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Prozess gegen den "Schlächter von Srebrenica"

Ratko Mladic muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Völkermords verantworten

Ex-General Radko Mladic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (picture alliance / dpa (Martin Meissner))
Ex-General Radko Mladic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (picture alliance / dpa (Martin Meissner))

Erst reichte er muslimischen Kindern Bonbons, dann ließ er ihnen die Kehlen durchschneiden. So brannte sich Ratko Mladic bei Augenzeugen des Massakers von Srebrenica ins Gedächtnis. Knapp 20 Jahre danach hat nun der Prozess gegen den ehemaligen Kommandeur der bosnischen Serben begonnen.

Es war im Sommer 1995, als der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien eine neue Dimension der Grausamkeit erreichte. Serbische Truppen unter Führung von General Ratko Mladic stürmten die in Bosnien liegende UN-Schutzzone Srebrenica. Sie vertrieben die muslimische Bevölkerung, richteten ein Massaker an. Es dauerte eine Woche. 8000 Jungen und Männer ließen ihr Leben.

Gräueltaten vor den Augen der UNO

Das alles geschah vor den Augen von 500 UN-Blauhelmsoldaten, die in Srebrenica stationiert waren, um den Flüchtlingen einen Zufluchtsort zu bieten. Angesichts der Übermacht von 15.000 serbischen Angreifern und einem fehlenden Mandat überließen die Niederländer die Zivilbevölkerung ihrem Schicksal.

"Kindern wurden die Kehlen vor den Augen ihrer Mütter durchtrennt", berichtet der ägyptische Richter Ruad Riad, der die Anklage gegen Mladic und den damaligen Präsidenten Radovan Karadžic vorbereitet hat. Mladic, der 1992 kurz vor Kriegsbeginn die Führung der serbischen Truppen übernommen hatte, soll sich dabei besonders zynisch verhalten haben. Augenzeugen zufolge verteilte er kurz vorher noch auf dem Marktplatz Süßigkeiten an muslimische Kinder. Einem soll er sogar den Kopf gestreichelt und ihnen versichert haben, es werde alles gut.

Überraschende Festnahme in Serbien

Das Mahnmal für Srebrenica-Opfer in Potocari (AP)Das Mahnmal für Srebrenica-Opfer in Potocari (AP)Der Name Srebrenica steht für das schwerste Verbrechen an Zivilisten in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dass sich Mladic jemals dafür verantworten würde, hätten bis vor einem Jahr nur wenige für möglich gehalten. Immer wieder wurde der serbischen Regierung vorgeworfen, sie suche nicht entschlossen genug nach Mladic, den serbische Nationalisten nach wie vor als Kriegsheld verehren. Orthodoxe Kirche, Regierungsstellen, Militär und serbischer Geheimdienst sollen ihn über Jahre hinweg gedeckt haben.

Doch im Mai 2011 nahm die Polizei Mladic in dem kleinen Ort Lazavero im Nordosten von Serbien fest. Er wurde auf internationalen Druck hinrasch an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag überstellt. Dort sitzt er seither wie Karadžic im Gefängnis.

"Ethnische Säuberungen", Vergewaltigung, Mord

Mladic steht nicht nur wegen des Massakers in Srebrenica vor Gericht. Auch andere Dörfer und Städte soll er gemeinsam mit Karadžic rücksichtslos zerstört und "ethnisch gesäubert" haben - darunter die bosnische Hauptsadt Sarajewo.

Zum Auftakt des Prozesses beim Betreten des Saals winkte der gesundheitlich angeschlagene Mladic seinen Anhängern auf der Galerie zu und reckte die Daumen nach oben. Später machte er sich Notizen und zeigte keinerlei Emotionen, als er die Ausführungen der Anklage zu den Vorwürfen gegen ihn verfolgte.

Der 70-Jährige muss sich in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantworten. Hinzu kommen Grausamkeit, Geiselnahme, Folter, Vergewaltigung, Abschiebung und illegale Inhaftierung. Ihm droht lebenslange Haft. Mladic selbst weist alle Vorwürfe zurück.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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