichen von Soldaten und Polizisten gefunden worden seien, die von Aufständischen getötet worden seien.

Die Opposition stellt das anders dar: Sie berichten von heftigen Schießereien zwischen Angehörigen der syrischen Armee, von denen einige zu den Demonstranten übergelaufen sein sollen. Das Regime Assad habe bei großen Teilen der Bevölkerung jede Glaubwürdigkeit verloren, weil es mit äußerster Brutalität gegen die Menschen vorgehe, sagte Korrespondent Felix de Cuveland im Deutschlandradio Kultur. Er berichtet von einer gespannten Ruhe, die nach der Einnahme von Dschisr al Schugur jetzt in Syrien herrsche. Die Opposition spricht mittlerweile von 1300 getöteten Zivilisten seit dem Beginn der Proteste im März.

Tote bei Einmarsch in Dschisr al Schugur

Dschisr al Schugur ist eine Hochburg des Protests gegen da Regime von Syriens Präsident Baschar al Assad. In der Nacht zum Sonntag rückten Panzer der syrischen Armee nach tagelanger Belagerung in die Kleinstadt ein. An der Erstürmung von Dschisr al-Schughur soll die gefürchtete 4. Division der "Republikanischen Garde" beteiligt gewesen sein, die von einem Bruder des Präsidenten befehligt wird. Es habe zahlreiche Tote unter den Zivilisten gegeben, berichten Einwohner.

Eine Syrerin vor dem Flüchtlingslager im türkischen Boynuyogun nahe der syrischen Grenze. (AP)Eine Syrerin vor dem Flüchtlingslager im türkischen Boynuyogun nahe der syrischen Grenze. (AP)

Flüchtlingslager in der Türkei

Die meisten der 50.000 Einwohner der Stadt waren in den vergangenen Tagen bereits aus Furcht vor den heranrückenden Truppen geflohen. In der Türkei sind inzwischen mehr als 5000 syrische Flüchtlinge eingetroffen. Sie werden in Zeltstädten des Türkischen Roten Halbmondes untergebracht. Die türkische Regierung hat mehrfach versichert, dass sie die Grenze zu Syrien nicht schließen wird.


Syriens Präsident Baschar al-Assad (AP)Syriens Präsident Baschar al-Assad (AP)

Internationale Reaktionen

Immer mehr verdichtet sich das Bild, dass Assads Regime mit dem Rücken zur Wand steht, berichtet Felix de Cuveland im Deutschlandradio Kultur. Außenpolitisch stehe Assad vor einem Scherbenhaufen. Der französische Außenminister Juppé sprach ihm sogar die Legitimation ab, das Land weiter zu regieren. Vertreter der syrischen Exil-Opposition forderten Präsident Assad von London aus auf zurückzutreten. Der UNO-Sicherheitsrat berät über eine Entschließung zur Verurteilung der Gewalt in Syrien und zur Verhängung eines Verbots von Waffenlieferungen an Syrien.

Die USA haben die syrische Führung aufgefordert, die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung sofort zu stoppen.

Amateurvideo aus der syrischen Stadt Daraa, die am 25.4. 2011 von Regierungstruppen besetzt wurde (AP)Amateurvideo aus der syrischen Stadt Daraa (AP)

Beweisvideos im Internet

Seit Mitte März demonstrieren die Menschen in Syrien für mehr Freiheit und Mitbestimmung, gegen Korruption und staatliche Willkür. Die brutale Gewalt der syrischen Sicherheitskräfte gegen die Regierungskritiker dokumentieren die Aktivisten selbst in Form von Videoaufnahmen. Eine Opposition, die an Profil gewinnt, erste Abtrünnige innerhalb der Streitkräfte und grausame Videos getöteter Teenager - das syrische Regime kämpft nun an verschiedenen Fronten.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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